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Dot und Antidot – Doppelter Gewinn?

Ein wichtiger Punkt in unserer alltäglichen Arbeit klinisch wie präklinisch ist das Management von blutenden Patienten mit Antikoagulantien. Üblicherweise verstehen wir da natürlich im engeren Sinne neben den Kumarin-Derivaten (Phenprocoumon wie Marcumar oder Falithrom) auch die neuen Präparate: ehemals NOAKs (N = neu), jetzt DOAKs (D = direkt). Grundsätzlich ist das Blutungsmanagement oft beschrieben und ausführlich diskutiert. Präklinisch haben wir da wenig Optionen – außer dem üblichen Schockmanagement beim instabilen Patienten. Oder hat wer PPSB oder gar aktivierten Faktor VII auf dem NEF verfügbar? Read More

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Gespräche mit unseren Vätern

Vorwort

Dies ist ein Post, den Dr Ben Symon für den Blog „Life In The Fast Lane“ schrieb. Der Post wurde ins Deutsche übersetzt, dabei wurde vor allem darauf geachtet, dass der Sinn vermittelt wurde. An einigen Stellen musste dafür etwas freier übersetzt werden, als in offiziellen Übersetzungen üblich.

Gespräche mit unseren Vätern

Dies ist ein Gastbeitrag, den Dr. Ben Symon (@symon_ben) geschrieben hat. Ben ist ein Notfallmediziner mit Schwerpunkt Pädiatrie in Queensland, und einer der Erfinder von Simulcast.

Als ich dreizehn Jahre alt war, erzählte mir mein Vater (Dad) vom Milgram-Experiment. Ich erinnere mich sehr genau, wie ich am Küchentisch saß, als er mir erzählte, dass Studienteilnehmer bereitwillig die Voltstärke eines Elektroschock-Gerätes hochdrehten, obwohl sie glaubten, sie könnten einen Häftling damit töten. Der Großteil der Teilnehmer drehte den Strom hoch, wenn ihnen gesagt wurde: „Sie haben keine Wahl, Sie müssen weitermachen“. Die Geschichte blieb mir im Kopf, obwohl ich mir nicht sicher bin, warum mein Vater sie mir erzählte. Ich möchte glauben, er hat sie erzählt, um mich zu lehren, dass Widersprechen schwer ist. Dass die Angst vor Ablehnung mächtig ist.

Als ich fünfzehn Jahre alt war, vertraute ich meinem Vater unter Tränen an, dass ich dachte, mit mir stimme etwas nicht. Dass ich falsch gebaut worden sei. Wir besprachen keine Einzelheiten, aber während er mich tröstete, ließ er mich wissen, dass „ zwar manche Eltern vielleicht etwas sagen würden, wie, dass einen homosexuellen Sohn zu haben, fürchterlich wäre, aber für mich bist du perfekt. Du kannst mir alles sagen.“

Er ließ diese Aussage einfach ruhen. Wir haben das Thema eine lange Zeit nicht mehr angesprochen.

Als ich achtzehn Jahre alt war, schickte ich meinen Eltern einen Brief, in dem ich Ihnen mitteilte, dass ich schwul sei und einen Partner habe. Er war gutaussehend und charmant und er wollte die Welt verändern. Ich sagte ihnen, dass ich das mit ihnen teilen wollte, und dass ich hoffte, sie würden mich noch lieben. Es hatte mich drei Jahre gekostet, seit der Einladung meines Vaters, über alles reden zu können, bis ich mit ihnen geredet habe. Ich saß einen grausamen Nachmittag lang am Telefon und wartete auf den Anruf meiner Eltern, mir war schlecht vor Angst.

Als Dad endlich anrief erzählte er mir, er habe einen schwulen Kollegen aufgesucht und ihn gefragt, wie er (Dad) mir am besten zeigen könne, dass ich akzeptiert und geliebt bin.

Angst vor Ablehnung ist mächtig. Die Akzeptanz meiner Eltern war eine unbeschreibliche Erleichterung.

