All posts by Joachim Unger

[@xaqu1n] Global health & european Anesthesist. Emergency medicine & prehospital care. Lost in structured communication & dreaming of story telling. #FOAMed #dasFOAM

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Gettofaust für die Hand- Hygiene

Hygiene – was für ein schönes Wort…

Wer macht das eigentlich, diese Händedesinfektion? Wenn man der WHO Glauben schenken will, dann sollten vor und nach jedem Patientenkontakt die Hände desinfiziert werden sowie vor einer Prozedur am Patienten und nach jedem Kontakt mit Patientenflüssigkeiten oder Ausscheidungen. Darüber hinaus sollte eine Händedesinfektion stattfinden, nach dem Kontakt mit Gegenständen, die zum Patienten gehören. Nachweislich können so nosokomiale Infektionen verringert werden.

Ignaz Semmelweis, der „Retter der Mütter“ hatte es vorgemacht. Da die Sterblichkeit in dem Geburtshaus in Wien im 18. Jahrhundert zu hoch war, in dem Medizinstudenten und Assistenzärzte arbeiteten, führte er die Händedesinfektion mit Chlorlösung ein, die vor jeder Untersuchung einer Patientin durchgeführt werden musste. Damit senkte er die Sterblichkeits-Rate der Wöchnerinnen exorbitant. (Es heisst von bis zu 30% Letalität auf unter 2%). Die Erreger kamen anzunehmender Weise aus der Pathologie, wo die Ärzte regelmäßig die verstorbenen Wöchnerinnen sektioniert hatten…

So große Sprünge können wir heutzutage nicht mehr bewirken, aber kleine Gewinne in der Qualität der Patientenversorgung führen auch Schritt für Schritt zu großen Erfolgen.

Die Arbeitsgruppe von Mela und Whitworth hat 2014 einen Artikel veröffentlicht, der zumindest das Thema Hygiene nicht mehr so langweilig und trocken erscheinen lässt:

Ein Problem der Weiterverbreitung von Krankheitserregern ist nicht nur die unzureichende und seltene Händedesinfektion, sondern auch die Art der Patienten- Begrüßung und Begrüßung von Kolleginnen und Kollegen. In unserem Kulturkreis ist das Händeschütteln weit verbreitet. Hiermit ist eine große Kontaktfläche und eine relativ lange Kontaktzeit zur Weiterverbreitung von Bakterien und anderen Erregern im Spiel. Dies wurde verglichen mit dem sogenannten „fist-bump“, also dem Aufeinanderstoßen der Fäuste als Begrüssungsritual („Gettofaust“). Die Probanden trugen sterile Handschule, wobei der „Begrüßer“ seine behandschuhten Hände zuvor in apathogener E.coli- Lösung gebadet hatte. Anschließend wurden von dem Begrüßten Handschuh- Abdrücke der Kontaktflächen auf Nährboden gemacht und die Kolonien gezählt. Die Ergebnisse zeigten einen signifikant höheren Bakterientransfer beim Händeschütteln als bei der Gettofaust.

Was sollen wir also aus dieser wissenschaftlichen Untersuchung lernen?

Man sollte vielleicht zum Einen nicht unbedingt jedem die Hand geben, wenn es nicht unbedingt sein muss. Oder: Man muss nicht zu Allem einen wissenschaftliche Veröffentlichung machen. Vielleicht auch: Fist-bump ist eine gute Alternative zum Händeschütteln, wobei grundlegende Verhaltensänderungen nur schwer durchzusetzen sind und dies ein lange andauernder Prozeß sein würde.

Meine Schlußfolgerungen wären: Man könnte auch die Empfehlungen der WHO umsetzen und sich doch einmal die Zeitpunkte zur Händedesinfektion merken…Vor und nach dem Patientenkontakt, vor Prozeduren und nach Kontakt mit Patientenflüssigkeiten und Patientengegenständen.

Und immer an Semmelweis denken.

 

 

Mela S, Whitworth D. The fist bump: A more hygienic alternative to the handshake. American Journal of Infection Control 42 (2014) 916-7

 

 

 

 

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#FOAM international

Bonus- Tickets für dasSMACC

Für alle, bei denen es sich noch nicht rumgsprochen hat: Im Juni startet das grösste Notfall- und Intensivmedizinische Event des Jahres 2017 in Berlin!

