Innovationen sind oft nicht Werk eines Einzelnen, aber manchmal braucht es Einzelne um den Innovationen Vorteile zu entlocken. Dazu gehört das „Daumen hoch“… (in der Maskenventilation).

Für alle Digitalnatives möchte ich eine Geschichte aus dem Jahre 1989 erzählen, als Greg Lemonde die Tour de France gewann. Das war vor der Zeit, als „thumbs up“ durch facebook eine globale Bedeutung gewann. Die Tour de France ist ein konservativer, elitärer Radsport- Wettbewerb, der meist auf bestimmte Radfahrer zugeschnitten wird, damit diese eine Rundfahrt durch Frankreich gewinnen. Veränderungen werden nicht gerne gesehen,Helme nur widerwillig eingeführt und Doping nur bei absoluter Beweislage geächtet. Die Tour im Jahre 1989 war derart konzipiert, als das der Favorit, der Franzose Laurent Fignon, ein ausgewiesener Zeitfahrspezialist, auf der Abschlußetappe von Versailles nach Paris im Einzelzeitfahren den Sieg davontragen sollte. Die Chancen von Greg Lemonde, einem Amerikaner, wären schlecht gewesen, hätte er sich nicht mit den Innovationen im Radrennen auseinandergesetzt, die derzeit schon im Triathlon eingesetzt wurden. Zur Überraschung Aller trat er die Abschlußetappe mit tropfenförmigem Helm und einem neumodischen Lenkerzusatz an, den aero bars, die es erlaubten eine aerodynamisch vorteilhafte Position einzunehmen (zufälligerweise bei dem Foto: auch die Daumen liegen an den aero bars nach oben). Er gewann die Tour de France nach 3285 km mit 8 Sekunden Vorsprung und bewieß damit den Vorteil einer innovative Technik.

Das führt mich zur Maskenventilation im sogenannten Thenar Eminence Grip.

Hierbei wird die Beatmungsmaske nicht, wie weitverbeitet in der Anästhesie gelehrt, im Doppelten C- Griff gefasst, sondern beide Daumen liegen am Maskenrand jeweils nach oben. Der Vorteil ist nicht sofort ersichtlich, aber die Datenlage eindeutig. Mit den Daumenballen kann die Maske besser dicht auf dem Gesicht gehalten werden. Des Weiteren kann mit der Kraft der Zeigefinger die Mandibula angehoben werden (und nicht mit den kleinen Fingern, wie beim C- Griff).

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Ganz neu ist diese Technik nicht, schon Cliff Reed hat 2013 auf seinem Blog die ersten Studien dazu verbreitet. Auch Ruben Streuer von EMupdates beschreibt die Notfallbeatmung mit der Daumen-hoch- Technik als sehr effektiv.

Probiert es aus!

Sowohl Beginner, als auch Könner, verbessern mit dieser Technik die Aerodynamik, oder sagen wir, die Masken-Ventilation. Gerade im Notfall ist jene Form von Ventilation gewünscht, die zum alveolären Gasaustauch führt. Da sollte man nicht lange spielen, sondern das Besten nehmen, was zur Verfügung steht. Auch wenn die Eminence C- Griff sagt, sollte der Thenar EMinence Grip angewandt werden.

Ich muss wahrscheinlich nicht erwähnen, daß bei Zeitfahrrennen, auch bei der Tour de France, inzwischen von allen Teilnehmern aero bars zur besseren Aerodnamik benutzt werden (im Optimalfall mit Daumen hoch).

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Hier noch eine open access Zusammenfassung der Vorteile vom Thenar EMinence Grip bei Maskenbeatmung

Posted by Joachim Unger

[@xaqu1n] Global health & european Anesthesist. Emergency medicine & prehospital care. Lost in structured communication & dreaming of story telling. #FOAMed #dasFOAM

One Comment

  1. Witzig, vor ein paar Wochen hat mir eine erfahrene Anästhesiologin eben diesen Griff gezeigt 🙂 und er funktioniert einwandfrei. Lg

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