Als mein Partner 36 Jahre alt war, erzählte er seiner religiös geprägten, kantonesischen Familie, dass er einen Partner habe. Wir waren zu dem Zeitpunkt acht Jahre zusammen. Er hatte das Gespräch immer wieder verschoben und ich bin zunehmend frustriert gewesen, verwundert, dass er so gezögert hat, etwas zu tun, was ich schon fast 20 Jahre früher getan hatte. Ich glaube, er hat es nur darum endlich erzählt, weil seit fünf Monaten eine Leihmutter-Schwangerschaft für uns lief und unser Sohn bald auf die Welt kommen würde. Seinen Eltern nichts zu erzählen war in der Tat keine Alternative.

Als es Probleme in der Schwangerschaft gab, bat er seinen Vater, für uns zu beten. Aber sein Vater sagte, er würde beten, dass „Gottes Wille geschehe“. Mein Partner hatte nicht aus Schwäche oder Angst vor Konflikt das Gespräch gemieden, er hatte die Situation korrekt erfasst.

Kein Blatt vor den Mund nehmen, für jemanden oder etwas, oder für sich selbst eintreten, Bedenken äußern – das ist schwierig, weil Ablehnung mächtig ist.

Ich erwähne diese Geschichten, weil bei jeder Einführung bei einem neuen Arbeitgeber, und bei jedem Orientierungslehrgang, zu dem ich gehe, wir eine kleine Ansprache erhalten, in der betont wird, dass wir sicherheitsrelevante Bedenken ansprechen sollen. “Speak up for safety”. Ein gut gemeinter Rat und es fühlt sich gut an, diese Worte zu hören. Ein rührender Film wird gezeigt, in dem ein Flugzeug dank flachen Hierarchien vor dem Absturz gerettet wird, wir lächeln und sagen, wir werden auf jeden Fall sicherheitsrelevante Bedenken äußern. Aber in meinem Hinterkopf höre ich meinen Vater, wie er mir vom Milgram-Experiment erzählt und denke mir, “aber wir werden doch nichts sagen. Die meisten nicht.”

Warum meinen wir, wir können das Problem der medizinischen Fehler lösen, indem wir den Anfängern und den Neuen im Team, dem Nachwuchs, sagen, sie sollen Bedenken äußern? Sie sollen sich uns widersetzen? Sie würden vielleicht gerne, und manche Individuen mit außergewöhnlich starkem Charakter werden das auch tun, aber letztendlich werden die meisten nichts sagen. Es mag vielleicht pessimistisch klingen, wenn ich meine, Menschen werden sich nicht äußern, aber ich bin davon überzeugt, dass es genau so ist.

Die Geschichte ist voll mit Beispielen, schaut euch nur die Killing Fields in Kambodscha an.

Schaut euch das Stanford-Gefängnis-Experiment an.

Schaut euch das Manus-Insel-Gefängnis an.

Und dann meint Ihr, Leute würden Bedenken äußern, wenn Ihr eine falsche Dosis Propofol verlangt? Welche Hybris!

Warum also verbringen wir so viel Zeit damit, dem Nachwuchs zu erzählen, er soll Bedenken äußern? Ist es, weil es einfacher ist, den Menschen unten in der Nahrungskette solche Verhaltensregeln aufzuerlegen, als jenen an der Spitze? Fügen wir uns unterbewusst den gleichen Hierarchien, von denen wir unserem neuen Personal sagen, sie sollen ignoriert werden?

Ich glaube schon. Und ich glaube, wir lehnen uns deswegen nicht auf, weil es in unserem genetischen Code einprogrammiert ist, uns der Autorität zu unterwerfen. Menschen sind Rudeltiere. Wir organisieren uns in Herden, mit komplexen sozialen Strukturen. Aus evolutionärer Perspektive wird ein Rudel mit einem klaren Alphatier und einem Haufen gehorchenden Anhängern eher den Winter überleben, als ein Rudel mit einem instabilen Machtgefüge. Wir fürchten uns vor Einsamkeit, weil unsere DNA glaubt, die Hierarchie zu stören führt zum Tod durch Verhungern. Ein einsamer Wolf stirbt, der Homo Neanderthal aber, der Einsamkeit verspürte, überlebte in der Gruppe. Unsere Gene wollen, dass wir diese Furcht spüren. Aus deren Perspektive ist es überlebenswichtig, eine bestehende Hierarchie aufrechtzuerhalten.

