Kategorie: Notaufnahme

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NIV Teil II

Nachdem wir uns im 1. Teil der Serie mit den technischen Hintergründen, Indikationen und Kontraindikationen und der Evidenz beschäftigt hatten, stehen heute die unterschiedlichen Krankheitsbilder und insbesondere ein kleines Kochrezept auf dem Programm:

Unterschiedliche Techniken bei unterschiedlichen Krankheitsbildern

Hypoxisches Versagen („Oxygenierungsversagen“)

Hier scheint reiner CPAP einer PSV überlegen, er reduziert die Intubationsrate, verbessert das Überleben und ist für alle Patienten geeignet. Zu beachten ist aber, dass keine Unterstützung der Atempumpe erfolgt, der Behandler ist also gefordert eine Ermüdung des Patienten frühzeitig zu erkennen und die Atemmuskulatur gegebenenfalls mit PSV zu unterstützen.

Hyperkapnisches Versagen („Ventilationsversagen“)

Beim hyperkapnischen Versagen wird eher eine PSV mit PEEP als reiner CPAP empfohlen, sie verbessert das Überleben und reduziert darüber hinaus auch die Intubationsrate und das langfristige Überleben. CPAP alleine ist weitgehend ohne Relevanz und der gewöhnlichen Therapie mit hochdosiertem Sauerstoff nicht überlegen.

Auf die akute Exacerbation der COPD lohnt es sich näher einzugehen: Im Zustand der Excerbation kommt es zu Hyperinflation – die Luft ist im Thorax gefangen und es besteht primär ein Ausatem-Problem. Die Patienten schaffen es nicht, die Luft aus ihren Lungen hinaus zu bekommen. Dadurch arbeitet die Atemhilfsmuskulatur nahe an Belastungsgrenze und ermüdet sehr schnell. Die mangelnde Sauerstoffversorgung der Muskulatur führt über anaerobe Prozesse zu einer Übersäuerung der Muskeln und in der Folge zum akuten Atemversagen. In dieser Situation spielt die NIV so richtig ihre Vorteile aus, da sie sehr schnell angewendet werden kann und auch kurzfristig große Effekte zeigt. Bei COPD-Patienten gilt es unbedingt – auch über eine längere Therapiedauer – die Intubation zu vermeiden, da sie mit einer erhöhten Mortalität, Komplikationen (etwa Pneumonie) und anderen Hindernissen (sehr schwieriges Weaning) einhergeht. In einem Cochrane Review wurde gezeigt, dass die NIV hier unter anderem Mortalität, Intubationsrate, Aufenthaltsdauer sowohl auf der ICU als auch auf der Normalstation reduziert.

Präklinik

Es gibt vergleichsweise sehr wenig Literatur zur präklinischen NIV, im Wesentlichen ist zu sagen, dass man die Evidenz aus dem klinischen Bereich durchaus in die Präklinik übertragen kann. Dabei gibt es jedoch einige Dinge zu beachten: Für die Anwendung der NIV spricht, dass in unseren mitteleuropäischen Systemen das Patienten/Behandler Verhältnis zwischen 1:4 und 1:6 liegt. Ein komplettes RTW+NEF Team (also zumindest 4 Behandler) für einen Patienten ist eine mehr als ausreichende Personalressource – die man in der Klinik teilweise vergeblich sucht! Außerdem ist die Wirksamkeit der NIV belegt und bei richtiger Anwendung ist sie anderen Verfahren überlegen. Dem stehen auch einige Nachteile gegenüber: Ein Versagen der NIV führt fast unweigerlich zur invasiven Beatmung, diese erfordert wiederum eine Intubation des Patienten. Die Intubation unter vergleichsweise unkontrollierten Bedingungen am Notfallort durchzuführen ist mit einer deutlichen Risikoerhöhung vergesellschaftet. Daneben ist die Auswahl an Beatmungsmasken in präklinischen Setting oft unzureichend, ebenso die vorgehaltenen Beatmungsgeräte.

Beatmungsgeräte

Als grundlegende Einführung in das Thema muss man sich die Funktionsweise moderner Beatmungsgeräte in Erinnerung rufen; im Großen und Ganzen lassen sich 2 Typen unterscheiden: Auf der einen Seite jene Geräte die den Beatmungsdruck pneumatisch („Luftpumpe“) für jeden Beatmungshub einzeln aufbauen, auf der anderen Seite die zunehmend verbreiteten „Turbinengeräte“ die den Druck durch eine permanent laufende Turbine herstellen. Der wesentliche Unterschied liegt im maximal möglichen Luftfluss („Flow“) der bei Turbinengeräte bei bis zu 200l/min liegt (im Vergleich zu max 130l/min) was einen deutlich rascheren Druckaufbau, ein besseres Triggerverhalten und damit eine bessere Anpassung und Synchronität mit der Spontanatmung der Patienten zur Folge hat. Die richtige Beatmungsmaschine – oder vielmehr die korrekte Bedienung der Vorhandenen – ist essentiell, denn eine Asynchronität zwischen Patient und Beatmungsmaschine ist ein häufiger Grund für das Scheitern der NIV („Patient-Ventilator Asynchrony“). Neben der Synchronität wird auch generell ein hoher Gasfluss von Patienten als komfortabler empfunden.

Kochrezepte:

In den weiten der Literatur und der FOAM Welt findet man eine ganze Reihe von Publikation und Meinungen zur Einstellung einer NIV-Therapie. Neben Lehrbüchern zur Beatmung im Allgemeinen sind insbesondere die Publikationen von Nava et al und Ram et al besonders lesenswert. In der #FOAM Welt sollte man die EMCrit Episode zu NIV, den Post von MDaware.org und den Post von life in the fast lane  gelesen haben.

Eine rezente deutsche Publikation möchte ich besonders erwähnen: Dormann und Lödel publizieren in der Notfall- und Rettungsmedizin (Online veröffentlicht am 2. Oktober 2017)  eine umfangreiche Übersichtsarbeit der nicht-invasiven Beatmung in der Notaufnahme.

Dormann et al. unterscheiden in ihrem Management die hyperkapnische, gemischte und hypoxische Insuffizienz. Die von den Autoren empfohlenen Grundeinstellungen werden in der Folge in leicht modifizierter Form dargestellt:

Hyperkapnische Insuffizienz (Ventilationsversagen)

  • Modus: PSV
  • PEEP = 4 mmH2O
  • Psupp = 12mmH2O (P∆=8mmH2O)
  • FiO2 = 21% (=Raumluft)

Die weitere Vorgangsweise richtet sich nach dem Erfolg der Beatmung, gegebenenfalls werden PEEP (geringfügig auf 6mmH2O) und Pressure Support (bis auf 16-20mmH2O) erhöht. Der FiO2 bleibt nach der Empfehlung der Autoren jedoch bei 21%. Wenn am Beatmungsgerät ein FiO2 von 21% nicht eingestellt werden kann sollte man ihn einfach so niedrig wie möglich wählen.

Gemischte Insuffizienz

  • Modus: PSV
  • PEEP = 4 mmH20
  • Psupp = 12 mmH20
  • FiO2 = 40%

Hier empfehlen die Autoren primär eine Anpassung des FiO2 nach der Sauerstoffsättigung: Liegt sie <90% sollte der FiO2 auf 60% erhöht werden, bei <85% auf 100%. Falls die Erhöhung der FiO2 keine Verbesserung bringt sollte auch hier der PEPP und der Psupp erhöht werden.

Hypoxische Insuffizienz

  • Modus: CPAP
  • PEEP = 5 mmH2O
  • kein Pressure Support
  • FiO2 = 60%

Auch hier erfolgt primär eine Anpassung des FiO2 analog zur gemischten Insuffizienz.

 

Anwendung:

  1. Den Patienten aufklären und die Anwendung erklären
  2. Die richtige Maske auswählen und die Passform überprüfen
  3. Vollständiges Monitoring des Patienten
  4. Den Patienten nur sedieren falls unbedingt notwendig, dabei sollten Benzodiazepine vermieden werden (muskelrelaxierende Wirkung). Eine Abschirmung mit Morphin oder Esketamin kann hingegen hilfreich sein!
  5. Das Beatmungsgerät einstellen
  6. Den Patienten aufklären und über den Ablauf und die zu erwartenden Veränderungen informieren um die Mitarbeit des Patienten sicherzustellen
  7. Erst dann die NIV beginnen – am Anfang die Maske mit der Hand am Patienten andrücken und erst im Verlauf fixieren – als vertrauensbildende Maßnahme um etwaigen Ängsten des Patienten entgegen zu wirken. Gegebenenfalls den PEEP erst dann dazunehmen, wenn sich der Patient an die Maske gewöhnt hat.

Eine wichtige Take-Home Message ist, dass man eine NIV-Therapie sehr leicht damit zum Scheitern bringen kann, indem man den Patienten mit der Anwendung „überrascht“. Deswegen ist es essentiell sich der Mitarbeit des Patienten zu versichern, der wichtigste Schritt dabei ist es, den Patienten über die geplanten Maßnahmen aufzuklären und jede Manipulation am Patienten vorher anzukündigen. Die leicht gesagte, aber in der Praxis durchaus schwer umzusetzende Empfehlung eine ruhige und sichere Atmosphäre für die Patienten zu schaffen gilt bei der Anwendung der NIV ganz besonders.

