In den letzten Wochen wurde bedingt durch aktuelle Publikationen wieder vermehrt über das Prinzip der Apnoeischen Oxygenierung (ApOx) gesprochen und geschrieben. Aufgrund dessen möchte ich dieses Thema in mehreren Posts aufgreifen. Heute soll es dabei um eine kurze Einführung gehen, im Sinne was prinzipiell dahintersteht und wie es durchgeführt werden kann.

Was ist es?

ApOx beschreibt einen Prozess, in welchem ein apnoeischer Patient einen konstanten Sauerstofffluss erhält, ohne dabei ventiliert zu werden. Ziel ist es die sichere Apnoezeit verlängern zu können, um genügend Zeitreserven bei einem unerwarteten Intubationsproblem zu haben. In der Notaufnahme wird dies in der Regel derat durchgeführt, indem kurz vor dem Intubationsprozess über eine Nasenbrille, welche bereits zuvor angelegt worden ist, mindestens 15l/min Sauerstoff verabreicht werden. Während ein wacher Patient diese Flussrate eher nicht tolerieren wird, spielt das bei einem sedierten Patienten keine Rolle.

Wie funktioniert es?

Das Konzept beruht auf der Überlegung, dass während der Apnoezeit weniger CO2 vom Blut in die Alveolen gelangt (~10ml/min) als Sauerstoff von den Alveolen ins Blut aufgenommen wird (~250ml/min). Dies hat zur Folge, dass ein negativer „Partialdruckgradient“ den Sauerstoff vom Pharynx in die Lungen „saugt“, wo er dann ins Blut aufgenommen werden kann.

Gibt es hierfür Evidenz?

Auch wenn die ersten Versuche bereits mehr als 60 Jahre zurückliegen, hat diese Technik den meisten Aufwind, insbesondere in der Social Media Gemeinschaft, seit der Publikation von Weingart und Levitan von 2012 [1] bekommen. Sie wurde u.a. mit dem Mnemonik „NO DESAT“ (Nasal Oxygen During Efforts at Securing A Tube) [2] umschrieben. In einer der ersten Studien aus dem Jahre 1959 [3] an 8 elektiv intubierten und relaxierten sowie sonst gesunden Patienten, konnte trotz fehlender Ventilation ein Abfall der Sättigung über bis zu 53 Minuten verhindert werden, indem ein konstanter O2-Fluss an den endotrachealen Tubus angeschlossen wurde. Dies wurde allerdings mit einer massiven respiratorischen Azidose (niedrigster gemessener pH 6,72 bei einem paCO2 von 250mmHg) erkauft. Bei den zumeist relativ kranken Notaufnahmepatienten können wir sicherlich nur ein wenig Extrazeit gewinnen, aber bei einem Intubationsversuch kann jede Sekunde mehr von Bedeutung sein.

Auf die unterschiedlichen Ergebnisse der letzten Publikationen und deren Bedeutung für das Prinzip der apnoeischen Oxygenierung wird in folgenden Posts ausführlicher eingegangen werden.

 

Literatur:

[1] Weingart S et al. Preoxygenation and prevention of desaturation during emergency airway management. Ann Emerg Med. 2012 Mar;59(3):165-75.e1. PMID: 22050948

[2] Levitan R. NO DESAT! Nasal oxygen during efforts securing a tube. Emergency Physicians Monthly. December 9, 2010. http://epmonthly.com/article/no-desat/ abgerufen am 18.08.2017

[3] Frumin MJ et al. Apneic oxygenation in man. Anesthesiology. 1959 Nov-Dec;20:789-98. PMID: 13825447

 

Veröffentlicht von Urban Bromberger

Father, husband, GP-Trainee, POCUS-, FOAMed-lover and user

One Comment

  1. […] Wie versprochen sollte ein zweiter Teil zum Thema apnoeische Oxygenierung nach Vorstellung der prinzipiellen Prozedur folgen. Als Diskussionsgrundlage und tolle Übersicht über den aktuellen Stand der Forschung konnte ich keinen besseren Posts als Rory Spiegels von EMNerd finden. Dementsprechend im Folgenden eine freie Übersetzung seines Beitrags, natürlich mit freundlicher Genehmigung des Autors. […]

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