Vor Jahrtausenden war die Ablehnung tödlich, also ist es selbst jetzt noch schwierig, sich aufzulehnen.

Wenn ich auf meine Vergangenheit blicke verstehe ich, dass ich nicht deswegen mein “coming out” zwanzig Jahre früher als mein Partner hatte, weil ich einen stärkeren Charakter hätte als er. Ich tat es, weil mein Rudelführer mir zu verstehen gab, dass ich Wertschätzung erfahren würde, egal was komme. Das Rudel meines Partners gab ihm klare Signale, dass eine Ablehnung von ihm möglich war, und dass seine Anpassung Wertschätzung finden würde. Also schwieg er. Nicht weil er schwach war, sondern weil Schweigen ihm seinen Platz im Rudel sicherte, und sein Rudel zu verlieren bedeutet echten Schmerz zu erfahren.

Meinen wir wirklich, der Nachwuchs in unserem Team ist derart außergewöhnlich, dass er vor den Mächtigen die Wahrheit aussprechen wird, bloß, weil er sich einen inspirierenden 10-minütigen Videoclip zu Beginn der Orientierung angeschaut hat? Also bitte. Wir erreichen nur, dass der Nachwuchs sich schuldig fühlt, wenn er sich nicht traut sich zu äußern, weil sie menschlich sind.

Darum glaube ich, wir müssen unsere Herangehensweise ändern, wenn es um das Ansprechen sicherheitsrelevanter Bedenken geht. Weil wir mit den falschen Leuten reden.

Wir müssen die Menschen an der Spitze der Hierarchie ansprechen, statt denen unten in der Karriereleiter. Statt Leuten zu sagen, sie sollen sich für die Sicherheit einsetzen, sollten wir den Anführern sagen, sie sollen sich öffnen, sie sollen zuhören. Anführer müssen nachfragen, wie andere über die Therapie oder Herangehensweise denken, denn das gibt dem Nachwuchs Gelegenheit und Raum, sich zu äußern. Es scheint vielleicht nicht wie ein riesiger Paradigmenwechsel, aber ich glaube, es ist wichtig.

Wenn Dein Unternehmen Dir aufträgt, Dich zu äußern wenn Du Bedenken hast, dann wirst Du trotzdem nicht mit dem Fuß auf den Boden stampfen, wenn eine einflussreiche Intensivmedizinerin eine invasive Therapie beginnt, die Du für unethisch hältst. Aber wenn die einflussreiche Intensivmedizinerin stattdessen nachfragt, ob Du die Therapie angebracht findest, weil sie Sorgen hat, unter Umständen zu weit zu gehen, dann hat sie Dir erlaubt, Dich zu äußern, teilzunehmen. Sie behält ihre Position in der Hierarchie während sie gleichzeitig die Kollaboration fördert. Das wandelt ein kritisches, unangenehmes Gespräch in ein respektvolles um. Und ein respektvolles Gespräch ist einfacher zu initiieren.

Wenn wir den Nachwuchs dazu auffordern, uns zu widersprechen, ist es immer noch die Aufforderung, uns herauszufordern, also werden sie es nicht tun. Wenn wir sie bitten uns zu helfen, tun sie es vielleicht. Wir, diejenigen oben in der Nahrungskette, geben den Ton im Team an, und dafür müssen wir die Verantwortung annehmen, statt die Verantwortung nach unten zu verlagern.

