oder: Becoming the nemesis of emesis

 

Jeder, der eine notfallmedizinische Ausbildung genossen hat, kennt die dogmatische Anweisung: “Bei gefährdetem Atemweg Absaugung vorbereiten”. Die Notwendigkeit dieses Arbeitschrittes ist klar, die Konsequenzen von Aspiration oder verzögerter Atemwegssicherung ebenso. Das tatsächliche Eintreten “schwallartigen” Erbrechens stellt jedoch auch den vorbereiteten Anwender in den meisten Fällen vor deutliche Probleme:

    • eine rapide Füllung des Mundraumes und Pharynx ist unmittelbar nicht zu verhindern
    • räumliche und situative Gegebenheiten erschweren häufig die Drehung des Patienten und manuelle Ausräumung
    • übliche Absaugkatheter führen zum einen nicht genug Volumen, um suffizient abzusaugen, und sind zum anderen zu flexibel, um gezielt den Hypopharynx zu erreichen und Weichteile zu mobilisieren
    • Fingertips sowie Daumenport bei Yankauern erschweren simultanes Absaugen unter laryngoskopischer Sicht
    • realitätsnahes, auf die Situation zugeschnittenes Training wird selten erdacht und durchgeführt

 

Abseits von der Empfehlung zu speziell designtem Material (SSCOR DuCanto Catheter) lässt sich letzterer Punkt mit Kreativität, einem selbstgebauten Simulator und regelmäßigem Training von Suction Assisted Laryngoscopic Airway Decontamination, kurz SALAD, einfach beheben – Luck favors the prepared!

 

Der Weg zum eigenen “Vomiquin” in Schritten:

Foto 03.06.17, 00 20 12

(Foto: @roadsidecc)

Material:

Grundvorraussetzung ist das Vorhandensein eines üblichen Airwaysimulators, der eine anständige Atemwegsstruktur sowie von kaudal zugängliche Trachea- und Ösophagusabgänge besitzt. Idealerweise ist der Mundraum geschlossen, damit der SAC (Simulated Airway Contaminant, Kunstkotze) nicht in unzugängliche Bereiche abläuft. Kostengünstig lassen sich gebrauchte Intubationsköpfe oft im Internet oder in alten Lagerbeständen von Schulen und Hilfsorganisationen finden.

Weiterhin wird benötigt:

  • ein Akkuschrauber mittlerer Leistungsklasse mit stufenloser Regelung
  • Pumpenaufsatz für Bohrmaschinen
  • mind. 3m flexibler Schlauch, ca. 15 mm Durchmesser, passend auf Pumpe und Airway
  • ggf. 30 cm stabiler Schlauch als Ösophagus-Verlängerung
  • Tank / Kanister mit Volumen > 2 Liter
  • diverse Schraubzwingen
  • passender Schraubkonnektor zwischen Schlauch – Ösophagus
  • 2 – 3 Halbringe und Schaumstoff zur Montage des Akkuschraubers
  • verschiedene Schrauben / Muttern / Unterlegscheiben
  • große Luftballons als tauschbarer Lungenersatz
  • Silikon zum Abdichten
  • stabile Bodenplatte für Schrauber / Pumpe
  • optional eine Kiste / Pelicase zum Verbauen der Pumpe
  • optional ein zweiter Kanister als Sekretauffang, längs aufgeschnitten unter dem Kopf platziert
  • optional eine zweite Bodenplatte zur Montage des Kopfes

Und zur Herstellung von künstlichem Erbrochenen:

  • Wasser
  • Haushaltsessig
  • Lebensmittelfarbe
  • optional Verdickungsmittel Xanthan (online oder in Drogerien)
  • optional Feststoffe wie z.B. Haferflocken

 

Die Liste muss gegebenfalls auf die verwendeten Materialien und deren Einzelgrößen angepasst werden. Der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt – zum Beispiel lässt sich der Pumpensatz durch einen Sekretbeutel und Schwerkraft komplett ersetzen, wie hier zu sehen:

vomiquin5

(Foto: Twitter @TbayEDguy)

 

WARNUNG: Strom und Wasser sind eine gefährliche Kombination! Es ist bei Bau und Anwendung des Modells kontinuierlich auf Dichtigkeit und Trennung leitender Bestandteile zu achten!

 

Schritt 1:

Zuerst sollte die Pumpeneinheit montiert werden. Es bietet sich an, das Modul wie gezeigt in einer Kiste oder falls nicht vorhanden auf einer Bodenplatte zu montieren.