Vom 26.-29. Juni findet dasSMACC im Tempodrom in Berlin statt und wer bis jetzt noch keine Tickets hat, dem bietet sich die letzte und einmalige Gelegenheit noch zuzuschlagen

https://www.smacc.net.au/

SMACC bedeutet „Social Media and Critical Care“ und die Konferenz findet zum 4. Mal statt. Es werden alle, die Rang und Namen haben in der Bloggosphere, auf Twitter und Podcasts in Berlin vertreten sein und jetzt schon die therapeutischen Konzepte diskutieren, die dann in 5 Jahren in unseren Lokalblättern erscheinen. Auch der EuSEM kommt da nicht dran und von den deutschen Konferenzen ganz zu schweigen.

Der einzige Harken ist der Preis und der ist happig und orientiert sich mehr am anglo-amerikanischen Raum…

Das Format ist einzigartig und wird auf einer großen Bühne vor 2000 begeisterten Notfallmedizinern und Intensivmedizinern aus aller Welt ein Spektakel darstellen, von dem man später sagen wird: „Und was hast Du gemacht, als SMACC in Berlin war…?“

Kein Powerpoint- Karaokee, kein Rumgestotter, keine Folien mit unleserlichen Graphiken…. Medizinische Weiterbildung 3.0. Und das vor der Haustür.

Also, wer noch kein Ticket hat – letzte Chance!

#FOAM deutsch#FOAM internationalFOAM's world

Neues aus FOAM’s world #1

Soziale Medien (SoMe) spielen inzwischen weltweit für die medizinische Weiterbildung eine große Rolle. #dasFOAM möchte ein Teil davon sein. Wir beschäftigen uns damit, frei verfügbare medizinische Lehrinhalte (FOAMed = Free Open Acess Medical EDucation) in Deutschland bekannt zu machen und unserer eigenen Inhalte zu verbreiten. Aus diesem Grund wollen wir in regelmäßigen Abständen auch berichten, welche Themen national und international in der Notfall- und Intensivmedizin als FOAM verfügbar sind und unlängst besprochen wurden. Dazu wollen wir monatlich eine Zusammenfassung von interessanten Podcasts, Blogs oder auch Tweets der jüngere Zeit liefern.

(Für alle, deren Interesse geweckt wurde und denen es bei englischen Podcast zu Beginn zu schnell geht, sei das Abspielen in 0.75-facher Geschwindigkeit empfohlen… Funktioniert andersrum genau so: EMRAP auf deutsch höre ich immer auf 1,7 facher Geschwindigkeit)

EM RAP german Podcast März 2017  Tobias Becker, Christian Hohenstein und Thomas Fleischmann diskutieren in einem sehr unterhaltsamen Format jeweils die letzte englische Ausgabe von EM RAP aus den USA. Für mich war die Vorstellung der PECARN Pediatric Head Injury Rule von besonderem Wert. Diese Entscheidungshilfe über eine cCT Diagnostik oder Überwachung bei SHT bei Kindern schaut zunächst auf die schwere der Verletzung: Bei klinischem Schädelbasisbruch u./o. GCS<15 u./o. Verwirrtheit wird ein cCT empfohlen. Dann unterscheidet sie zwischen Kindern über und unter 2 Jahren. Über 2- jährige sollten stationär überwacht werden, wenn ein schwerer Unfallmechanismus (DGU), starke Kopfschmerzen oder Erbrechen vorliegen oder Bewusstlosigkeit vorgelegen hat. Bei unter 2-jährigen sind Hämatomen am Kopf außer frontal, abnormales Verhalten (Eltern fragen), Bewusstlosigkeit >5 sec und ein schwerer Unfallmechanismus (DGU) Indikatoren zur Aufnahme. Dann gab es unter anderem eine Diskussion über eine Patientin mit Atemnot mit einer Stimmlippen- Dysfunktion, die zu inspiratorischem Verschluss geführt hatte. Interessant, dass zunächst ein CT durchgeführt wurde, anstatt gleich fiberoptisch reinzuschauen. Andere Länder, andere Sitten. Hört es Euch an, immer wieder super. (JU)