Die Botschaft für alle Teamleiter und Führungskräfte, an alle oben in der Hierarchie, die das hier lesen: wenn Ihr das nächste mal ein “10 für 10” macht oder einen Fall besprecht, fragt die Menschen in eurem Team, was sie denken, hört ihnen aktiv zu. Selbst, wenn ihr euch eurer Sache sicher seid, fragt sie. Dadurch, dass ihr einen solchen Umgang vorlebt, und euch für Input öffnet, spürt das Team eine flachere Hierarchie und trotzdem ist klar, wer das Team anführt. Und das, eher als ein zehnminütiges Flugzeugvideo, könnte dem Team wirklich ermöglichen, Bedenken zu äußern.
Bedenken äußern ist sehr schwer. Das aktive Zuhören wirkt transformativ.

Danke, Dad.

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Therapie der schweren Hyperkaliämie in der post-Polystyrolsulfonat Ära

Ruft man sich den Hyperkaliämie-Algorithmus des ERC ins Gedächtnis, so erinnert man sich hoffentlich, dass die Therapie derselben prinzipiell auf drei Säulen basiert:

  • Kardioprotektion
  • Kaliumverschiebung in die Zelle
  • Kaliumelimination aus dem Körper

Hinsichtlich der beiden erstgenannten Punkte gibt es meist wenig Diskussionsbedarf, außer vielleicht der Frage wann der beste Zeitpunkt für die Kalziumgabe ist. Aus mir unerklärlichen Gründen besteht die dritte Säule der Kaliumelimination in diesem Algorithmus allerdings lediglich aus Resonium®-Gabe – einem Präparat aus der Gruppe der Polystyrolsulfonate, einem sogenannten Kationenaustauscher, welches die intestinale Aufnahme von Kalium verhindern soll, zu verwenden mittels oraler oder rektaler Applikation –  und Dialyse. Kein Wort zur Gabe von Diuretika. Ist man sich bewusst, dass der Wirkungseintritt dieses Medikaments erst nach einigen Stunden erfolgt (für die rektale Applikation scheint ein in situ Belassen von 9 Stunden ideal) und das Nebenwirkungsprofil bei hochdosierter Gabe suboptimal erscheint, so kommt man unweigerlich zu der Annahme, dass eine akute Kaliumelimination hiermit nicht erreicht werden kann [Kamel et al 2012]. Aufgrund dessen und als weitere Vorarbeit zum versprochenen BRASH-Syndrom möchte ich euch somit gerne erneut einen hervorragenden Post von Josh Farkas von PulmCrit näherbringen, der sich mit der Frage der Kaliumelimination etwas eingehender beschäftigt – wie immer als transkribierte Übersetzung und natürlich mit freundlicher Genehmigung des Autors.  Read More

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Alle Ampeln auf Grün

Nach einem ereignisreichen Jahr verabschieden wir uns langsam in Richtung 2018 und werden uns wie zahlreiche Kolleginnen und Kollegen Silvester entweder auf der Arbeit befinden oder – Anm. d. Red.: Das ist die Meinung des Autors und nicht notwendigerweise… 😉 – uns fürstlich volllaufen lassen (ohne schädlichen Alkoholkonsum suggerieren zu wollen. Jaja). Es war großartig, unglaublich viel Arbeit, aber auch sehr lohnend zu sehen, wie viel wir mit Euch erreichen konnten. Zu hören, wo auf der Welt unsere Artikel gelesen wurden und wie darüber – teils in großer und offizieller Runde – diskutiert wurde, war für uns alle eine große Motivation. Also lasst uns unbedingt auch weiterhin wissen, was Ihr gut oder eben auch nicht gut findet, ob Ihr etwas für diskussionswürdig haltet und wenn Ihr Euch einfach austauschen wollt.

Zum Abschluss des Jahres habe ich noch einen amüsanten Artikel gefunden, der sich damit beschäftigt, wie man die Zulieferung ans Krankenhaus im Verkehrschaos einer Großstadt beschleunigen kann. Kollegen aus einer Millionenstadt im Norden des Iran haben festgestellt, dass ihre Patienten relativ lange brauchen, um zu ihnen zu kommen. Also haben sie das Übel bei der Wurzel gepackt und sich auf das Online-Management-System der Ampeln ihrer Stadt aufgeschaltet. Jeder RTW hat seinen Notfall durchgegeben und bei entsprechender Indikation (z.B. Lyse beim Schlaganfall) erhielten die Kollegen eine Route in ihren Wagen geschickt. Parallel dazu wurden GPS-gesteuert die vor ihnen liegenden Ampeln alle auf grün geschaltet, so dass sie nicht hinter PKWs an roten Ampeln eingeklemmt waren.