Der Akkuschrauber wird mit dem Schraubgewinde an den Pumpenvorsatz angeschlossen und liegend auf der Platte positioniert. Dabei ist zu beachten, dass die Pump- und Schraubrichtung (Kotze > Dummy) richtig eingestellt ist, die Schlauchabgänge nicht abknicken, und der Akku des Bohrers einfach zu zugänglich ist. Mit den Halbringen wird der Bohrer eingefasst und an der Bodenplatte befestigt, ebenso wie die Pumpe, die idealerweise vorgebohrte Löcher besitzt. Essentiell ist eine stabile Verbindung der Teile auf einer dicken Platte, da ein erhebliches Drehmoment aufgebaut wird.

Das graue Kabel auf den folgenden Bildern dient zur Fernbedienung des Akkuschraubers an unserem Modell (danke Kai!) – Solche Veränderungen sollen nur durch elektrotechnisch versiertes Personal erfolgen.

(Fotos: @roadsidecc)

Schritt 2:

Nun können die Schläuche zugeschnitten und montiert werden: Die Verbindung Pumpe – Ösophagus sollte mindestens 1,5 m betragen, um den Kopf später flexibel positionieren zu können. Zwischen Pumpe – Kanister sollten je nach Bauart mindestens 0,5 – 1,0 m gewählt werden. Der Schlauch sollte entweder am Boden des Kanisters durch ein Loch eingelegt und abgedichtet werden, oder bei Einlage durch die Schrauböffnung auf jeden Fall den Boden erreichen. Die Montage erfolgt mit Schraubzwingen und ggf. Silikon als Dichtung.

(Fotos: Twitter @ketaminh / @roadsidecc)

Schritt 3:

Nun wird der Airwaydummy präpariert: Der Plastikmagen muss sauber entfernt und die Verbindungsstelle gegebenfalls rund gefeilt werden. Die Verbindung zwischen Ösophagus – Schlauch sollte mit einem Schraubkonnektor und Schraubzwinge erfolgen, um beide Module getrennt transportieren und säubern zu können. Bei machen Modellen bietet es sich an, mit einem Stück stabilem Schlauch den Ösophagus des Simulators zu verlängern.

Plastiklungen sollten entfernt werden, da sich dort naturgemäß nicht entfernbares Sekret ansammelt – eine Lösung sind austauschbare Luftballons zur einfachen Lagekontrolle, oder ein Anschluss von Schläuchen mit Perfusorspritzen, um die aspirierte Sekretmenge evaluieren zu können – oder man lässt sie ganz weg.

Foto 04.07.17, 22 24 02

(Foto: @roadsidecc)

Schritt 4:

Der letzte und spaßigste Teil ist mit Abstand das Anmischen der künstlichen Kotze und die erste, feuchtfröhliche Session mit dem eigenen Vomiquin – am geeigneten Mischungsverhältnis  muss ein wenig rumprobiert werden. Gut machen sich:

  • 500 ml Wasser
  • 500 ml weißer Haushaltsessig (bewahrt vor Schimmel in den Schläuchen)
  • 1 Esslöffel Xanthan
  • ein paar Tropfen Lebensmittelfarbe der Wahl

Gemischt wird am besten im Blender oder mit einem Handrührgerät oder Schneebesen.

Foto 03.06.17, 00 20 08

(Foto: @roadsidecc)

Um auslaufendes Sekret direkt auffangen zu können, kann ein längs halbierter Kanister unter dem Intubationskopf platziert werden:

vomiquin

(Foto: @roadsidecc)

Generell bietet es sich an, genug Handtücher parat zu haben… Nach den ersten Tests und jeder Simulation muss der Vomiquin gründlich durchgespült und getrocknet werden!

Lange Rede – erfolgreiches Basteln! Stay tuned für Teil II!

 

Wie bereits erwähnt beschreibt diese Anleitung nur eine von vielen Möglichkeiten simulierten Erbrechens – Anbei eine kleine Twitter-Galerie und die Original-Anleitung der airwaynautics.com zur Anregung:

 

 

…folgt uns auf Twitter und Facebook

 

Veröffentlicht von carlosglatz

Fährt, fliegt und spaziert durch den deutschen Rettungsdienstdschungel. Hält gerne Plädoyers für Checklisten und pflegt interdisziplinäre Freundlichkeit. Success all comes down to teamwork!

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