EMcrit Scott Weingart Podcast #191 Januar 2017  Nicht der jüngste Podcast vom „Master of Podcasting“ Scott Weingart, aber einmal wieder einer mit viel Stoff zum Nachdenken. Es ging um ein Cardiac Arrest update und Scott ist ja wahrlich ein „Early-adopter“. Manches ist vielleicht nicht direkt umsetzbar, was ich aber mitgenommen habe, sind die Ideen zu Therapieversuchen bei therapiefraktärem Kammerflimmern. So wird vorgeschlagen, einen zweiten Defibrillator anzulegen und synchronisiert zu defibrillieren. Ausserdem könnte mit Esmolol versucht werden, das Kammerflimmer zu terminieren. Ein weiterer Tipp, den ich bei uns in der Abteilung gerne einführen würde,  ist eine Pflegekraft als zusätzlichen Pflege-Teamleader zu etablieren. Diese Person wäre verantwortlich speziell für die Organisation und Zeitabläufe: nur kurze Unterbrechungen der Herzdruckmassage sicher zu stellen und auf die zeitgerechten Puls-Checks beziehungsweise Defibrillationen zu achten. („Noch 30 Sek. bis zum nächsten Schock“). Großartige Ideen. (JU)

St. Emlyn’s Podcast Review März 2017  ist ein britischer Podcast aus Manchester. Ich schätze sehr das verständliche, britische Englisch des Podcasts und die Art und Weise, wie dort Notfallmedizin behandelt wird. Das Spektrum reicht von Einsteigerthemen bis zu Diskussionen aktueller Veröffentlichungen. Diese werden in gut 20 min jeweils sehr verständlich mit den wichtigsten Punkten erklärt und Simon Carley (@EMManchester) hat eine hervorragende, didaktische Fähigkeit, komplexe Prozesse auf das Wesentliche herunterzubrechen. Mit einem weiteren Autoren, Ian Beardsell (@docib) werden in diesem Podcast die Inhalte des St EMlyn’s Blog (http://stemlynsblog.org/) des letzten Monates durchgesprochen, für alle diejenigen, die keine Zeit hatten die Posts zu lesen. Unter Anderem wird das Thema Lyse bei Schlaganfall beleuchtet und ein aktueller Review- Artikel nennt die Number-needed-to-treat (NNT) 21, während die Number-needed-to-harm (NNH) bei 17 sei. Die Number-needed-to-kill (NNKill) sei sogar bei 39. Abhängig vom Alter des Patienten und der Schwere des Schlaganfalles sollte eine gemeinsame Entscheidungsfindung mit dem Patienten zusammen erfolgen, ob eine Lyse durchgeführt werden sollte. (JU)

– FOAMina Post Pre-Ox, Ap-Ox, Con-Ox, Re-Ox: Sauerstoffphysiologie in der peri-Intubationsphase:
FOAMina ist ein österreichischer Blog der größtenteils von Anästhesisten bespielt wird. In diesem Beitrag geht es um das brandaktuelle und wichtige Thema Oxygenierung.  Wie bewahrt man einen Patienten während der Peri-Intubationsphase vor einer kritischen Desaturierung? Stefan Heschl (@stefanheschl) beschreibt neben detaillierten physiologischen Überlegungen unter anderem auch den Einfluss von Muskelrelaxanzien und mit welchen Tricks man die Sauerstoffsättigung auch während der Apnoe noch vor dem Abfall hindern kann (kein Succinylcholin dafür eine Nasenbrille mit hohem Flow) . Spannendes Thema und mit relativ wenig Aufwand auch umsetzbar! (FS)

So, liebe Leserinnen und Leser, wenn Ihr also Freude an den vorgestellten Podcasts und Posts gewonnen habt, schaut doch wieder rein, wenn es nächsten Monat wieder heißt: Neues aus FOAM’s world

 

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#FOAM internationalIntensivmedizinNotaufnahme