Und das Ergebnis? 50% schnellere Zeiten beim Transport. Sensationell. Ob das nicht auch bei der Pizza-Lieferung für den Dienst…?

Nein!

Niemals!

Würden wir nie tun!

Wir freuen uns auf ein großartiges Jahr 2018 mit Euch!

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Der instabile Lungemboliepatient

Salim Rezaie von REBEL EM hat einen Hintergrundartikel zu seinem Vortrag über den Gebrauch von Thrombolytika bei der nicht-massiven Lungenembolie veröffentlicht. Er hat diesen auf der ACOEP 2017 (Tagung des American College of Osteopathic Emergency Physicians) gehalten, dieser Post stellt eine Zusammenfassung und Referenz zu diesem Vortrag dar – natürlich mit Genehmigung des Autors.

Es gibt viele Klassifikationswege bei der Lungenembolie, aber die beste klinische Definition bezieht sich letztendlich auf die hämodynamischen Auswirkungen.
Beispielsweise kann die massive LE definiert werden als systemische Hypotension (Spontanblutdruck <90 mmHg oder ein Abfall des Spontanblutdruckes um mindestens 40 mmHg für mindestens 15 Minuten) oder als Schock (Gewebehypoperfusion, veränderter Bewusstseinszustand, Hypoxie, Oligurie oder kaltschweißige Extremitäten.)
Es gibt eine zweite Untergruppe von Patienten, die eine Diskussion über die nichtmassive LE rechtfertigt. Diese Patienten sind gekennzeichnet durch das Fehlen systemischer Hypotension (<90 mmHg), haben aber dennoch eine rechtsventrikuläre Dysfunktion/ Wandbewegungsstörungen. Eine rechtsventrikuläre Dysfunktion bedeutet immer eine ernste Obstruktion der Pulmonalarterien und bevorstehendes hämodynamisches Versagen. Read More

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Hyperkaliämie und NaCl 0,9% – ein Mythos geht zu Ende

Jeder von uns hat sicher schon einmal erlebt, wie bei Patienten mit Hyperkaliämie panisch die Infusion mit Vollelektrolytlösung gestoppt und gegen isotonische Kochsalzlösung ausgetauscht wurde, unter der Annahme, dass eine kaliumhaltige Lösung alles nur noch schlimmer machen würde. Zu diesem Mythos, hauptsächlich Bezug nehmend auf Ringer-Laktat, äußerte sich Josh Farkas bereits 2014 und aufgrund der Tatsache, dass es sich hierbei um ein essentiell wichtiges Thema mit immer wiederkehrenden Fragen handelt, möchte ich euch diesen Post, erneut als kommentierte Transkription und in Vorarbeit zum versprochenen BRASH-Syndrom nicht vorenthalten – wie immer mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Woher kommt der Mythos?

Ringer-Laktat hat eine Kaliumkonzentration von 4 mmol/l, wohingegen die Kaliumkonzentration von NaCl 0,9% gleich Null ist. Kommentar: Der Wert von 4 mmol/l (4 mEq/L entspricht 4 mmol/l) scheint mir eher für den amerikanischen Markt zuzutreffen [drugs.com, Wikipedia], die mir vorliegenden Produktinformationen bezogen auf den deutschsprachigen Markt geben hier vielmehr ein 5-5,4 mmol/l an [Baxter, Fresenius, Hartmann B. Braun, Serag-Wiessner, Wikipedia]. Dies führte zur der allgemeinen Ansicht, dass Ringer-Laktat bei Patienten mit Hyperkaliämie vermieden werden sollte. Mir war es nicht möglich irgendeine Evidenz zu finden, ob Ringer-Laktat tatsächlich eine Hyperkaliämie verursachen oder gar verschlimmern kann. Die Angst vor Ringer-Laktat bei Hyperkaliämie scheint vielmehr theoretischer Natur zu sein, allein bedingt durch die Tatsache, dass Ringer-Laktat Kalium enthält.