Diese Atmosphäre kann ein Team allerdings nur dann vermitteln, wenn es gut aufeinander eingespielt ist und die vorhandenen Gerätschaften „blind“ beherrscht. Insbesondere in der Präklinik ist daher das gemeinsame Üben von RTW und NEF Teams sowie eine Einschulung auf die im Rettungsdienstbereich vorhandenen Geräte essentiell.

 

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Wie immer gilt: der Einzelfall entscheidet, die genannten Empfehlungen sind ohne Gewähr, die Verantwortung liegt bei der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt. Wie alle unsere Artikel behandelt auch dieser eine notfall- bzw. akutmedizinische Situation, nicht die Versorgung auf Station oder in der Hausarztpraxis.

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NIV Teil I

Intubation? Heiß umfehdet und wild umstritten ist sie ein zentrales Diskussionsthema – insbesondere in der präklinischen Notfallmedizin. Die Frage „wann?“ und insbesondere „durch wen?“ aber auch „mit welchen Medikamenten“ könnte man abendfüllend diskutieren.

Die Nicht-Invasive Ventilation (NIV) fristet dagegen ein geradezu stiefmütterliches Dasein. In vielen Notaufnahmen anzutreffen, ist sie in der Präklinik keineswegs flächendeckend verfügbar. Das ist Schade – denn richtig und insbesondere frühzeitig eingesetzt kann sie vielen Patienten einen Tubus und meist auch längere Zeit am Ventilator ersparen.

Wann?

Pathophysiologisch kann man eine akute respiratorische Insuffizienz in 2 Gruppen einteilen. Auf der einen Seite steht ein Versagen der Lunge und die hyperämische Insuffizienz/Oxygenierungsversagen (gekennzeichnet durch erniedrigtes pO2 und normales oder erniedrigtes pCO2) auf der anderen Seite ein Versagen der Atempumpe mit der hyperkapnischen Insuffizienz (Ventilationsversagen mit erhöhtem pCO2).

Für das grundlegende Verständnis der Beatmung ist es wichtig, sich in Erinnerung zu rufen, dass die physiologische Einatmung mittels negativem und die Ausatmung mittels positiven Druck erfolgt. Bei der maschinellen Beatmung wird dieser Prozess umgekehrt – die Einatmung erfolgt mittels eines positiven Druckes.

Bei der NIV sind CPAP (obligater PEEP) und Pressure Support (PSV, fakulativer PEEP) am verbreitetsten. Die Verwendung des PEEP (positive end-exspiratorischer Atemwegsdruck) hat viele Vorteile:

  • Hält die Alveolen auch nach Ausatmung „offen“
  • Erhöht die funktionelle Kapazität
  • Reduziert Shunt-bildung und den shear-stress (durch das auf- und zugehen der Alveolen)
  • Erhöht die Compliance des Patienten
  • Reduziert die Vorlast des Herzens
  • Zuvor nicht ventilierte, aber perfundierte Lungenareale können mobilisiert werden.

Bei einem hyperkapnischen Versagen steht ein weiterer Mechanismus im Vordergrund: Durch eine effektivere Konfiguration der Lunge kann bei gleicher Atemarbeit mehr Sauerstoff aufgenommen werden. Oftmals sind außerdem Patienten mit vorbestehender COPD betroffen, bei diesem Patienten ist man unter Umständen mit einem hohen intrinsischen PEEP konfrontiert. Dieser intrinsische PEEP kann durch eine Beatmung mit externem PEEP leichter überwunden werden – damit sind niedrigere Beatmungsdrücke und eine insgesamt schonendere Beatmung möglich.

Evidenz für NIV

Es gibt viele Publikationen zur NIV, die in der FOAM Welt und darüber hinaus hoch geschätzte Website thennt.com beschreibt folgenden Benefit (Referenzen auf thennt.com angeführt):

Für die exacerbierte COPD:

NNT für Überleben („preventing death“) = 1:8

NNT für das Vermeiden der Intubation („avoiding intubation“) = 1:5

Für das Lungenödem:

NNT für Überleben („life saved“) = 1:13

NNT für das Vermeiden der Intubation („prevented intubation“) = 1:8

Der praktische Unterschied zwischen CPAP und PSV:

Bei der klassischen CPAP-Beatmung (eigentlich eine Atemunterstützung) wird ein konstanter PEEP angewendet. Der Patient atmet komplett eigenständig, die Druckunterschiede zwischen Ein- und Ausatmung gehen von einem höheren Basislevel (dem eingestellten PEEP) aus – dabei erfolgt ausdrücklich keine aktive Druckunterstützung und die Atemarbeit wird vollständig vom Patienten geleistet.

Bei der druckunterstützten Beatmung (PSV) wird hingegen ein Druck eingestellt, den der Patient zur Unterstützung seines eigenen Atemantriebes erfahren soll. Dazu wird eine Trigger-Schwelle eingestellt: Beginnt der Patient einen Atemzug muss er einen bestimmten – vom Anwender eingestellten – Gasflow einatmen (meist 1-4l/min), damit der Ventilator zur Unterstützung einem Atemhub mit dem eingestellten Druck abgibt (es gibt auch Geräte bei denen statt einem Flow ein Druck eingestellt werden muss –> -0,5 bis -2 mbar). Damit wird sichergestellt, dass nur „echte“ Atembemühungen des Patienten – und nicht etwa Artefakte oder Husten – die Atemunterstützung auslösen.

In der Notaufnahme wird meist eine Kombination aus beiden Systemen verwendet, PEEP und Druckunterstützung werden kombiniert: Dabei erfolgen die Atembemühungen des Patienten auf dem unteren (PEEP) Niveau und der Respirator gibt bei Erreichen der Triggerschwelle Unterstützungshübe in Höhe eines eingestellten Drucklevels ab (Solche Modi heißen z.B. „CPAP/ASB“ bei Dräger, „CPAP + ASB“ bei Weinmann oder „NIV-ST“ bei Hamilton).

PSV und CPAP sind aber nicht gleichzusetzen. Die Unterschiede in Terminologie und Anwendung zu verstehen sind essentiell!

Die Indikationen und Kontraindikationen für die NIV sind vielseitig:

Indikationen:

  • Aus klinischer Beobachtung
    • Moderate bis schwere Dyspnoe
    • Tachypnoe (>24/min bei Obstruktion, >30/min bei Restriktion)
    • Zeichen erhöhter Atemarbeit, Einsatz der Atemhilfsmuskulatur sowie paradoxe Bauchatmung
    • Frühzeitig kann der Einsatz bei Herzinsuffizienz oder einem Lungenödem erfolgen
  • Aus Störungen des Gasaustausches
    • Akutes Atemversagen (auch bei chronischer Vorerkrankung) – PaCO2 >45mmHG, pH <7.35
    • Hypoxämie (mit Vorsicht anwenden)

Weitere Indikationen sind Patienten mit einem eingeschränkten Immunsystem, hier kann NIV dazu beitragen das Risiko einer Ventilator-assoziierten Pneumonie zu reduzieren. Außerdem wird NIV häufig zur Überbrückung eingesetzt (etwa beim Weaning oder wenn eine endotracheale Intubation nicht möglich ist). Ein Einsatz im palliativen Setting (beziehungsweise „Do not intubate“ Patienten) ist ebenso möglich.

Kontraindikationen 

  • Absolute
    • Atemstillstand
    • Unmöglichkeit eine Gesichtsmaske anzupassen
  • Relative
    • Instabiler Patient (Schock, unbehandelte Ischämie des Herzens, Arrhythmien, unkontrollierte obere GI-Blutung)
    • Agitierter oder unkooperativer Patient
    • Gefährdeter Atemweg
    • Schluckstörungen
    • Exzessive Sekretion
    • Kürzlich erfolgte OP an Atemwegen oder oberen GI-Trakt

Zu den Kontraindikationen sei gesagt, dass (fast) alles relativ ist. Ganz im Ernst: Man sollte keine Angst vor NIV haben, dennoch sollten die Kontraindikationen präsent sein. Ein wesentlicher Punkt bei der NIV ist die klinische Erfahrung: „Was geht“ hängt zu einem großen Teil vom Anwender ab. So individuell wie unsere Patienten ist auch unsere Begabung einem „erstickenden“ Patienten eine dicht sitzende Plastikmaske auf dem Gesicht als Weg zur Besserung zu verkaufen. Von daher eine starke Empfehlung, die NIV erst dann eigenständig anzuwenden, wenn man unter Anleitung erfahrener Anwender ausreichend Erfahrung sammeln konnte.

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Wie immer gilt: der Einzelfall entscheidet, die genannten Empfehlungen sind ohne Gewähr, die Verantwortung liegt bei der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt. Wie alle unsere Artikel behandelt auch dieser eine notfall- bzw. akutmedizinische Situation, nicht die Versorgung auf Station oder in der Hausarztpraxis.

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Apnoeische Oxygenierung Teil 2

Wie versprochen sollte ein zweiter Teil zum Thema apnoeische Oxygenierung nach Vorstellung der prinzipiellen Prozedur folgen. Als Diskussionsgrundlage und tolle Übersicht über den aktuellen Stand der Forschung konnte ich keinen besseren Posts als Rory Spiegels von EMNerd finden. Dementsprechend im Folgenden eine freie Übersetzung seines Beitrags, natürlich mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Der Fall des elementaren Fernbleibens [sic!]