Entwicklungshilfe für die Notfallmedizin

Mein erstes Erlebnis auf dem Begrüßungsabend der developingEM- conference 2016 in Colombo (Sri Lanka) war prägend für den Rest der Konferenz. Kaum war ich angekommen und hatte ein Glas in der Hand, kam ich ins Gespräch mit einem freundlichen älteren singhalesischen Herren, der sich mir als Begründer der Notfallmedizin in Sri Lanka präsentierte. Als ich mich ihm als gefühlter Notfallmediziner aus Deutschland vorstellte, schaute er mich mitleidig an und sagt: „Yo are very far behind in Germany…“ … und Recht hatte er damit. Dr. Dhanapala Rodrigo erklärte mir in seinem Enthusiasmus, wie er vorgegangen war, als er vor Jahrzehnten die Notwendigkeit einer speziellen Notfallversorgung erkannte und in Sri Lanka etablieren wollte. Da er die Widerstände anderen Fachbereiche vorhersah (er ist gelernter Anästhesist), lud er die Kollegen zum Mittagessen ein und… „I served a lot of alcohol…“. Erst dann begann er seine Pläne zu erläutern und vermied den Begriff „Notfallmedizin“, sondern nannte seine neue, geplante Aufnahme- Station „preliminary care“ (vorbereitende Versorgung). Inzwischen hat sich in Sri Lanka ein anerkanntes Weiterbildungsprogramm für den anerkannten Fachbereich Notfallmedizin etabliert. Ein Trainingszentrum in Galle wurde ins Leben gerufen. Des Weiteren komplettieren Strukturveränderungen in Krankenhäusern mit Emergency Departments mit Triage- Systemen und weiterführender Versorgung die Notfallversorgung.

Da dachte ich:

Eine Konferenz dieser Art würde uns in Deutschland auch gut stehen. http://developingem.com/ will aufmerksam machen auf die Bedürfnisse sich entwickelnder Länder in Sachen Notfallmedizin. Die Organisation finanziert sich ausschließlich über die Teilnehmergebühren, ist ohne eigene ökonomische Interessen und ohne industrielle Unterstützung und versucht einen offenen, neuen Weg zu finden, Weiterbildung attraktiv zu gestalten. Für die Besucher der Konferenz aus den Veranstaltungsländern ist die Teilnahme kostenfrei und es werden sogar Reisekostenunterstützungen gewährt. Die Referenten kommen meist aus den Bereichen Notfallmedizin und Intensivmedizin und sind teils hochkarätige Honoratioren aus westlichen Industrieländern und Entwicklungsländern. Damit kommt es zu einer sehr breiten Repräsentation von internationaler, praktischer Notfallmedizin. Die DevelopingEM- Konferenz findet seit 2012 jährlich auf einem anderen Kontinent statt und war bislang in Sydney (Australien), 2x Havana (Cuba), Salvador de Bahia (Brasilien) und im Jahr 2016 in Colombo (Sri Lanka).