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FOAM’s world # 8

Soziale Medien (SoMe) spielen inzwischen weltweit für die medizinische Weiterbildung eine große Rolle. #dasFOAM möchte ein Teil davon sein. Wir beschäftigen uns damit, frei verfügbare medizinische Lehrinhalte (FOAMed = Free Open Acess Medical EDucation) in Deutschland bekannt zu machen und unserer eigenen Inhalte zu verbreiten. Aus diesem Grund wollen wir in regelmäßigen Abständen auch berichten, welche Themen national und international in der Notfall- und Intensivmedizin als FOAM verfügbar sind und unlängst besprochen wurden. Dazu wollen wir immer wieder eine Zusammenfassung von interessanten Podcasts, Blogs oder auch Tweets der jüngere Zeit liefern. Read More

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Adrenalin vs. Atropin bei bradykardem Periarrest

In zahlreichen Situationen muss sich die oder der Behandelnde zwischen mehreren medikamentösen Optionen entscheiden, um in kurzer Zeit das Beste für den Patienten herauszuholen. Da Patienten in der Regel komplexer gestrickt sind, als in vielen Leitlinien berücksichtig werden kann, ist es sinnvoll bereits im Vorfeld diverse Strategien bereit zu haben und mit den theoretischen Vor- und Nachteilen vertraut zu sein. Dementsprechend bin ich vor einiger Zeit auf einen tollen Beitrag des immer lesenswerten Josh Farkas von PulmCrit gestoßen, den ich euch hier gerne mit freundlicher Genehmigung des Autors als freie, kommentierte Übersetzung näherbringen möchte. Read More

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Massenschiesserei und Notaufnahme – Erfahrungen mit Triage und Behandlung aus Las Vegas

Dieser Artikel ist eine angepasste Übersetzung des Originals aus EPmonthly, ursprünglich aufgeschrieben von Judith Tintinalli und Logan Plaster basierend auf den Erfahrungen von Kevin Menes. Die amerikanischen Kollegen haben uns freundlicherweise gestattet den Artikel und die Bilder hier zu veröffentlichen, allerdings in diesem Fall nicht unter der bei uns üblichen „creative commons“-Lizenz, da die Rechte daran weiterhin den Autoren gehören. 

Am 2. Oktober diesen Jahres sind bei einem Country Konzert in Las Vegas 59 Menschen erschossen worden, weitere 527 wurden zum Teil schwer verletzt. Mehr als 200 davon kamen mit penetrierenden Schusswunden in das nahe gelegene Sunrise-Krankenhaus. Dr. Kevin Menes war der diensthabende Oberarzt („attending“) in dieser Nacht und seine Erfahrungen mit SEK-Einsätzen (die in den USA deutlich blutiger verlaufen als bei uns) ermöglichten ihm seine Abteilung auf diesen Massenanfall von Verletzten vor zu bereiten und vorausschauend zu organisieren.  Read More

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Scripted Debriefing nach PEARLS

Debriefing ist der zentrale Teil in der Simulation von medizinischen Settings, bei dem die just gemachte Erfahrung aus der Simulation durch Reflexion in gefestigte Lerninhalte übertragen werden soll. Um dies den Teilnehmern zu ermöglichen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Walter Eppich und Adam Cheng haben 2015 mit PEARLS (Promoting Excellence and Reflexive Learning in Simulation) ein Debriefing-Script veröffentlich, in dem ein Fahrplan für das Debriefing vorgestellt wird, der mehrere Debriefing-Strategien integriert und Phrasen vorschlägt, mit denen die einzelnen Schritte eröffnet werden können. Dies gibt dem Debriefer eine gefestigte Struktur, ermöglicht zwischen verschiedenen aktuelle Debriefing- Strategien zu wechseln und beschreibt einen Ablauf, der einen Qualitätsstandard definiert.

