Soziale Medien (SoMe) spielen inzwischen weltweit für die medizinische Weiterbildung eine große Rolle. #dasFOAM möchte ein Teil davon sein. Wir beschäftigen uns damit, frei verfügbare medizinische Lehrinhalte (FOAMed = Free Open Acess Medical EDucation) in Deutschland bekannt zu machen und unserer eigenen Inhalte zu verbreiten. Aus diesem Grund wollen wir in regelmäßigen Abständen auch berichten, welche Themen national und international in der Notfall- und Intensivmedizin als FOAM verfügbar sind und unlängst besprochen wurden. Dazu wollen wir monatlich eine Zusammenfassung von interessanten Podcasts, Blogs oder auch Tweets der jüngere Zeit liefern.

  • Iain Beardsell von St Emlyns und Liz Crowe im Gespräch über Burnout.  Hm, dachte ich, hör ich mir das wirklich an? Immer nur well-beeing, soft skills, weinen auf der Arbeit…ich kann es nicht mehr hören. Aber irgendwie mag ich seine Art Podcasts zu machen und habe auf einer Autofahrt reingehört. Exzellent, richtig gut. Liz hat einen PhD über Burnout gemacht und weiss richtig Bescheid. Was ist Burnout? Erschöpfung und Energielosigkeit auf der Arbeit und durch die Arbeit. Es gibt viel Literatur dazu, aber wenig harte Fakten. Wenn man genauer nachfragt, so ist es nicht die Arbeit, die stresst. Die Arbeit kommt erst an 5. Stelle. Die meisten Menschen sind durch Beziehungen gestresst und durch finanzielle Sorgen. Und auch auf der Arbeit ist die Beziehung zu den Kollegen entscheidender, als die Arbeit selbst. Besonders in extremen Arbeitsumfeldern, wie einer Intensivstation sind die meisten Mitarbeiter nicht von der Arbeit gestresst. Nein, die Arbeit füllt sie aus. Macht sie glücklich. Gibt ihnen Sinn im Leben. Was soll man also tun, wenn man mitkriegt, das eine Kollegin, ein Kollege nicht mehr richtig dabei ist und mit dem Kopf woanders oder sonderbar? Man sollte sich auf das Wesentliche konzentrieren? Wann hat man das letzte Mal die Natur wahrhaftig haptisch erfahren und ist barfuß durch eine Wiese gelaufen? Oder hat ein gutes Buch gelesen? …. (JU)
  • Ein weiterer Podcast ist die jüngste Ausgabe von The RAGE Podcast vom 16. Juni 2017, den ich einem ausgewählten Publikum ans Herz legen würde. Ich war bislang davor zurückgeschreckt, mich durch 2 Stunden und 49 min zu hören, aber auf der langen, staugeplagten Rückfahrt von der Ostsee war es endlich so weit. „Three Men and a Microphone“ hält genau das, was er verspricht. Drei Männer im besten Alter (also Mitte/Ende 40), am Scheitelpunkt ihrer Karriere (Plateau oder langsames Decrescendo?), lassen diese in netten Anekdoten Revue passieren und schwadronieren, wie es war, wie es ist und wie es vielleicht in Zukunft besser laufen kann. Tiefgründige medizinische Erkenntnisse sind nicht zu erwarten (außer klare Statements pro SOP’s). Vielmehr aber sind es die Einblicke in die Denkweise von Führungskräfte in der australischen Notfallmedizin mit ihrer angedeuteten Tendenz zur Midlife- Crisis, die das Zuhören für mich attraktiv gemacht haben. Die Erfahrungen sind die Gleichen: In der Weiterbildung wurde man weitestgehend sich selbst überlassen. In der Gegenwart versucht man die bestmögliche Performance abzuliefern. Die Familie hat inzwischen die höchste Priorität im Gegensatz zur Arbeit gewonnen. Und in der Zukunft versucht man weiterhin die nachfolgende Generation auszubilden und fragt sich, ob man unter den gleichen Bedingungen bestanden hätte, wie einige der jungen Kolleginnen und Kollegen das heutzutage tun. Der Reiz dieses Podcasts entwickelt sich insbesondere, wenn man Cliff Reid mit seinen fantastischen Präsentationen in den letzten Jahren verfolgt hat und Brian Burns in der Eröffnung von dasSMACC gesehen hat. Von daher kann man diese 2 Stunden und 49 min auch als www- Debriefing im Sinne der Burnout- Prophylaxe und damit konsequente Umsetzung der obigen Podcast- Empfehlungen (siehe St Emlyns) begreifen. (JU)