Im Hinblick auf die Vorteile der apnoeischen Oxygenierung wurde bereits viel geschrieben. Mit nur wenig logistischem Aufwand und geringen Kosten können die Voraussetzungen geschaffen werden für die zugrunde gelegten physiologischen Prinzipien. Dadurch erfreut sich diese Technik einer großen Beliebtheit in der Notfall- und Intensivmedizin, auch wenn die vorhandenen Evidenz wenig Grund zur Freude hierzu gibt.

Eine kürzlich in den Annals of Emergency Medicine veröffentlichte Metaanalyse kam zu dem Schluss, dass, verglichen mit der Standardbehandlung, die Anwendung der apnoeischen Oxygenierung mit einer verminderten Hypoxierate einhergeht [1]. Das mag vielversprechend klingen, aber die Vorteile verschwinden, sobald nur Ergebnisse von randomisierten, kontrollierten Studien (RCT) der höchsten Qualität in die Bewertung einfließen. Aktuell sind wir mit einer weiteren RCT konfrontiert, der ENDOA Studie, welche die apnoeische Oxygenierung im Rahmen einer RSI bei Notaufnahmepatienten untersucht hat. Wieder einmal sind die Ergebnisse erstaunlich ernüchternd.

Caputo et al randomisierten 200 Patienten einer Notaufnahme, die einer endotrachealen Intubation mittels RSI bedurften. Die Ergebnisse wurden in Academic Emergency Medicine veröffentlicht [2]. Ausgeschlossen wurden Patienten im Herzkreislaufstillstand oder wenn sich der behandelnde Arzt zu einer Wachintubation entschloss (Anmerkung: Oder falls keine adäquate Präoxygenierung über mindestens 3 Minuten erfolgte, gemäß Standard-RSI-Protokoll). Alle Patienten wurden großzügig präoxygeniert, entweder mittels Sauerstoffmaske mit Reservoir (Non-Rebreather Maske), mit einem Beatmungsbeutel mit PEEP-Ventil und Sauerstoffwandanschluss, oder  mittels BiPAP und einer FiO2 von 100%. Die Patienten der AO-Gruppe (apnoeische Oxygenierung) erhielten zusätzlich 15 l/min O2 über eine normale Nasenbrille sowie nochmals 15 l/min O2 über eine ETCO2 Nasenbrille (Anmerkung: Mit dem Ziel sowohl intra- als auch extranasal O2 anzubieten). Beides wurde während der Präoxygenierungsphase begonnen und über die gesamte Apnoezeit fortgeführt. Zur Minimierung eines möglichen Bias wurden die Ergebnisse der Endpunkte von unabhängigen Beobachtern gesammelt.

Bezüglich des primären Endpunkts, der im Median niedrigsten Sauerstoffsättigung, konnten die Autoren keinen Unterschied zwischen den beiden Gruppen feststellen (AO 92% vs. UC 93%, p=0,08) (Anmerkung: UC – Kontrollgruppe ohne zusätzlichen Sauerstoff). Auch fand sich keine statistisch relevante Differenz in Hinblick auf die Anzahl der Patienten, welche einen Sättigungsabfalla auf <90% bzw. <80% hatten (AO 3% vs. UC 4%). Wieder einmal war es nicht möglich im Rahmen einer qualitativ hochwertigen RCT einen Vorteil der apnoeischen Oxygenierung bei dringlich zu intubierenden Patienten aufzuzeigen. Aber bevor wir das Prinzip der apnoeischen Oxygenierung komplett über Bord werfen, wollen wir die Studie etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Betrachtet man die letzten negativen Studienergebnisse, stellt sich die Frage, ob apnoeische Oxygenierung einen echten Stellenwert in der Realität besitzt, oder lediglich eine physiologische, im klinischen Alltag nicht zu bestätigende Täuschung ist? Aber apnoeische Oxygenierung ist mehr als nur eine Gute-Nacht-Geschichte für Intubationsanfänger, in mehreren Studien hat sie sich als effektive Maßnahme erwiesen, um eine adäquate Sauerstoffsättigung zu gewährleisten. In der bekanntesten von Frumin et al wurden sonst gesunde Teilnehmer (Anmerkung: Acht an der Zahl) für einen kleineren elektiven chirurgischen Eingriff mittels Thiopental und Succinylcholin eingeleitet und endotracheal intubiert [3]. Unter Forführung der Relaxierung und Sedierung wurden die Patienten apnoeisch belassen, nur unterstützt durch einen niedrigen Fluss an Sauerstoff, der an den endotrachealen Tubus angeschlossen war (Anmerkung: Der Tubus war an ein Kreisteil angeschlossen, an welchem sich ein Reservoirbeutel befand; dieser leerte sich über die Zeit und wurde dementsprechend immer wieder mit 100% O2 befüllt, dafür waren ungefähr 2-3 Liter alle 15 Minuten notwendig. Zuvor waren alle Patienten für 30 Minuten mit 100% O2 beatmet worden.). Ohne dass es zu einem Abfall der Sauerstoffsättigung kam, konnte bei den Patienten teils eine Apnoezeit von bis zu 50 Minuten erreicht werden. Relativ aktuelle Daten bzgl. eines Systems, welches im Operationssaal Sauerstoff mit einer hohen Flussrate applizieren kann, zeigte ähnliche Ergebnisse [4]. Es gibt sogar Untersuchungen, welche den Gebrauch von Sauerstoff, appliziert über eine einfache Nasensonde mit niedriger Flussrate, unterstützt. Wie schaffen wir es jetzt die Studien, welche die Physiologie hinter der apnoeischen Oxygenierung untermauern, mit denen in letzter Zeit erschienenen, klinisch orientierten, aber negativen Studien unter einen Hut zu bringen? Wie immer ist die Antwort auf die ursprünglich gestellte Frage zurückzuführen.

Die aktuelle Evidenz, welche den Gebrauch der apnoeischen Oxygenierung unter niedriger Flussrate unterstützt, basiert hauptsächlich auf zwei RCTs. Beide wurden im Operationssaal durchgeführt und konnten zeigten, dass apnoeisch applizierter O2 die Zeit bis zur Entsättigung des Patienten verlängern kann. Beide Studien randomisierten Patienten, so dass sie während einer Apnoephase entweder über eine Nasensonde Sauerstoff in niedriger Flussrate bekamen oder eben nicht. Und beide Autorengruppen berichteten, dass bei den Patienten in der Sauerstoffgruppe eine deutlich längere Zeitspanne bis zum Sättigungsabfall zu beobachten war. Verglichen mit der ENDOA Studie waren die Kohorten sehr klein (nur jeweils 30 bzw. 40 Patienten). Und trotz des Mangels an statistischer Power (Teststärke) konnten diese Studien einen deutlich größeren Benefit aufzeigen, als es mit der ENDOA Kohorte möglich war.

Die erste der beiden Studien wurde 2006 von Taha et al in Anesthesia veröffentlicht [5]. Die Patienten wurden randomisiert, präoxygeniert (Anmerkung: 4 tiefe Atemzüge innerhalb von 30 Sekunden über eine dicht sitzende Maske mit 100% O2), narkotisiert und erhielten in der anschließenden Apnoezeit entweder keinen weiteren Sauerstoff oder 5 l/min über eine standardisierte Nasensonde (Anmerkung: Ein 10Fr-Katheter wurde in den Oropharynx aller Patienten vorgeschoben; Distanz ca. Mundwinkel-Tragus). Die Patienten durften solange apnoeisch bleiben bis entweder die SpO2 unter 95% fiel oder bis 6 Minuten vorüber waren, je nachdem was zuerst eintrat. In der Kontrollgruppe fiel die SpO2 im Schnitt nach 3,65 Minuten unter 95%. Im Gegensatz hierzu blieb bei 100% der Patienten mit apnoeischer Oxygenierung innerhalb der 6 Minuten die SpO2 über 95%.

Die zweite Studie von Ramachandran et al, 2010 im Journal of Clinical Anesthesia veröffentlicht, berichtet von ähnlichen Ergebnissen [6]. Die (Anmerkung: Adipösen) Patienten wurden randomisiert, präoxygeniert (Anmerkung: Mindestens 8 tiefe Atemzüge über eine dicht sitzende Maske bei 100% O2), narkotisiert und erhielten während der anschließenden Apnoephase entweder eine Nasenbrille mit 15 l/min O2 oder eben nicht. Die Apnoephase wurde ebenfalls wieder beibehalten bis die Sättigung unter 95% fiel oder aber 6 Minuten vergangen waren. Vergleichbar mit der o.a. ersten Studie war eine deutlich längere und sicherere Apnoezeit bei den Patienten mit apnoeischer Oxygenierung zu erreichen. Die Zeit bis zum Sättigungsabfall unter 95% lag bei 5,29 Miunten vs. 3,49 Minuten. 87,7% der apnoeisch oxygenierten Patienten hatten nach 6 Minuten eine SpO2 von größer als 95% im Vergleich zu lediglich 4,4% in der Kontrollgruppe.