Besonders Novize-Debriefer können von einem scripted Debriefing profitieren, da sie

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Sellick Manöver – noch immer ein Thema?

Unter dem Sellick Manöver versteht man die Ausübung von Druck auf den Ringknorpel nach dorsal auf die Speiseröhre um diese zu verschließen und damit eine Regurgitation und anschließende Aspiration während des Intubationsprozesses zu vermeiden. Dieses Vorgehen beruht auf einer Untersuchung und Publikation eines Artikels von B.A. Sellick aus dem Jahre 1961 im Lancet. Die Untersuchung umfasste ganze 26 Probanden und es wurde festgestellt, dass bei drei der Probanden nach Lösung des Krikoiddruckes eine Regurgitation auftrat und somit evtl. durch den Druck auf den Ringknorpel eine Aspiration vermieden werden konnte. Read More

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Neues aus FOAM’s world #7

Soziale Medien (SoMe) spielen inzwischen weltweit für die medizinische Weiterbildung eine große Rolle. #dasFOAM möchte ein Teil davon sein. Wir beschäftigen uns damit, frei verfügbare medizinische Lehrinhalte (FOAMed = Free Open Acess Medical EDucation) in Deutschland bekannt zu machen und unserer eigenen Inhalte zu verbreiten. Aus diesem Grund wollen wir in regelmäßigen Abständen auch berichten, welche Themen national und international in der Notfall- und Intensivmedizin als FOAM verfügbar sind und unlängst besprochen wurden. Dazu wollen wir monatlich eine Zusammenfassung von interessanten Podcasts, Blogs oder auch Tweets der jüngere Zeit liefern. Read More

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Erst essen, dann entscheiden …

Ärzte sind ja rationale Menschen.

Wir entscheiden nach den Daten, die wir erheben, an Hand der Resultate von Untersuchungen und der Befunde und Anamnese, die wir erhoben haben. Alle Patienten sollen die gleiche, gute Behandlung erfahren, wie alle Anderen auch. Ich gebe mir auch jeden Fall Mühe, so gut und so rational wie möglich bei Diagnostik und Therapie zu handeln. Genauso verfahre ich auch nach der Indikation zu stationären Aufnahme oder ambulanten Entlassung oder Untersuchung an Großgeräten. Entscheidend ist die medizinische Indikation an Hand rationaler Kriterien. Das wird unterstützt durch Leitlinien, SOP’s, Empfehlungen von Fachgesellschaften und so weiter und hilft innerhalb robuster Leitplanken sicher richtig zu entscheiden. Read More

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Körperliche Untersuchung: Jeder? Immer? Alles?

Co-Autorenschaft mit Urban Bromberger

Häufig wird in der Akutmedizin ja gepredigt, jeder Patient müsse von „Locke bis Socke“ untersucht werden, um ja nichts zu übersehen. Michael Bernhard hat auf seiner großartigen Seite News-Papers dafür eine Lanze gebrochen und führt dafür zwei Artikel an.
Der erste Artikel (Inadequacies of Physical Examination as a Cause of Medical Errors and Adverse Events: A Collection of Vignettes) beschreibt allgemein eine Sammlung von Fällen, die über Online-Fragebögen eingegangen sind. Diese Fälle sind nicht auf die Notfallmedizin beschränkt und auch sonst zufällig, aber eben nicht randomisiert, ermittelt. Das Erlangen der richtigen Diagnose erfordert insbesondere in der zeitkritischen Umgebung der Notaufnahme eine hohe Kompetenz in der Differentialdiagnostik und in der zielgerichteten Diagnostik.
Der zweite Artikel ist ein Meinungsartikel („a piece of mind“), in dem der Autor – zu Recht – die basalen Kenntnisse in der körperlichen Untersuchung kritisiert und dabei besonders die kurze, schnelle körperliche Untersuchung: Einen Thoraxschmerz falsch zu diagnostizieren, weil nicht unters Hemd des Patienten geschaut wurde (und der Herpes zoster übersehen wurde), ist natürlich ein fahrlässiger Fehler.

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