Tourniquets sind nichts Neues. Manche behaupten, dass sie schon im 4 Jh. V. Chr. unter Alexander dem Großen eingesetzt wurden[i]. Durch Abbinden können schwere Blutungen an Extremitäten auf simple Weise gestoppt werden. Nachdem das Abbinden lange in den OP Saal und militärische Einheiten verbannt war, erfährt es jetzt auch zunehmend Anwendung in der zivilen Notfallmedizin. Bei korrekter Anwendung können die Risiken minimiert werden, womit die Vorteile klar überwiegen.

Vor einigen Wochen haben die Deutschen Gesellschaften für Unfallchirurgie (DGU) sowie Anästhesie und Intensivmedizin (DGAI) eine interessante Pressemeldung herausgegeben, in der sie sich für eine flächendeckende Ausstattung der Rettungsdienste mit Tourniquets einsetzen. Dies ist besonders bei Terror- und MANV-Lagen wichtig, sie können aber auch im „Normalbetrieb“ Anwendung finden. Manche Rettungsdienste in Deutschland sind bereits mit Tourniquets ausgestattet, so werden in Bayern inzwischen auf allen RTW „REBEL-Sets“ vorgehalten, die auch vier Tourniquets beinhalten[ii]. In Berlin und anderen Städten gehören Tourniquets inzwischen zur Standardausstattung, wobei die Modelle und Anzahl stark variiert und es kein bundesweit einheitliches Konzept gibt.

tourniquet

Combat Application Tourniquet (CAT)

Die Anwendung ist simpel, somit könnte eine Einweisung schon auf der Grundlage normaler Erster Hilfe stattfinden. Indikation ist grundsätzlich eine starke Blutung an Extremitäten, die sich nicht mit Druckverband stillen lässt. Wenn der Patient simultan reanimationspflichtig ist oder die Versorgung im Rahmen eines MANV passiert, können Tourniquets aber auch zur ersten Wahl werden. Beim Anlegen ist entscheidend, dass ein ausreichender Druck erzielt wird, um das Stauen der Extremität zu vermeiden und die damit verbundene Steigerung des Blutverlustes zu verhindern. Im Regelbetrieb ist das Tourniquet mindestens 5 cm oberhalb der Verletzung anzulegen. Falls zB. im MANV-Fall oder bei schwierigen Umweltbedingungen eine weitere Überwachung und Anpassung nicht möglich sind, gilt es nach dem Prinzip „go high or die“ das Tourniquet so proximal wie möglich anzulegen. Wenn die Blutung nach anlegen des Tourniquets nicht aufhört, ist der Druck zu überprüfen und ggf. ein zweites Tourniquet oberhalb des ersten zu befestigen.

Es gibt verschiedene Typen von Tourniquets mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen. Im prähospitalen Bereich sind sogenannte Combat Application Tourniquets (CAT) und Special Operations Forces Tactical Tourniquets (SOF-TT) weit verbreitet. Nicht alle Tourniquetmodelle sind gleichermaßen simpel und sicher in der Anwendung. Eine hilfreiche Übersicht der verschiedenen empfohlenen Modelle kann in der DGAI Handlungsempfehlung gefunden werden.

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Anleitung aus der App von citizenAID

Improvisierte Tourniquets können z.B. mit Kleidungsstücken, Gürteln oder Dreieckstüchern hergestellt werden. Hierbei ist aber zu bedenken, dass diese Improvisorien fehleranfälliger sind. Damit können sie teilweise ihren Zweck verfehlen, und eher zu einer Stauung als zum definitiven Unterbrechen der Blutzufuhr führen. [iii] Es ist deshalb sinnvoll, sich besonders mit diesen Techniken aufmerksam auseinanderzusetzen um auch im privaten Bereich oder bei Engpässen reagieren zu können[iv].

Perspektivisch ist die Ausweitung auf Ersthelfer denkbar. In Großbritannien[v], Frankreich[vi] oder den USA[vii] werden bereits Laien zum Improvisieren von Tourniquets angeleitet. Als Beispiel kann hier die „stop the bleeding“ Aktion für Erarbeitung eigener Konzepte herangezogen werden. Allgemein ist auch aufgrund der Terroranschläge der letzten Jahre weltweit ein klarer Trend zur Anwendung von Tourniquets erkennbar. Um mehr über Tourniquets und ihre Anwendung zu lernen ist die Handlungsempfehlung der DGAI sehr zu empfehlen. Dabei ist es wichtig sich mit den lokal vorgehaltenen Produkten vertraut zu machen. Tourniquets kommen immer dann zum Einsatz wenn für überlegen und probieren keine Zeit bleibt.

 

 

 

[i] https://en.wikipedia.org/wiki/Tourniquet

[ii] http://bos-fahrzeuge.info/forum/index.php?thread/7296-rebel-sets-bayern/

[iii] https://www.researchgate.net/publication/275333915_Tourniquet_use_at_the_Boston_Marathon_bombing

[iv] http://www.conovers.org/ftp/Improvised-Tourniquets.pdf

[v] http://citizenaid.org/

[vi] http://www.croix-rouge.fr/Espace-presse/Communiques/En-fevrier-initiation-gratuite-de-tous-les-citoyens-aux-gestes-qui-sauvent

[vii] http://www.redcross.org/news/press-release/Red-Cross-and-Heart-Association-Announce-Updated-Guidelines

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2660095/

Beitragsbild [CC BY 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/4.0)%5D, via Wikimedia Commons

CAT Image by INDNAM (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)%5D, via Wikimedia Commons

Veröffentlicht von Hermann

Medizinstudent, Sanitäter, Rettungsschwimmer und Katschutz Gruppenführer

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