Trotz einer ausreichender Präoxygenierung erhielt jeder Teilnehmer dieser Studien ausreichend Zeit für einen Sättigungsabfall während der Apnoephase, was einen merklichen Unterschied in den SpO2-Werten zwischen den Gruppen zur Folge hatte. Dies steht in direktem Gegensatz zur ENDOA Studie, welche in einer sehr gut organisierten Notaufnahme durchgeführt wurde mit einer stabilen Präoxygenierungsstrategie und einer hohen technisch-manuellen Kompetenz. Dies hatte zur Folge, dass den Patienten durch die zügige Intubation nur sehr wenig Zeit für einen Sättigungsabfall gegeben wurde. Der Großteil der Patienten war bereits nach 60 Sekunden erfolgreich intubiert, 80% nach 80 Sekunden, 90% nach 100 Sekunden und nach spätestens 195 Sekunden waren 100% der Patienten intubiert. Für keinen der Patienten wurden die 3,49 Minuten ausgeschöpft, welche die Kontrollgruppe bei Ramachandran et al benötigte um eine SpO2 von weniger als 95% zu erreichen. Da es sich hierbei um eine praktisch ausgerichtete Studie an kranken Patienten einer Notaufnahme handelte, und es unrealistisch und unethisch ist Patienten so lange apnoeisch zu lassen bis die SpO2 unter 95% fallen würde, ist es eigentlich unmöglich mit dieser Studie einen Vorteil in Hinblick auf eine Verlängerung der sicheren Apnoezeit oder auf eine Verringerung der Anzahl schwerer Sättigungsabfälle, welche generell bei nur sehr wenigen Patienten auftraten, aufzuzeigen.

In erster Linie gibt es einen Widerspruch zwischem dem was wir mit einem statistisch negativen Versuch assoziieren und dem was diese Untersuchung in Wirklichkeit widerlegen kann. Die Frage auf welche wir hoffen eine Antwort zu finden lautet: „Ist apnoeische Oxygenierung im Rahmen einer RSI in einer Notaufnahme in der Lage die Häufigkeit eines klinisch relevanten Sättigungsabfalls und damit die Periintubationskomplikationen und den Tod zu verringern?“ Worauf die Autoren ihre Studie aber auslegten, ist einen Unterschied in der niedrigsten, durchschnittlichen Sauerstoffsättigung aufzuzeigen. Auf den ersten Blick mag das ein schlüssiger Endpunkt sein, aber tatsächlich verfehlt man damit die Chance sich mit der klinisch wirklich bedeutsamen Frage zu befassen.

Die Sinnhaftigkeit, die niedrigste, durchschnittliche Sauerstoffsättigung als Endpunkt zu wählen, haben wir bereits in einem vorangegangenen Beitrag diskutiert; hier nur in Kürze: Hierzu fehlen sowohl die statistische als auch die klinische Aussagekraft und somit kommt eine Studie mit nicht ausreichender Teststärke heraus, um den Effekt der Behandlung in Hinblick auf klinisch wichtige Kennwerte beurteilen zu können. Im Falle der ENDOA Studie war bei derart wenigen Patienten ein klinisch relevanter Sättigungsabfall zu beobachten (nur 16% hatten eine SpO2 von <90% und 3,5% eine SpO2 von <80%), dass es unmöglich ist irgendeinen potentiellen Nutzen der apnoeischen Oxygenierung aufzuzeigen.

Sowohl die FELLOW Studie, als auch die PREOXYFLOW Studie, welche die apnoeische Oxygenierung während einer RSI im Rahmen einer Intensivstation untersuchten, verwendeten ebenfalls die niedrigste SpO2 als primären Endpunkt [7,8]. Und wie ENDOA konnten beiden Studien keinen Unterschied feststellen. Aber im Gegensatz zu ENDOA war es beiden Studien möglich klinisch bedeutsame Endpunkte in ausreichender Größenordnung zu beobachten, um den potentiellen Nutzen der apnoeischen Oxygenierung darlegen zu können. Die FELLOW Studie berichtet von einer absoluten Differenz von 9,2% bei den Patienten mit schwerem Sättigungsabfall (definiert als eine SpO2 von <80%), einem 2,8%igen Unterschied bzgl. Herzkreislaufstillstand während der Intubation und einem 14,2%igen Unterschied bzgl. Krankenhausmortalität (Anmerkung: Pro apnoeische Oxygenerierung). Vergleichbar berichtet die PREOXYFLOW Studie von einem 8,5%igen Anstieg bzgl. schwerer Komplikationen (definiert als ein Sättigungsabfall auf eine SpO2 <80% oder ein kardiovaskulärer Kollaps), einen 1,8%igen Unterschied bzgl. Herzkreislaufstillstand während der Intubation und einen 6,7%igen Unterschied bzgl. Mortalität nach 28 Tagen (Anmerkung: Pro apnoeische Oxygeneriung). Keiner dieser Unterschiede war statistisch signifikant, was u.a. daran liegen könnte, dass die apnoeische Oxygenierung wahrscheinlich keinen Vorteil gegenüber normaler, standardisierter Präoxygenierung bietet. Die andere Möglichkeit ist, dass die Studien bedingt durch eine missverstandene Teststärkenberechnung auf Basis einer klinisch fragwürdigen Variablen nicht dafür ausgelegt waren einen Unterschied in alternativen Endpunkten aufzeigen zu können.

Wenn auch nicht mit absoluter Endgültigkeit, so konnte die ENDOA Studie doch an einem unausgelesenem Patientengut einer Notaufnahme zeigen, dass der Zusatznutzen der apnoeischen Oxygenierung bei Anwendung adäquater Präoxygenierungsstrategien im Rahmen eines gut funktionierenden Systems minimal ist. Nur wenden wir die apnoeische Oxygenierung nicht für ein unausgelesenes Patientengut an. Wenn man uns die erfolgreiche Intubation mit minimalen Verzögerungen für all unsere Patienten garantierten könnte, würde sich der Großteil unserer Vorbereitungen als überflüssig erweisen. Wie die meisten anderen Dinge unserer vorausschauenden Planung, ist auch die apnoeische Oxygenierung im universellen Kontext des seltenen Falls der unerwarteten Schwierigkeit zu verstehen. Und weil der Nutzen für diese Patienten nicht bekannt ist, kann eine Studie mit mangelnder Teststärke, in der so wenig Patienten den gefragten Endpunkt erreicht haben, nicht den potentiellen Benefit der apnoeischen Oxygenierung widerlegen. Hierfür ist eine, statistisch betrachtet, deutlich größere Anstrengung von Nöten.

 

Weitere (FOAM)-Beiträge zu diesem Thema:

Literatur:

  1. Oliveira j e silva L, Cabrera D, Barrionuevo P, et al. Effectiveness of Apneic Oxygenation During Intubation: A Systematic Review and Meta-analysis. Ann Emerg Med. 2017 Jul 13. pii: S0196-0644(17)30582-6. PMID 28712606
  2. Caputo N, Azan B, Domingues R, et al. EmergeNcy Department use of Apneic Oxygenation versus usual care during rapid sequence intubation: A randomized controlled trial (The ENDAO Trial). Acad Emerg Med. 2017. [Epub ahead of print]. PMID 28791755
  3. Frumin MJ, Epstein RM, Cohen G. Apneic oxygenation in man. Anesthesiology. 1959;20:789-98. PMID 13825447
  4. Patel A, Nouraei SA. Transnasal Humidified Rapid-Insufflation Ventilatory Exchange (THRIVE): a physiological method of increasing apnoea time in patients with difficult airways. Anaesthesia. 2015;70(3):323-9. PMID 25388828
  5. Taha SK, Siddik-Sayyid SM, El-Khatib MF, et al. Nasopharyngeal oxygen insufflation following pre-oxygenation using the four deep breath technique. Anaesthesia. 2006;61:427-430. PMID 16674614
  6. Ramachandran SK, Cosnowski A, Shanks A, et al. Apneic oxygenation during prolonged laryngoscopy in obese patients: a randomized, controlled trial of nasal oxygen administration. J Clin Anesth. 2010;22:164-168. PMID 20400000
  7. Semler MW, Janz DR, Lentz RJ, et al. Randomized Trial of Apneic Oxygenation during Endotracheal Intubation of the Critically Ill. Am J Respir Crit Care Med. 2016;193(3):273-80. PMID 26426458
  8. Vourc’h M, Asfar P, Volteau C, et al. High-flow nasal cannula oxygen during endotracheal intubation in hypoxemic patients: a randomized controlled clinical trial. Intensive Care Med. 2015;41(9):1538-48. PMID 25869405
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New Early Warning Score (Veröffentlicht vom Royal College of Physicians, UK, 2015)

Endlich Frühling. Die Natur erwacht zu neuem Leben. Auch wir haben den sonnigen Tag gestern genutzt und waren im Wald. Wir sahen die massiven Schäden des letzten Winters. Schneebruch. Riesige Äste einfach so abgeknickt. Ja, damals hatten umgestürzte Bäume ganze Straßen blockiert und die Straßen waren spiegelglatt. Diese Nacht im letzten Winter war auch wirklich zum Fürchten. Aber zum Glück gab es schon Stunden vorher die Warnungen des Wetterdienstes vor drohendem Unheil …

NEWS NEWS

Was ist der New Early Warning Score ?

Ein standardisiertes Verfahren zur Einschätzung der Schwere akuter Erkrankungen. Es stellt eine dokumentierte Übersicht verschiedener Parameter im zeitlichen Verlauf dar. Das Personal in der Notaufnahme oder auf der Station wird bei vordefinierter Punktzahl auf dem Pieper benachrichtigt und muss reagieren.

NEWS blaue Kreise

Warum sollte ich den Score benutzen ?

  • für einheitliche Entscheidungen
  • für die Ausbildung
  • für Audits (Wirksamkeit von Maßnahmen, Qualität der Versorgung, Ergebnis)
  • für die Planung der menschlichen Ressourcen

 Wo wird der Score verwendet ?