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Deutschland ist zwar kein Entwicklungsland im ökonomischen Sinne, was die Etablierung der Notfallmedizin als eigenständiger Fachbereich angeht, aber schon. Dieses Thema war auch Auftakt-Thema des ersten Tages. Gleich zu Beginn der Vorträge wurde mit sinnvollen Ratschlägen von seitens australischer Referenten nicht gespart. Dr. Sue Leraci warnte z.B. vor vielen Dingen, die zu einer Fehlentwicklung in Australien geführt hätten. Der am Meisten gesehene Patient sei der sogenannte „unwell-well“, den wir in Deutschland auch zu Genüge kennen. Nichts wirklich Wichtiges, aber mit der Erwartung in der Notaufnahme werden mal eben schnell alle Gesundheitsprobleme gelöst, an denen sich der Hausarzt schon lange bemüht, sofern man überhaupt Einen hat. Herausgehoben wurde dabei das Rollenverständnis des Notfallmediziners. Die Ausbildung und der Sinn der Notfallmedizin ziele ab auf die unmittelbare Lebenserhaltung der Patienten, die Behandlung zeitkritisch kranker Patienten und die Versorgung von akut komplex-kranken Patienten, die eine stationäre Aufnahme benötigten. Deshalb wäre schlußendlich auch nur ein dreistufiges Triage- System notwendig. (I) akute Lebensrettung (CPR, Atemwegsmanagement etc.) (II) zeitkritische Erkrankungen (ACS, stroke) und (III) komplexe, akute Erkrankungen, die aber nicht unmittelbar zeitkritisch sind. Alle anderen Patienten könnten auch am nächsten Morgen noch zum ambulanten Arzt gehen (Auf Grund der Vergütungskontroversen zwischen KV und Krankenhäusern könnte sich unser System möglicherweise auch dorthin entwickeln). Des Weiteren machte Sue auf den Umstand aufmerksam, daß die Konzentration aller Notfälle in den Händen der Notfallmediziner in Australien dazu geführt hätte, daß andere Fachabteilungen überhaupt nicht mehr in der Lage seien, Notfälle zu behandeln. Alle akuten Probleme müssten also in der Notaufnahme gelöst werden. Von dieser Entfremdung von Notfallbehandlungen sind wir in Deutschland noch weit entfernt, da sich die meisten Fachgebiete ja als Experten für ihre Notfälle begreifen. Man hat bei uns also noch eher die Schwierigkeit als „Notfallmediziner“ überhaupt Ernst genommen zu werden, solange es nicht um Herzdruckmassage geht. Im Gegensatz dazu wird man gelegentlich aber auch mit der Frage konfrontiert, warum der Fachkollege gerade jetzt herangezogen werden würde.

Ein weiterer Australier, Nick Taylor, war als Medical Programm Director for Education aus Melburne für ein halbes Jahr in Galle (Sri Lanka) im Kayapitya Emergency Department, um Notfallmediziner für Sri Lanka auszubilden. Sein enthusiastischer Bericht lässt sich in seinem post nachlesen (https://srilankaemergency.wordpress.com/2016/09/28/emergency-medicine-australia-sri-lanka-nicholas-taylor/). Soviel sei gesagt, daß er jedem Notfallmediziner die Arbeit dort empfehlen möchte, der schwere Krankheitsverläufe im Endstadium behandeln will, die es im den westlichen Ländern nicht mehr gibt (nichts mit „unwell-well“).

Aus der Sicht Sri Lankas berichtete Chula Goonasekera über die Anlauf- Schwierigkeiten eine Fachgesellschaft mit Ausbildungsprogramm aus der Taufe zu heben. Was dafür notwendig zu sein scheint lässt sich seinem schönen Dia entnehmen.

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Auch in Sri Lanka mussten Widerstände überwunden werden, insbesondere von anderen Fachgesellschaften. Es gab keine Unterstützung, außer von aussen und es bedurfte und bedarf weiterhin einen große Motivation und Energieleistung um die Vorstellung von Notfallmedizin umzusetzen. Auch das ist uns in Deutschland nicht unbekannt.

Der weiter Verlauf der Konferenz war geprägt von hochaktuellen Vorträgen zu „praxis-changing“- Artikeln oder Interventionen und von Beiträgen von Notfallmedizinern aus Süd-Ost Asien. Kollegen aus Cambodia, Pakistan, Nepal und Indien berichteten über ihre Fortschritte in der Bildung eigener notfallmedizinischer Abteilungen oder auch Fachgesellschaften und Weiterbildungsprogrammen. Sehr emotional war die, den Saal zu Tränen rührende, Berichterstattung durch Kathleen Thomas zu dem Bombenangriff der US- Amerikaner auf das Krankenhaus der Ärzte ohne Grenzen (MSF Hospital) in Kundus (Afghanistan), das sie selbst überlebt hatte. Unmittelbar aus der Diskussion zu diesem Thema resultierte eine Petition zu #StopBombingHospitals, die von den Konferenzteilnehmern unterzeichnet wurde. Angriffe durch Kriegsparteien auf Gesundheitseinrichtungen werden immer häufiger registriert und scheinen eine Kriegsstrategie z.B. auch durch Assad in Syrien zu sein.

