Unter dem Sellick Manöver versteht man die Ausübung von Druck auf den Ringknorpel nach dorsal auf die Speiseröhre um diese zu verschließen und damit eine Regurgitation und anschließende Aspiration während des Intubationsprozesses zu vermeiden. Dieses Vorgehen beruht auf einer Untersuchung und Publikation eines Artikels von B.A. Sellick aus dem Jahre 1961 im Lancet. Die Untersuchung umfasste ganze 26 Probanden und es wurde festgestellt, dass bei drei der Probanden nach Lösung des Krikoiddruckes eine Regurgitation auftrat und somit evtl. durch den Druck auf den Ringknorpel eine Aspiration vermieden werden konnte.

Seit dem Jahre 1961 hält sich das Sellick Manöver hartnäckig in den Kreisen der Anästhesie. Selbst in den ein oder anderen Guidelines wird es nach wie vor aufgeführt; so z. B. in den DAS (Difficult Airway Society) Guidelines. Weitere Arbeiten zur Wirksamkeit dieses Manövers sind mir nicht bekannt. Allerdings wurde in den letzten Jahren immer häufiger darauf hingewiesen dass die Durchführung eines Sellickmanövers

  • die Maskenbeatmung
  • die Präoxygenierung
  • die Laryngoskopie

erschweren kann. Weitestgehend wird das Sellick Manöver aus diesem Grunde heutzutage nicht mehr empfohlen. Die oben aufgeführten Probleme treten wohl hauptsächlich auf Grund der relativ hohen Kraftaufwendung auf, welche zum Verschluss des Ösophagus auf diese Weise aufgewendet werden müssen. Diese führen zu einer Veränderung auch der oberhalb liegenden anatomischen Verhältnisse. Eine nun im Academic Emergency Medicine Journal erschienene Arbeit macht nun darauf aufmerksam dass der notwendige Druck während einer Laryngoskopie biomechnisch nicht aufrechterhalten werden kann. Es stellt sich also umso mehr die Frage, ob man sich dessen überhaupt noch bedienen sollte. Die S1 Leitlinie „Prähospitale Notfallnarkose bei Erwachsenen“ rät davon auf jeden Fall ab.

Einen netten Vortrag zu diesem Thema hatte Dr. John Hinds auf dem SMACC Gold in Australien gehalten. Ihr könnt die YouTube Aufzeichnung in Folge sichten.

Nicht zu verwechseln ist das Sellick Manöver allerdings mit einer Manipulation des Kehlkopfes zur besseren laryngoskopischen Einstellung der Stimmbandebene; dem sogenannten BURP Manöver!

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Wie immer gilt: der Einzelfall entscheidet, die genannten Empfehlungen sind ohne Gewähr, die Verantwortung liegt bei der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt. Wie alle unsere Artikel behandelt auch dieser eine notfall- bzw. akutmedizinische Situation, nicht die Versorgung auf Station oder in der Hausarztpraxis.

 


(1) CRICOID PRESSURE TO CONTROL REGURGITATION OF STOMACH CONTENTS DURING INDUCTION OF ANÆSTHESI Sellick, B.A. The Lancet , Volume 278 , Issue 7199 , 404 – 406

(2) Trethewy, C. E., Doherty, S. R., Burrows, J. M. and Clausen, D. (), Ideal Cricoid Pressure Is Biomechanically Impossible During Laryngoscopy. Acad Emerg Med. Accepted Author Manuscript. doi:10.1111/acem.13326 (online first)

(3) Handlungsempfehlung zur prähospitalen Notfallnarkose beim Erwachsenen S1 AWMF (Seite 10)

 

 

 

Posted by J. Gollwitzer

Notfallsanitäter, Certified Critical Care Paramedic, Krankenpfleger
Arbeitet derzeit im Intensivtransport

2 Comments

  1. Herr Dönitz Stephan 10. November 2017 at 17:55

    Hallo, da war ich doch überrascht von dem Beitrag, denn in meinem Umfeld als Anästhesiepfleger ist der Sellik Handgriff schon lange out. Schon vor vielen Jahren hat ja der Arbeitskreis Kinderanästhesie der DGAI den Sellik Handgriff nicht mehr empfohlen. Oder besser gesagt, von der Anwendung abgeraten. Und verschiedenen Veröffentlichungen in den vergangenen Jahren haben auch mehr und mehr den Wert dieser Maßnahme bei Erwachsenen infrage gestellt. Insofern bin ich erstaunt, dass das immer noch ein Thema zu sein scheint. Aber andererseits sollte ich mich vielleicht auch nicht wundern, denn die Erfahrung zeigt ja, dass es manchmal Jahre oder sogar Jahrzehnte dauert, bis Empfehlungen und Leitlinien endlich in der Praxis ankommen…

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    1. …um genau zu sein, ca. 17 Jahre. Auch dazu gibt es Paper 🙂
      Leider sorgt auch dieses Thema immer noch für heiße Diskussionen.

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