  • Im Krankenhaus
  • Im Rettungsdienst
  • In der Ambulanz

Was sind die klinischen Parameter ?

o   Atemfrequenz

o   Sauerstoffsättigung

o   Temperatur

o   Systolischer Blutdruck

o   Puls

o   Bewusstseinszustand: Wach. auf Ansprache, auf Schmerzreiz, bewusstlos ( AVPU – alert, voice, pain, unresponsive

Wie sieht die Beobachtungskartei im Original aus?

NEWS obseration chart

Wie kommen die Punkte im Score zusammen?

NEWS score points

Was ist das grundlegende Prinzip des Early Warning Scores ?

Track and Trigger

NEWS track and trigger

Welche Handlung sollte der Score bewirken ?

Gehandelt wird entsprechend dem Score in 3 möglichen Stufen: niedrig, mittel, hoch.

Dabei sollte vor Ort folgendes abgestimmt werden: die Geschwindigkeit / Dringlichkeit der Antwort, wer antwortet, wo der Patient weiter versorgt werden sollte, wie oft das weitere Monitoring stattfinden sollte.

NEWS Trigger tabelle

In einem typischen Großkrankenhaus haben 20 % der Patienten einen Score von 5 und 10 % ≥ 7.

Warum gibt es bestimmte physiologische Parameter, die im Score nicht genutzt werden?

Dies wurde durchdacht, aber:

*Parameter, die keinen nachgewiesenen Einfluss auf den Score haben

Alter, Geschlecht, ethnische Herkunft, Adipositas

*Parameter die nicht bei jedem Patienten wichtig sind: stehen auf der Karteikarte

Schmerz, Urinausscheidung

*Begleiterkrankungen einschließlich Immunsuppression: krankheitsspezifisches Scoringsystem verwenden

*ABER: in der Schwangerschaft sind Frühwarnsysteme weniger verlässlich, um die Schwere der Erkrankung einzuschätzen und sollten deshalb nicht in der Schwangerschaft benutzt werden

Was ist, wenn mein Patient Sauerstoff braucht ?

Bei routinemäßiger Gabe von Sauerstoff über Maske oder Nasenbrille:

  • Verordne Sauerstoff mit Angabe des Zielwertes der Sauerstoffsättigung

Bei COPD mit bekanntem hyperkapnischem Atemversagen:

  • Ziel der Sauerstoffsättigung 88-92 %, Kontrolle der arteriellen Blutgase ( empfohlen von der British Thoracic Society)

Diese könnte zu einem Alarm (orange) führen. Rufe denjenigen, der die Entscheidung treffen kann:  Eskalation der Versorgung ODER keine Eskalation ? Die Entscheidung muss dokumentiert werden.

Was ist mit dem Score bei sedierten Patienten ? 

Man betrachtet den aktuellen Bewusstseinstand im Kontext mit der Sedierung und dokumentiert entsprechend.

Was ist, wenn ich denke, dass der Score über- oder unterschätzt wurde ?

Ein erfahrener Kliniker sollte den Patienten sehen und Rat geben. Die Entscheidung muss dokumentiert und unterschrieben werden.

Was ist, wenn sich mein Patient am Ende seines Lebens befindet ?

Die Entscheidung den Score nicht zu benutzen, sollte mit dem Patienten besprochen und dann dokumentiert werden.

Wie wurde der Score evaluiert ?

“ Das primäre Ergebnis der Analyse war Tod innerhalb von 24 Stunden bezogen auf ein Set von  Beobachtungen. Die Fähigkeit zwischen den Überlebenden und den Nicht-Überlebenden zu unterscheiden, wurde mit der AUROC (area under the receiver-operating characteristics) Kurve ermittelt.

Unter Benutzung der 24 Stunden Mortalität im Krankenhaus innerhalb von 24 Stunden zeigte die AUROC für das New Early Warning System einen Wert von 0.89 an ( 95% Konfidenzintervall: 0.880-0.895). Dies war besser als bei den meisten existierenden Frühwarnsystemen. „

Das ist der New Early Warning Score für Erwachsene. Für Kinder existiert ein eigenes System – dazu später mehr.

Quelle: https://www.rcplondon.ac.uk/projects/outputs/national-early-warning-score-news

#FOAM deutschEKGsNotaufnahmePrähospital

EKG: Bradykardie

Ihr bekommt einen Patienten nach Wohnungseröffnung in die Notaufnahme gebracht. Er war seit 2 Tagen nicht mehr gesehen worden, jetzt haben Nachbarn und Verwandte die Feuerwehr und den Rettungsdienst hin geschickt.

Na, kommt es euch bekannt vor?

Temperatur gibt der Rettungsdienst mit 35,6 an, sonst hämodynamisch stabil bis auf eine Bradykardie von 28/min und einen RR systolisch knapp unter 100 mmHg. Instabil? Fast stabil? Semistabil? Labil? Zufriedenstellend?

Zur sonstigen Vorgeschichte erfahrt ihr noch, dass der Patient einen schädlichen Alkoholgebrauch betreibt und kaum beim Hausarzt anzutreffen ist. Eher beim Späti um die Ecke.

Keine Brustschmerzen, keine Tabletten (vertragen sich ja nur schlecht mit dem Alkohol), keine Ödeme, keine Dyspnoe, nur etwas verlangsamt, aber dennoch kontaktfähig. Also in die Überwachung, und – der Patient ist ja bradykard – mal ein EKG geschrieben.

Das sieht so aus:

hypothermie 1hypothermie

Was wäre unser nächster Schritt?

 

 

 

 

 

Genau, das kennen wir doch schon? Aber würden die ernsthaft den gleichen Fall noch mal bringen?

Vom Pfleger unseres Vertrauens lassen wir folgerichtig noch einmal die Temperatur messen, und siehe da: 27°C Körperkerntemperatur. Der Patient schaut uns entspannt aus seinem Stretcher an, antwortet adäquat und befolgt problemlos Aufforderungen. Subjektiv geht es ihm „gut“. Instabil sieht anders aus.

Aber das ist ja genau der Punkt, das kennen wir von den Empfehlungen bei der Hypothermiebehandlung: solange der Patient einigermaßen stabil ist, klinisch wie paraklinisch z.B. in der BGA, gibt es keinen Grund in Unruhe zu verfallen.

Also, passive Wärmebehandlung wäre unser nächster Schritt. In unserem Fall ließ sich der Patient problemlos und relativ rasch aufwärmen. Und dann geht es an die Umfelddiagnostik. Eine so ausgeprägte Hypothermie würde man sicher zur Überwachung (zumal die ja selten isoliert auftritt) stationär aufnehmen. Beides ist in unserem Fall passiert und der Patient hat es dann lebend überstanden.

Auch in diesem EKG lassen sich die diesmal nicht ganz so hohen J-Wellen darstellen, auch in unserem Fall betont über der Vorderwand, prinzipiell kann es allerdings in allen Ableitungen auftreten. Ähnliche Veränderungen können bei normothermen Patienten  mit KHK oder Perikarditis auftreten, so dass dies in unserem Fall mit in die Differentialdiagnose einbezogen werden müsste. Aber zum Glück ist ja die Messung der Körperkerntemperatur ja eine minimal invasive, ressourcenschonende und rasche Diagnostik, um relativ definitiv zu klären, wie sich die Klinik des Patienten entwickelt hat.

 

 

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EKG: nVT im Langzeit-EKG

Es ist Freitag Mittag und natürlich kommen wieder zahlreiche Einweisungen von verschiedenen Haus- und Fachärzten in die Notaufnahme, die man übers Wochenende nicht zuhause lassen kann. Könnte man sich natürlich ärgern.

Macht vermutlich auch der eine oder andere. Aber mal im Ernst, das ist doch genau unser Job: nämlich dann aktiv zu werden, wenn unsere niedergelassenen Kollegen nicht weiter kommen bzw. deren Mittel nicht ausreichen. Wir können (und sollten) es nicht ändern und schon gar nicht uns drüber ärgern. Macht die Arbeit entspannter und ab und an daran zu denken, wie die Lebenswirklichkeiten unserer niedergelassenen Kollegen aus sehen, hilft weiter.

Zurück zur Patientin: Sie ist im Haus bestens bekannt, da sie schon seit langem mehrere Grunderkrankungen hat, die eine regelmäßige stationäre Betreuung im Haus der Maximalversorgung nötig machen. Darunter sind auch seit Jahren unspezifische Schwindel-Episoden, die bisher nicht zu zu ordnen waren.

Bei persistierenden Beschwerden und bekannter Arrhythmie-Neigung mit Herzstolpern wurde dann ein erneutes Langzeit-EKG durchgeführt.

Mit Auswertung wurde die Patientin angerufen, sie müsse sofort in die Notaufnahme fahren, das Langzeit-EKG hätte Dinge gezeigt, die unbedingt und sofort behandelt werden müssten. Was es so genau war, wusste die Patientin nicht. Aber sie hat einen Ausdruck des Langzeit-EKGs mit Einweisung in die Hand gedrückt bekommen: V.a. nVT.

Was machen wir? Genau, wir schauen uns den Befund des EKGs an. (Es laufen immer
2 Ableitungen simultan übereinander, es sind also 4 Zeilen a 2 Ableitungen abgebildet)

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Hilfe, R-auf-T, und dann geht es rund…. zum Glück aber selbstlimitierend und so ungefähr 12-15 Sekunden.

Gut. So weit, so gut, was machen wir jetzt damit?