Ein weiterer, mir persönlich ausserdem noch in Erinnerung gebliebene Vortrag, drehte sich um ein eher westliches Problem. In den USA hat sich die Implementierung des Schmerzes als „5.Vitalzeichen“ und die Adressierung dessen mit Opioiden als inzwischen sehr konfliktträchtig und problematisch erwiesen. Möglicherweise stark Industrie- gesteuert hat sich durch leichtfertige Verschreibung und Werbung bei nicht-malignen Schmerzzuständen eine breite Masse an opioid- abhängigen Patienten entwickelt. Diese treten nicht wie die typischen Junkies auf, suchen aber regelmässig verschieden Notaufnahme auf, um ihren Medikamente zu bekommen.

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Der Musiker Prince könnte zum Beispiel ein Todesopfer dieser Verschreibungspraxis gewesen sein. US-amerikanische Kollegen berichteten, dass diese Patienten große Probleme bereiteten, da sie explizit Opioide haben wollten. Sollten diese nicht verschrieben werden, würde das eine negative Bewertung für den jeweiligen Arzt zur Folge haben. Wenn man weiss, daß in einigen Krankenhaus- Konzernen in den USA der Jahres- Bonus zu 50% über die Patienten- Bewertung über den Arzt bestimmt wird, dann kann man sich das Dilemma vorstellen. Das sind auch Auswüchse eines Gesundheitssystems in eine Richtung, die wir hier nicht erleben wollen.

Ein absolutes Highlight war ein organisierter Besuch der Notaufnahmen des Kinderkrankenhauses von Colombo ( ca. 2000 Betten) und eines Traumazentrums. Das Equipment und die technische Ausstattung ist natürlich nicht so umfangreich, wie man es aus westlichen Krankenhäusern gewohnt ist. Nichtsdestotrotz ist vieles ähnlich. Die Warteräume sind voll, die Patienten werden triagiert und Vitalparameter werden erhoben und es gibt eine Menge pflegerisches und ärztliches Personal, das sich um die Patienten kümmert. Ich habe mir ausser der Rettungsstellen noch das CT, das MRT und die Trauma-Intensivstation angeschaut und war beeindruckt von der Professionalität in den Einrichtungen.

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Was diese Konferenz- Reihe von „developingEM“ wirklich ausmacht, ist die Internationalität und relativen Überschaubarkeit der Teilnehmeranzahl. Man kommt hier mit einem Vortragenden aus Afghanistan, dort mit einem SIM- Trainer aus Singapore oder an anderer Stelle mit einem Teilnehmer aus Groß-Britannien ins Gespräch und kann ein Netzwerk aufbauen und Erfahrungen austauschen. Das hilft mir sehr unsere Arbeit in Deutschland zu bewerten und einzuordnen. Unterm Strich glaube ich, machen wir hier eine gute Arbeit in der Notfallmedizin, auch wenn wir uns nicht „Notfallmediziner“ nennen können. Es ist ungemein wichtig, von denen zu lernen, die schon seit über 30 Jahren als „Emergency physicians“ Erfahrungen gesammelt haben. Im Prinzip kochen die zwar auch nur mit Wasser. Da aber in den Ländern mit dem Fachbereich „Notfallmedizin“ eine strukturierte Ausbildung besteht, sind sie echte Experten und nicht Quereinsteiger, wie alle „Notfallmediziner“ in Deutschland. Damit ist die Versorgungsqualität von Notfallpatienten spezifisch organisiert und gesichert und möglicherweise besser.

Abgesehen von den ausgezeichneten Präsentationen und medizinischen Inhalten kommt so eine Konferenz natürlich nicht ohne soziales Rahmenprogramm aus. Darauf möchte ich aber garnicht eingehen. Bei dem breiten Publikum ist quasi jedes Gespräch interessant und jeder Eindruck nachhaltig. Toll, was die Organisatoren Mark Newcombe und Sanj Fernando wieder auf die Beine gestellt haben. Vielen Dank für die inspirierende Erfahrung und die internationale Gemeinschaft.

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Bis zum nächsten Mal

JU

#FOAM deutsch#FOAM internationalNotaufnahme

Sexueller Missbrauch in der Notaufnahme: David Newman

 

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Ein Skandal erschüttert die internationale Welt der Notfallmedizin.

