Es gibt einige gute FOAM- Seiten, die den Schwindel gut erklären. Wenn man alle gelesen hat und der Neurologin und dem HNO- Arzt ein- zweimal über die Schulter geschaut hat, kommt man auch dazu, etwas zu begreifen. Ich möchte gerne auf ein paar gute Post’s verweisen und hervorheben, was ich mir davon zusammengestellt habe:

Natürlich steht der ABCDE- Ansatz an erster Stelle bei der Behandlung von Notfall- Patienten. Wenn man sich da durchgearbeitet und die vital bedrohlichen Symptome behandelt hat, bekommt man bei „Schwindel, was nun?“ von Nerdfallmedizin in einem tollen Dialog zu einer Vorstellung eines plausiblen Konzeptes zur Herangehensweise an Schwindel-Patienten. Diese Konzept nennt sich ATTEST und besteht aus Assoziierten Symptomen, Trigger & Timing und Examination Signs sowie additional Tests.

Bei den Assoziierten Symptomen würde ich alles einschließen, was Ausdruck einer schwerwiegenden Erkrankung sein könnte. Diese „Red Flags“ werden schön durch die AWMF Leitlinien „Schwindel, akut in der Hausarztpraxis“ dargelegt.

red flags schwindel

Haben wir hier noch keinen Anhalt für die Ursache oder die Notwendigkeit zur Intervention, wenden wir uns dem zeitlichen Auftreten von Schwindel und seinen Auslösern zu: Trigger & Timing.

Je nach dem, ob Schwindel spontan oder durch einen äusseren Einfluß (z.B. Kopfdrehung oder Aufstehen aus dem Liegen) auftritt und ob der Schwindel rezidiviert oder dauerhaft bleibt, kann man schon die Richtung der weiteren Diagnostik festlegen.

trigger und timing

Eine leicht vertiefte neurologische Untersuchung (Examination Signs) sollte jetzt in jedem Falle erfolgen, um keine akute cerebrale Minderperfusion zu verpassen.

gute neuro untersuchung

Des Weiteren schließ sich beim Verdacht auf einen cerebellären Stroke ein additional Test an, der HINTS Test. HINTS steht für Head-Impuls-Test, Nystagmus und Test of Scew.  Entscheidend in der Schwindel-Diagnostik ist schlußendlich die Unterscheidung zwischen peripherem (vestibulärem) und zentralem (cerebellärem) Schwindel. Danach richtet sich auch die potentielle Gefährdung des Patienten. Wenn man sich bislang nicht damit befasst hat, sollte man sich drei bis vier verschiedene Videos anschauen, um das Prozedere zu begreifen. Unter Anderen hat das Deutsches Schwindelzentrum LMU hierfür einige Okkulomotorische Störungen und Untersuchungsmethoden zusammengestellt.

HINTS Test

Untern Strich kann man sagen: Der HINTS- Test ist dann wegweisend für einen möglichen cerebellären Schaden, wenn er eine zentrale Genese aufweist. Um den Test zu begreifen, folgt Ihr den links meiner links oder schaut hier. Noch mehr Infos zum posterioren Stroke kann man z.B. bei Scott Weingart finden. Letztlich stellt sich die Frage: Welcher Patient braucht ein sofortiges MRT? Wie es so schön heißt: Schwindel + eins, was da wäre → bei pathologischem HINTS, neuen occipitalen Kopfschmerzen, neuer Neuro- Symptomatik oder neuer Taubheit.

Was mir auch sehr gut gefallen hat, ist der podcast von Em-RAP german, Sept 2017 als FOAM, inclusive Flow-Chart zum download. Hier werden timing & trigger ebenfalls hervorgehoben, wobei mir die Schwindelkategorien sehr gut gefallen haben.

Schwindelkategorien

Um uns nicht alle vollständig zu verwirren, empfehle ich, sich erstmal auf einige wenige Schwindel zu beschränken, wie z.B. den benignen Lagerungsschwindel auf der besonders gutartigen Seite und dem cerebelären Stroke auf der anderen Seite des Spektrums.

dasFOAM Schwindel

Hier der link zu dem Video aus dem Tweet.

Sollte der Wunsch bestehen, die einzelnen Schwindel- Diagnosen im Detail zu erlesen, will ich noch einmal auf die AWMF Leitlinien „Schwindel, akut in der Hausarztpraxis“ verweisen.

Die links zur Diagnostik und Therapie von benignem Lagerungsschwindel findet Ihr auch bei Nerdfallmedizin oder googelt euch selber durch.

Darüber hinaus kann man sich noch weiter im englischsprachigen Raum austoben, wie auf WiKi-EM.

Das einzige Problem ist: Man sollte irgendwann damit anfangen…

xaqu1n

PS: Wem von dem Treppenbild zum Beginn des Post’s schwindelig geworden ist, sollte sich bewust sein, daß das Labyrinth und die Cochlear zwei unterschiedliche Organe in unseren Kopf sind. Welches war für das Gleichgewicht zuständig?

Posted by Joachim Unger

[@xaqu1n] Global health & european Anesthesist. Emergency medicine & prehospital care. Lost in structured communication & dreaming of story telling. #FOAMed #dasFOAM

One Comment

  1. Rüdiger Wenzel 11. November 2018 at 16:55

    Hier wird mir nicht nur von der Schneckenteppe ganz schwindelig und durcheinander. Das liegt nicht nur an der Vielzahl der Links, sonder vor allem daran, dass sie teils auf zwei gegensätzliche Konzepte zur aktuten Schwindeldiagnostik verweisen, die dann auch so in die Folien hier einfließen. Die Einordnung aufgrund der anamnestischen Schwindelqualtät ist tautologsich und führt erwiesenermaßen zu Fehldiagnosen (z. B. die hier etwas unkritisch verlinkten AWMF-Leitlinien für Hausärzte folgen diesen Konzept). Praxistauglich auch für Notärzte und zumindest bezgl der HINTS evidenzbasiert ist der seit mehreren Jahren von der Newman-Toker Gruppe vorgeschlagene ATTEST-Ansatz. Die verlinkten Videos von Nerdfallmedizin reenacten den dann ja auch youtube-gerecht auf dem Sofa, patzen aber bei der korrekten Darstellung des HINTS-Untersuchungsganges. Anfang des Jahres ist
    nochmal eine Übersicht von Newman-Toker im J Emerg Med. der AAEM erschienen, die diadaktisch wirklich gut gemacht ist. Die Autorenversion ist frei zugänglich (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6049818/). Warum nicht einfach das Original lesen und sich die HINTS von ihm selbst demonstrieren lassen (https://collections.lib.utah.edu/details?id=177180)?

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