  • ICD?
  • Betablocker?
  • Amiodaron?
  • Magnesium?
  • Watchful waiting?
  • Expertenrat einholen?

 

 

Gerade letzter Punkt ist nie schlecht, und der Experte, der sich beschwert, dass er dazu gezogen wird, ist vermutlich eh keiner….

Wir schauen uns das EKG noch mal genauer an:

nVT2_.jpg

 

Und jetzt sehen wir: Eigentlich keine VT sondern Artefakte. Die QRS-Komplexe verstecken sich in der „VT“. Auf genauere Nachfrage stellt sich raus: Da hatte die Patientin Geschirr gespült und gerade eine besonders hartnäckige Stelle in der Bratpfanne bearbeitet.

Also: Entlassung nach Hause möglich, auch wenn es das zugrunde liegende Problem der Patientin nicht gelöst hat.

Und der Hausarzt? Hättet ihr mit dem LZ-EKG eingewiesen?

Na klar! Wir haben auch erst mal die Herzenzyme bestimmt, und uns die Patientin genau angeschaut. Das wäre in keiner Praxis mehr sinnvoll möglich gewesen, noch dazu am Freitag.

 

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#FOAM deutschKlinikNotaufnahmePrähospitalPräklinik

Akute Herzinsuffizienz aktuell: Nach den neuen Guidelines 2016

Akute Herzinsuffizienz, oft auch als „kardiale Dekompensation“ bezeichnet, ist eine in der Notaufnahme und im Rettungsdienst sehr häufige Diagnose. Konkret ist Herzinsuffizienz der mit Abstand häufigste Grund für vollstationäre Behandlung in Deutschland (444632 Fälle).
2016 veröffentlichte die European Society of Cardiology (ESC) eine neue Guideline zur akuten und chronischen Herzinsuffizienz.
Was steht da drin – und was ist für uns in der Notfallmedizin relevant?
 
Einteilung der Herzinsuffizienz:
Es gibt eine neue Einteilung in drei Formen der Herzinsuffizienz:
– Herzinsuffizienz mit reduzierter linksventrikulärer Pumpfunktion (Heart failure with reduced ejection fraction HFrEF)
– Herzinsuffizienz mit mittelgradig reduzierter Pumpfunktion (Heart failure with mid range reduced EF HFmrEF) – diese Klasse ist neu!
– Herzinsuffizienz mit erhaltener linksventrikulärer Pumpfunktion, jedoch einer diastolischen Funktionsstörung (Heart failure with preserved EF HFpEF)
Inwiefern ist diese Klassifikation für Notfallmedizin akut relevant? Erst mal gar nicht, jedoch gibt’s in der Guideline auch eine gute Einteilung der akuten Herzinsuffizienz in mehrere Kategorien, je nachdem ob „Stauung“ (95%) oder „Hypoperfusion“ vorliegt – oder beides.
Denn: Herzinsuffizienz ist nicht Herzinsuffizienz!
In der Notfalltherapie lohnt sich differenzierte Behandlung!
Herzinsuff 1
Einteilung in Warm/Kalt/Feucht/Trocken („Warm-feucht“ häufigste Herzinsuffizienz-Variante).
Wie zeigt sich Stauung (95%)?
  • Pulmonale Stauung
  • Orthopnoe, nächtliche Dyspnoe
  • Periphere Ödeme
  • Jularvenenstauung, hepatojugulärer Reflux
  • Lebervenenstauung, Ascites
Wie zeigt sich Hypoperfusion (MUSS nicht Hypotonie heißen, jedoch oft beides vorliegend)?
  • Kaltschweißige Extremitäten
  • Oligurie
  • Verwirrung
  • Schwindel
  • Laktatanstieg, akute Niereninsuffizienz, metabolische Azidose
Welche Diagnostik sollte immer bei V.a. akute Herzinsuffizienz spätestens in der Notaufnahme durchgeführt werden:
– Röntgen Thorax
– 12- Kanal EKG (bereits im Rettungsdienst obligat!)
– Labor (BNP, Trop, TSH, Nierenfunktion/Elyte, Leber)
– Echokardiographie (beim instabilen Patienten sofort; sonst ggf. im stationären Verlauf)
Diagnostik empfohlen je nach Verdachtslage:
– Erweitertes Labor (PCT; D-Dim oder andere zur Differenzierung der Ursache)
– Echo für stabile Patienten
MANAGEMENT:
Generell gilt: Bei respiratorischer Insuffizienz Sauerstoffgabe nach Bedarf, frühzeitig NIV in Betracht ziehen. Der PEEP bei NIV-Beatmung unterstützt nicht nur die Oxygenierung sondern erhöht den intrathorakalen Druck und behandelt die Stauung durch Vorlastsenkung kausal.
Für die prähospitale Gabe von Diuretika gibt es kaum Evidenz, (bzw. sogar eher Evidenz dagegen). Auch in der Notaufnahme muss eine Volumenüberladung gesichert sein, um Diuretika einsetzen können. Mehr zur Differentialdiagnose beim Lungenödem und zum Einsatz von Diuretika hier.
Warm + feucht (typisch normo- oder hypertensiv)
—> primär vorliegende Hypertonie: Vasodilatation, RR-Senkung, Diuretika
—> primär vorliegende Stauung: Diuretika, Vasodilatation, ggf. Ultrafiltration (Dialyse)
Kalt + trocken (Hypoperfusion + Hypovolämie)
—> ggf. Fluid Challenge
—> ggf. Inotrope Medis wenn weiterhin Hypoperfusion
Kalt + feucht = „kardiogener Schock“

—> RR < 90: Inotropika, ggf. um Vasopressor ergänzen

—> RR > 90: Vasodilatation (vorsichtig!), ggf. Inotropika, Diuretika
Herzinsuff 2
Spezifische Ursachen (CHAMP):
Die ESC bietet in der Leitlinie ein schönes Akronym an, um die Ursachenforschung bei akuter Herzinsuffizienz zu strukturieren: CHAMP.
ACS ->Zeitnahe Coro (High Risk, binnen 2h)
Hypertension -> Senkung RR um 25% in den ersten Stunden (Vasodilatation + Diuretika)
Arrhythmien -> Medis (Amiodaron, ggf. Digitoxin bei VHFli), Kardioversion, Pacing
Mechanisches Problem -> Echo! ggf. OP oder Intervention
PAE/LAE -> Heparinisierung, ggf. Lyse nach Guideline
Medikamente:
Diuretika:
– Furosemid 20-40mg iv; bei bereits bestehender Diuretika-Therapie ungefähr selbe Dosis iv.
Vasodilatatoren (Nitroglycerin iv, ISDN):
– iv-Gabe (z.B. Nitroglyzerin)
– sl-Gabe (Nitroglycerin)
Inotropika (Dobutamin, Levosimendan, Milrinon (PDE3)…):

– Bei Zeichen des Schocks
– Levosimendan bei V.a. dass Betablocker Hypotension verstärken
– Parallel Vasopressor zur Vermeidung der peripheren Vasodilatation z.b. bei Dobutamin

Vasopressoren:
– Primär Noradrenalin
Antiarrhythmika bei Vorhofflimmern:
– Digitoxin 0,25-0,5mg Boli und / oder Betablocker
– ggf. Amiodaron
+ Thrombembolie-Prophylaxe (in der stationären Phase)
+ ggf. Morphin / Opiate – alternativ vorsichtig Benzodiazepine
Mechanische Unterstützung
Hier ist in der Klinik das Ziel der mechanischen Unterstützung zu klären: Bridge to transplant/candidate? Brigde to therapy? Bridge to decision? Bridge to recovery?
– IABP kurz zur Stabilisierung zB perioperativ, wird NICHT routinemäßig empfohlen.
– vaECMO (für einige Tage) z.b. als Bridge to decision (Transplant vs LVAD)
Einige Punkte, die eventuell diskussionswürdig sind:
Ultraschall der V.cava wird als Messung für Volumenstatus aufgeführt – auch wenn hier die Publikationslage eher zunehmend kritisch ist (Ultraschall der Cava eher als Messmethode für „Volumentoleranz“, weniger als Volumenbedarf)
Lungenultraschall wird trotz breitem wissenschaftlichem Konsens nur in einem Nebensatz erwähnt, meiner Ansicht sollte das in die Standard-Diagnostik in der Notaufnahme gehören.
– Die neue Dreier-Einteilung der Herzinsuffizienz-Klassifikationen (und die fragliche Konsequenz derselben) wird von einigen Granden der Kardiologie kritisch hinterfragt.
Herzinsuff 3
Fazit:
– Herzinsuffizienz ist eine sehr häufige und relevante Erkrankung.
– In der Akutbehandlung lohnt sich eine Einteilung in verschiedene „Subgruppen“ (Warm+Feucht; Kalt+Trocken, Kalt+Feucht) und differenzierte Behandlung.
– Das Akronym „CHAMP“ hilft bei der Ursachenforschung.

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Dieser Artikel wurde in enger Zusammenarbeit mit Dr. Klaus Fessele verfasst.
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#FOAM deutschNotaufnahme

EKG „Breit und schnell“

In unserer neuen Reihe EKG-Ecke möchten wir praxisnah einige Fallbeispiele diskutieren. Danke an Dr. Klaus Fessele (OA Notaufnahme Klinikum Nürnberg Süd) für die tollen EKGs und Fälle!