Dr. David Newman, ein ehemals sehr respektiertes Mitglied der FOAM- community hat im Januar letzten Jahres in seiner Notaufnahme in New York eine junge Patientin zur Schulterreposition mit Propofol betäubt, sie sexuell missbraucht und ihr ins Gesicht ejakuliert. Dafür wurde er im Dezember 2016 von einem Gericht zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, weil er diesen Fall und noch drei weitere Fälle unter der erdrückenden Last der Beweise zugab und durch einen Deal einer 8-jährigen Gefängnisstrafe entging.

Newman war international in notfallmedizinischen Kreisen bekannt, unter anderem für seine Blogposts, seinen Podcast, sein Buch und seine Vorträge für SMACC. Seine Ideen zur Notfallmedizin waren inspirierend und haben auch mich in meinem Denken und Handeln beeinflusst. Dieser sexuelle Missbrauch ändert alles. Die Tat hinterlässt nur ein Gefühl von Abscheu. Ich möchte mir nicht vorstellen, was seine Opfer gefühlt haben mögen. Zu deren persönlichen Betroffenheit kommt dazu eine Erschütterung in das Vertrauen in Notfall- Ärzte. Und es ist eine kontroverse Diskussion im Gange, wie die FOAM- community damit umgehen sollte. Newman’s eigene Internet- Auftritte sind offline. Die Podcasts auf SMACC wurden alle gelöscht. In der FOAM- community wurde und wird um die richtige Abgrenzung zu Newman gerungen und den Konsequenzen aus den Taten, die die Unsicherheit von Frauen in jeder Situation exemplarisch darstellte. Dies hat einen bislang unvergleichlichen Shitstorm hervorgerufen, in dessen Anschluß geklärt war, daß SMACC sich unmissverständlich vom Newman distanziert (hat). Die Diskussion um Sicherheit von Patientinnen in Notaufnahmen, aber auch von weiblichen Teilnehmerinnen auf medizinischen Konferenzen geht weiter…

Die Taten von D. Newman müssen eindeutig verdammt werden. Was ich hiermit tue. Es darf keinen Platz geben für sexuellen Missbrauch in Notaufnahmen oder sonst wo in der Welt. Um Sicherheit in der Notaufnahme zu schaffen, sollte jeder an eigenen Prinzipien festhalten und selbst Missverständnisse vermeiden.

Ich persönlich verfolge schon immer die Maxime, keine Frau zu untersuchen, ohne eine Schwester im Raum zu haben. Damit versuche ich Vertrauen und Klarheit zu schaffen. Darauf sollte man in jedem Fall auch bei Einsatz von Narkosemitteln achten. Ein Problem ist aber auch die Schwierigkeit für Opfern, sich Gehör zu verschaffen. Sexueller Missbrauch ist häufiger, als man denkt. Ich wurde einmal Zeuge von Untersuchen zu sexuellem Missbrauch bei Prämedikationen und der Umgang mit diesen polizeilichen Investigationen ist für alle Beteiligten hochgradig nervenaufreibend. In jedem Fall sollte jedem Verdacht und jeder Anzeige explizit nachgegangen werden. Das sind wir den Patientinnen schuldig. Wer im Vertrauen auf eine ärztliche Untersuchung sich in die Hände von Notfallmedizinern begibt, darf keinen Zweifel daran haben, respektvoll behandelt zu werden. Aus diesem Grunde distanzieren ich mich hiermit noch einmal eindeutig und klar von David Newman und seinen Untaten. Ich hoffe diese Diskussion schärft auch bei uns in Deutschland die Sinne, daß sexueller Missbrauch eine Straftat ist, die auch in Notaufnahmen vorkommen kann. Dem müssen wir alle geschlossen entgegentreten.

Joachim Unger

http://www.kevinmd.com/blog/2016/12/david-newman-betrayed-patients-emergency-medicine.html

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Video-Link: https://prehospitalmed.com/2017/01/07/pharm-podcast-158-my-divorce-from-smacc/

http://www.smacc.net.au/2015/11/dogmalysis-and-pseudoaxioms-by-david-newman/

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