  • Schon etwas älter ist der Blogpost sowie Podcast der Kanadischen Kollegen von EM-Cases mit dem Titel „Low and Slow Poisoning“. Im Gespräch mit zwei Fachfrauen des Ontario Poison Control Center am St. Micheal’s Hospital (Dr. M. Thompson und Dr. E. Austin) Arbeiten die Kollegen drei Hauptursachen für Intoxikationen mit der Symptomatik langsame Herzfrequenz und niedriger Blutdruck auf erfrischende und lehrreiche Weise auf. In dem 1:30 h dauernden Podcast werden Symptomatik, Diagnostik wie auch Therapie von Intoxikationen von ß-Blockern, Calcium-Kanal Blockern wie auch Digoxin besprochen. Er beinhaltet aber auch Querverweise zu möglichen Differtialdiagnosen und anderen Vergiftungen. Alles in allem ist Ihnen ein sehr guter und hörenswerter Podcast zu einer doch sonst etwas langatmigen Thematik Toxikologie gelungen welcher sich auf jeden Fall für Anfänger wie auch alte Hasen zur Auffrischung empfiehlt. (JG)
  • Auf wain’s world gibt es zwei Zusammenfassungen und Kommentare zu aktuellen Forschungsergebnissen, die sicher für uns alle interessant sind und in eine größere Diskussion passen:
    • Der eine Artikel befasst sich mit einem CT im Schockraum und untersucht die Dauer bis zur Durchführung eines ersten CTs. Und mich persönliche überrascht es auch, aber das passt zu den bisherigen Forschungsergebnissen: es gibt keinen Benefit. Sicher ein kontroverses Thema, das ja lange klar pro CT im Schockraum beantwortet wurde, was aber wohl so nicht ganz zu halten ist. Ein Vorteil eines CTs in der ZNA ist sicher, dass man schneller an CTs ran kommt. Meist gibt es ja die Absprache, dass die ZNA schon aus organisatorischen Gründen Vorrang hat, aber welche radiologische Abteilung hält sich daran?
    • Der zweite Artikel behandelt den Nutzen eines Bougies in der Notfallmedizin. Sicher etwas, was einem im Alltag bei der normalen Intubation nicht hilft, aber gerade in Kombination mit einem Videolaryngoskop die unmögliche Intubation wieder ins Mögliche bewegt. Ich persönlich nutze den Bougie auch bei Standard-low-risk-Intubationen häufig, alleine schon um die Technik im Notfall sicher zu beherrschen. (FL)
  • Wir hatten ja schon in unserer SMACC-Zusammenfassung darüber berichtet, die Kollegen von foamina haben einen schönen Überblick zu push-dose-Vasopressoren geschrieben. Nachdem ich lange da sehr zurückhaltend war, habe ich mittlerweile immer eine Noradrenalin-Spritze griffbereit. (FL)
  • Und in die meist kurze und nüchterne Zusammenfassung aktueller Forschungsergebnisse auf news-papers.eu hat sich eine gute und realistische Analyse der Publikation und der verbundenen  Limitierungen bei Studien im Bereich der Reanimation eingeschlichen. Eigentlich wurde ja dort 24h und 48h Kühldauer gegeneinander verglichen, aber Michel Bernhard nutzt es, hier einen Einblick in die dahinter liegenden Überlegungen und Probleme zu geben. Absolut lesenswert. (FL)
  • Und ganz frisch: Salim Rezaie von REBEL EM hat die aktuelle Evidenz und Leitlinien/Empfehlung zur Wirbelsäulen-Immobilisation zusammen gefasst. Ist eigentlich ein CME-zertifizierter Artikel und als Weiterbildung gedacht, aber die Zusammenfassung und Analyse der Studien: Großartig! (FL)

Veröffentlicht von Joachim Unger

[@xaqu1n] Global health & european Anesthesist. Emergency medicine & prehospital care. Lost in structured communication & dreaming of story telling. #FOAMed #dasFOAM

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