Diesmal kommt die erfahrene Notaufnahme-Schwester mit einem sehr auffälligen EKGzu Ihnen: „Der ist schnell und breit – schau dir den bitte schnell mal an!“

Es zeigt sich ein  in etwa 40-jähriger Patient mit Herzrasen seit ca. einer Woche, dabei reduzierte Belastbarkeit. Bei ihm sei ein WPW-Syndrom bekannt – und hämodynamisch ist der Patient erstaunlich stabil:  RR 120 mm Hg systolisch bei palpablem Radialispuls, kein Lakat in der vBGA.

Was machen Sie?

Breit1.png

 

Im EKG sehen Sie eine Breitkammerkomplextachykardie mit positiver Konkordanz über den Brustwandableitungen

Die Differentialdiagnosen: VT (Ventrikuläre Tachykardie) oder WPW mit Vorhofflattern und 2:1 ÜL

Was tun?

-> Beim Hauch der Instabilität natürlich: Elektrische Kardioversion.

Gibt es eine sichere medikamentöse Therapie?

Adenosin*, Verapamil und Betablocker sind beim WPW mit Vorhofflimmern kontraindiziert, selbst unter Amiodaron gibt es Fälle, bei denen in dieser Konstellation Kammerflimmern ausgelöst wurde.

Nun, hier haben wir Flattern mit 2:1 Überleitung oder eine VT. O.g. Medis sind beim Flattern nicht ausreichend effektiv und wie gesagt von fraglicher Sicherheit, da auch Flattern und Flimmern manchmal koexisieren.

-> Es erfolgt daher eine Ajmalin Gabe von 50mg (langsam!!!), danach zeigt sich das folgende EKG:

Breit2.png

Hurra,  das Flattern ist bewiesen, also keine VT.

Umgesprungen in den Sinusrhythmus ist der Patient leider nicht. Angesichts der lange bestehenden Klinik wurde primär noch ein TEE (transösophageales Echo) durchgeführt, dann elektrische Kardioversion und im Verlauf elektive Ablation der akzessorischen Leitungsbahn (prognostische Indikation bei hoher Überleitungskapazität).

 

Hättet ihr auch so gehandelt? Andere Medikamente oder gleich Strom gewählt?

 

* Adenosin Zusatz-Info: Die fixe Aussage, dass Adenosin generell bei WPW kontraindiziert ist, wird zunehmend hinterfragt – fix gilt nur die Kontraindikation bei Vorhofflimmern oder -flattern mit WPW. Hier besteht die Gefahr von lebensbedrohlichem Kammerflimmern/-flattern. Ein längerer Artikel zu dieser Thematik ist in Arbeit!

 

 

 

#FOAM internationalIntensivmedizinNotaufnahme

Entwicklungshilfe für die Notfallmedizin

Mein erstes Erlebnis auf dem Begrüßungsabend der developingEM- conference 2016 in Colombo (Sri Lanka) war prägend für den Rest der Konferenz. Kaum war ich angekommen und hatte ein Glas in der Hand, kam ich ins Gespräch mit einem freundlichen älteren singhalesischen Herren, der sich mir als Begründer der Notfallmedizin in Sri Lanka präsentierte. Als ich mich ihm als gefühlter Notfallmediziner aus Deutschland vorstellte, schaute er mich mitleidig an und sagt: „Yo are very far behind in Germany…“ … und Recht hatte er damit. Dr. Dhanapala Rodrigo erklärte mir in seinem Enthusiasmus, wie er vorgegangen war, als er vor Jahrzehnten die Notwendigkeit einer speziellen Notfallversorgung erkannte und in Sri Lanka etablieren wollte. Da er die Widerstände anderen Fachbereiche vorhersah (er ist gelernter Anästhesist), lud er die Kollegen zum Mittagessen ein und… „I served a lot of alcohol…“. Erst dann begann er seine Pläne zu erläutern und vermied den Begriff „Notfallmedizin“, sondern nannte seine neue, geplante Aufnahme- Station „preliminary care“ (vorbereitende Versorgung). Inzwischen hat sich in Sri Lanka ein anerkanntes Weiterbildungsprogramm für den anerkannten Fachbereich Notfallmedizin etabliert. Ein Trainingszentrum in Galle wurde ins Leben gerufen. Des Weiteren komplettieren Strukturveränderungen in Krankenhäusern mit Emergency Departments mit Triage- Systemen und weiterführender Versorgung die Notfallversorgung.

Da dachte ich:

Eine Konferenz dieser Art würde uns in Deutschland auch gut stehen. http://developingem.com/ will aufmerksam machen auf die Bedürfnisse sich entwickelnder Länder in Sachen Notfallmedizin. Die Organisation finanziert sich ausschließlich über die Teilnehmergebühren, ist ohne eigene ökonomische Interessen und ohne industrielle Unterstützung und versucht einen offenen, neuen Weg zu finden, Weiterbildung attraktiv zu gestalten. Für die Besucher der Konferenz aus den Veranstaltungsländern ist die Teilnahme kostenfrei und es werden sogar Reisekostenunterstützungen gewährt. Die Referenten kommen meist aus den Bereichen Notfallmedizin und Intensivmedizin und sind teils hochkarätige Honoratioren aus westlichen Industrieländern und Entwicklungsländern. Damit kommt es zu einer sehr breiten Repräsentation von internationaler, praktischer Notfallmedizin. Die DevelopingEM- Konferenz findet seit 2012 jährlich auf einem anderen Kontinent statt und war bislang in Sydney (Australien), 2x Havana (Cuba), Salvador de Bahia (Brasilien) und im Jahr 2016 in Colombo (Sri Lanka).

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Deutschland ist zwar kein Entwicklungsland im ökonomischen Sinne, was die Etablierung der Notfallmedizin als eigenständiger Fachbereich angeht, aber schon. Dieses Thema war auch Auftakt-Thema des ersten Tages. Gleich zu Beginn der Vorträge wurde mit sinnvollen Ratschlägen von seitens australischer Referenten nicht gespart. Dr. Sue Leraci warnte z.B. vor vielen Dingen, die zu einer Fehlentwicklung in Australien geführt hätten. Der am Meisten gesehene Patient sei der sogenannte „unwell-well“, den wir in Deutschland auch zu Genüge kennen. Nichts wirklich Wichtiges, aber mit der Erwartung in der Notaufnahme werden mal eben schnell alle Gesundheitsprobleme gelöst, an denen sich der Hausarzt schon lange bemüht, sofern man überhaupt Einen hat. Herausgehoben wurde dabei das Rollenverständnis des Notfallmediziners. Die Ausbildung und der Sinn der Notfallmedizin ziele ab auf die unmittelbare Lebenserhaltung der Patienten, die Behandlung zeitkritisch kranker Patienten und die Versorgung von akut komplex-kranken Patienten, die eine stationäre Aufnahme benötigten. Deshalb wäre schlußendlich auch nur ein dreistufiges Triage- System notwendig. (I) akute Lebensrettung (CPR, Atemwegsmanagement etc.) (II) zeitkritische Erkrankungen (ACS, stroke) und (III) komplexe, akute Erkrankungen, die aber nicht unmittelbar zeitkritisch sind. Alle anderen Patienten könnten auch am nächsten Morgen noch zum ambulanten Arzt gehen (Auf Grund der Vergütungskontroversen zwischen KV und Krankenhäusern könnte sich unser System möglicherweise auch dorthin entwickeln). Des Weiteren machte Sue auf den Umstand aufmerksam, daß die Konzentration aller Notfälle in den Händen der Notfallmediziner in Australien dazu geführt hätte, daß andere Fachabteilungen überhaupt nicht mehr in der Lage seien, Notfälle zu behandeln. Alle akuten Probleme müssten also in der Notaufnahme gelöst werden. Von dieser Entfremdung von Notfallbehandlungen sind wir in Deutschland noch weit entfernt, da sich die meisten Fachgebiete ja als Experten für ihre Notfälle begreifen. Man hat bei uns also noch eher die Schwierigkeit als „Notfallmediziner“ überhaupt Ernst genommen zu werden, solange es nicht um Herzdruckmassage geht. Im Gegensatz dazu wird man gelegentlich aber auch mit der Frage konfrontiert, warum der Fachkollege gerade jetzt herangezogen werden würde.

Ein weiterer Australier, Nick Taylor, war als Medical Programm Director for Education aus Melburne für ein halbes Jahr in Galle (Sri Lanka) im Kayapitya Emergency Department, um Notfallmediziner für Sri Lanka auszubilden. Sein enthusiastischer Bericht lässt sich in seinem post nachlesen (https://srilankaemergency.wordpress.com/2016/09/28/emergency-medicine-australia-sri-lanka-nicholas-taylor/). Soviel sei gesagt, daß er jedem Notfallmediziner die Arbeit dort empfehlen möchte, der schwere Krankheitsverläufe im Endstadium behandeln will, die es im den westlichen Ländern nicht mehr gibt (nichts mit „unwell-well“).

Aus der Sicht Sri Lankas berichtete Chula Goonasekera über die Anlauf- Schwierigkeiten eine Fachgesellschaft mit Ausbildungsprogramm aus der Taufe zu heben. Was dafür notwendig zu sein scheint lässt sich seinem schönen Dia entnehmen.

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Auch in Sri Lanka mussten Widerstände überwunden werden, insbesondere von anderen Fachgesellschaften. Es gab keine Unterstützung, außer von aussen und es bedurfte und bedarf weiterhin einen große Motivation und Energieleistung um die Vorstellung von Notfallmedizin umzusetzen. Auch das ist uns in Deutschland nicht unbekannt.

Der weiter Verlauf der Konferenz war geprägt von hochaktuellen Vorträgen zu „praxis-changing“- Artikeln oder Interventionen und von Beiträgen von Notfallmedizinern aus Süd-Ost Asien. Kollegen aus Cambodia, Pakistan, Nepal und Indien berichteten über ihre Fortschritte in der Bildung eigener notfallmedizinischer Abteilungen oder auch Fachgesellschaften und Weiterbildungsprogrammen. Sehr emotional war die, den Saal zu Tränen rührende, Berichterstattung durch Kathleen Thomas zu dem Bombenangriff der US- Amerikaner auf das Krankenhaus der Ärzte ohne Grenzen (MSF Hospital) in Kundus (Afghanistan), das sie selbst überlebt hatte. Unmittelbar aus der Diskussion zu diesem Thema resultierte eine Petition zu #StopBombingHospitals, die von den Konferenzteilnehmern unterzeichnet wurde. Angriffe durch Kriegsparteien auf Gesundheitseinrichtungen werden immer häufiger registriert und scheinen eine Kriegsstrategie z.B. auch durch Assad in Syrien zu sein.

Ein weiterer, mir persönlich ausserdem noch in Erinnerung gebliebene Vortrag, drehte sich um ein eher westliches Problem. In den USA hat sich die Implementierung des Schmerzes als „5.Vitalzeichen“ und die Adressierung dessen mit Opioiden als inzwischen sehr konfliktträchtig und problematisch erwiesen. Möglicherweise stark Industrie- gesteuert hat sich durch leichtfertige Verschreibung und Werbung bei nicht-malignen Schmerzzuständen eine breite Masse an opioid- abhängigen Patienten entwickelt. Diese treten nicht wie die typischen Junkies auf, suchen aber regelmässig verschieden Notaufnahme auf, um ihren Medikamente zu bekommen.

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Der Musiker Prince könnte zum Beispiel ein Todesopfer dieser Verschreibungspraxis gewesen sein. US-amerikanische Kollegen berichteten, dass diese Patienten große Probleme bereiteten, da sie explizit Opioide haben wollten. Sollten diese nicht verschrieben werden, würde das eine negative Bewertung für den jeweiligen Arzt zur Folge haben. Wenn man weiss, daß in einigen Krankenhaus- Konzernen in den USA der Jahres- Bonus zu 50% über die Patienten- Bewertung über den Arzt bestimmt wird, dann kann man sich das Dilemma vorstellen. Das sind auch Auswüchse eines Gesundheitssystems in eine Richtung, die wir hier nicht erleben wollen.

Ein absolutes Highlight war ein organisierter Besuch der Notaufnahmen des Kinderkrankenhauses von Colombo ( ca. 2000 Betten) und eines Traumazentrums. Das Equipment und die technische Ausstattung ist natürlich nicht so umfangreich, wie man es aus westlichen Krankenhäusern gewohnt ist. Nichtsdestotrotz ist vieles ähnlich. Die Warteräume sind voll, die Patienten werden triagiert und Vitalparameter werden erhoben und es gibt eine Menge pflegerisches und ärztliches Personal, das sich um die Patienten kümmert. Ich habe mir ausser der Rettungsstellen noch das CT, das MRT und die Trauma-Intensivstation angeschaut und war beeindruckt von der Professionalität in den Einrichtungen.

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Was diese Konferenz- Reihe von „developingEM“ wirklich ausmacht, ist die Internationalität und relativen Überschaubarkeit der Teilnehmeranzahl. Man kommt hier mit einem Vortragenden aus Afghanistan, dort mit einem SIM- Trainer aus Singapore oder an anderer Stelle mit einem Teilnehmer aus Groß-Britannien ins Gespräch und kann ein Netzwerk aufbauen und Erfahrungen austauschen. Das hilft mir sehr unsere Arbeit in Deutschland zu bewerten und einzuordnen. Unterm Strich glaube ich, machen wir hier eine gute Arbeit in der Notfallmedizin, auch wenn wir uns nicht „Notfallmediziner“ nennen können. Es ist ungemein wichtig, von denen zu lernen, die schon seit über 30 Jahren als „Emergency physicians“ Erfahrungen gesammelt haben. Im Prinzip kochen die zwar auch nur mit Wasser. Da aber in den Ländern mit dem Fachbereich „Notfallmedizin“ eine strukturierte Ausbildung besteht, sind sie echte Experten und nicht Quereinsteiger, wie alle „Notfallmediziner“ in Deutschland. Damit ist die Versorgungsqualität von Notfallpatienten spezifisch organisiert und gesichert und möglicherweise besser.

Abgesehen von den ausgezeichneten Präsentationen und medizinischen Inhalten kommt so eine Konferenz natürlich nicht ohne soziales Rahmenprogramm aus. Darauf möchte ich aber garnicht eingehen. Bei dem breiten Publikum ist quasi jedes Gespräch interessant und jeder Eindruck nachhaltig. Toll, was die Organisatoren Mark Newcombe und Sanj Fernando wieder auf die Beine gestellt haben. Vielen Dank für die inspirierende Erfahrung und die internationale Gemeinschaft.

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Bis zum nächsten Mal

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#FOAM deutsch#FOAM internationalNotaufnahme

Sexueller Missbrauch in der Notaufnahme: David Newman

 

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Ein Skandal erschüttert die internationale Welt der Notfallmedizin.

Dr. David Newman, ein ehemals sehr respektiertes Mitglied der FOAM- community hat im Januar letzten Jahres in seiner Notaufnahme in New York eine junge Patientin zur Schulterreposition mit Propofol betäubt, sie sexuell missbraucht und ihr ins Gesicht ejakuliert. Dafür wurde er im Dezember 2016 von einem Gericht zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, weil er diesen Fall und noch drei weitere Fälle unter der erdrückenden Last der Beweise zugab und durch einen Deal einer 8-jährigen Gefängnisstrafe entging.

Newman war international in notfallmedizinischen Kreisen bekannt, unter anderem für seine Blogposts, seinen Podcast, sein Buch und seine Vorträge für SMACC. Seine Ideen zur Notfallmedizin waren inspirierend und haben auch mich in meinem Denken und Handeln beeinflusst. Dieser sexuelle Missbrauch ändert alles. Die Tat hinterlässt nur ein Gefühl von Abscheu. Ich möchte mir nicht vorstellen, was seine Opfer gefühlt haben mögen. Zu deren persönlichen Betroffenheit kommt dazu eine Erschütterung in das Vertrauen in Notfall- Ärzte. Und es ist eine kontroverse Diskussion im Gange, wie die FOAM- community damit umgehen sollte. Newman’s eigene Internet- Auftritte sind offline. Die Podcasts auf SMACC wurden alle gelöscht. In der FOAM- community wurde und wird um die richtige Abgrenzung zu Newman gerungen und den Konsequenzen aus den Taten, die die Unsicherheit von Frauen in jeder Situation exemplarisch darstellte. Dies hat einen bislang unvergleichlichen Shitstorm hervorgerufen, in dessen Anschluß geklärt war, daß SMACC sich unmissverständlich vom Newman distanziert (hat). Die Diskussion um Sicherheit von Patientinnen in Notaufnahmen, aber auch von weiblichen Teilnehmerinnen auf medizinischen Konferenzen geht weiter…

Die Taten von D. Newman müssen eindeutig verdammt werden. Was ich hiermit tue. Es darf keinen Platz geben für sexuellen Missbrauch in Notaufnahmen oder sonst wo in der Welt. Um Sicherheit in der Notaufnahme zu schaffen, sollte jeder an eigenen Prinzipien festhalten und selbst Missverständnisse vermeiden.

Ich persönlich verfolge schon immer die Maxime, keine Frau zu untersuchen, ohne eine Schwester im Raum zu haben. Damit versuche ich Vertrauen und Klarheit zu schaffen. Darauf sollte man in jedem Fall auch bei Einsatz von Narkosemitteln achten. Ein Problem ist aber auch die Schwierigkeit für Opfern, sich Gehör zu verschaffen. Sexueller Missbrauch ist häufiger, als man denkt. Ich wurde einmal Zeuge von Untersuchen zu sexuellem Missbrauch bei Prämedikationen und der Umgang mit diesen polizeilichen Investigationen ist für alle Beteiligten hochgradig nervenaufreibend. In jedem Fall sollte jedem Verdacht und jeder Anzeige explizit nachgegangen werden. Das sind wir den Patientinnen schuldig. Wer im Vertrauen auf eine ärztliche Untersuchung sich in die Hände von Notfallmedizinern begibt, darf keinen Zweifel daran haben, respektvoll behandelt zu werden. Aus diesem Grunde distanzieren ich mich hiermit noch einmal eindeutig und klar von David Newman und seinen Untaten. Ich hoffe diese Diskussion schärft auch bei uns in Deutschland die Sinne, daß sexueller Missbrauch eine Straftat ist, die auch in Notaufnahmen vorkommen kann. Dem müssen wir alle geschlossen entgegentreten.

Joachim Unger

http://www.kevinmd.com/blog/2016/12/david-newman-betrayed-patients-emergency-medicine.html

PHARM Podcast 158 My Divorce from SMACC

http://www.smacc.net.au/2015/11/dogmalysis-and-pseudoaxioms-by-david-newman/

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