Monat: Juli 2017

#FOAM deutschPräklinikTrauma

„VKU 80 km/h, PKW gegen Baum, zwei Betroffene“

Das ist die Meldung, die ich auf meinem Pieper sehe. OK, denke ich, schön. Zwei Polytraumata. Klassisch, einfach, gut – Primärversorgung und ab in die Rettungsstelle und – Schockraum. Bread & butter, sozusagen. Bei der Anfahrt mit dem NEF sieht man den zerstörten PKW. Ups…, sieht nicht gut aus… Vielleicht doch eher zwei Tote? … nicht mehr so witzig.

Als ich dann aus dem NEF aussteige und zum Einsatzleiter der Feuerwehr gehe, der schon da ist, sagt er mir, die beiden Verletzten seien schon im RTW. Hm, komisch, denke ich, jetzt bin ich aber wirklich mal gespannt, wie die aussehen und steige in den RTW.

Dort sind zwei junge Männer, der Eine liegt auf der Trage, es wird gerade durch die RTW – Besatzung der Blutdruck gemessen. Der Andere sitzt auf einen der Klappsitze und schaut mich an. Ich stelle mich vor: „ Guten Tag, ich bin der Notarzt, Dr. Unger“ und ich frage: „Was ist denn passiert?“ Es stellt sich heraus, die beiden hatten Glück: Bei einem Überholmanöver auf der engen Bundesstraße ist plötzlich Gegenverkehr aufgetaucht. Schockschwere Not. Der Versuch, wieder auf die rechte Spur zurück zu kommen, führte zum Schleudern des Wagens, so dass sie sich mehrfach um die eigene Achse drehten und rückwärts gegen den Baum geprallt sind. Anschließend haben sie sich abgeschnallt und konnten aus dem Wrack steigen. Dem Einen täte die linke Schulter weh… Ich bin sprachlos. Was mache ich jetzt mit den Beiden? Klar, ABCDE, Vitalparameter, Bodycheck. Ist alles in Ordnung und im Normbereich. Wie schwere Polytraumata escheinen die mir nicht gerade. Und jetzt? Ins Krankenhaus, einmal durchchecken. Soll ich den Schockraum aktivieren lassen, für zwei unverletzte Unfallopfer? Das ganze Team runterbestellen, Alarm machen und alle Kollegen von ihrer Arbeit abhalten? Oder setze ich die Beiden in den RTW und lasse sie gemütlich in die Rettungsstelle bringen? Diese Fragen stellt man sich immer mal wieder, wenn man präklinisch unterwegs ist und vor allem muss man sich ständig in der Rettungsstelle rechtfertigen. Entweder dafür, dass man einen Voralarm ausgelöst hat oder eben nicht. Wenn es also nicht eindeutig ist, also kein klinisches Polytrauma vorliegt mit hämorrhagischem Schock, fehlenden Gliedmaßen, Intubationspflichtigkeit oder einem der anderen harten Kriterien der S3 Leitlinie, wie gehe ich dann vor?

Da ich jetzt schon die die S3- Leitlinie Polytrauma erwähnt habe – ich persönlich halte mich strikt daran:

Bildschirmfoto 2017-07-13 um 08.23.31

Geschwindigkeitsdelta 80 km/h – Indikation zur Schockraumversorgung also. Ich verteile die Beiden auf zwei RTW, fahre bei dem mit den Schulterschmerzen mit und melde uns für den Schockraum an.

Warum mache ich das?

Man kommt natürlich damit immer wieder in den Konflikt der Übertriagierung. Die prädiktiven Werte für die Unfallmechanismen, um eine schwere Verletzung vorherzusagen, sind nicht gut. Viele dieser Patienten, die auf Grund der Zusatzkriterien im Schockraum versorgt werden, sind keine echten Polytraumata. Es können aber trotzdem Schwerverletzte dabei sein, was vor Ort ggf. nicht erkannt wird oder erkannt werden kann. Des Weiteren sind Leitlinien Leilinien. Man kann davon abweichen, man muss es nur begründen. Das muss man dann im Zweifeslfalle auch gut können. Und zum Dritten: Schockraum-Training unter Real- Bedingungen. Muss man einfach mal so sagen. Es schadet dem Schockraum-Team nicht, auch dann Patienten nach Schockraum- Kriterien zu versorgen, wenn sich am Schluss herausstellt, dass keine schweren Verletzungen vorliegen. Das nächste echte Polytrauma wird von der Performance profitieren.

In diesem Fall stellt sich heraus – nach der Schockraumversorgung mit allen Fachdisziplinen, FAST Sono, Röntgen, Labor, etc: Der eine Patient hat eine Schlüsselbeinfraktur und bleibt stationär, der andere ist komplett unverletzt und geht gegen ärztlichen Rat nach Hause. Glück gehabt, würde ich sagen.

Ein ganz normaler Notarzt-Einsatz also.

http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/012-019l_S3_Polytrauma_Schwerverletzten-Behandlung_2017-03.pdf

#FOAM deutsch

#dasSMACC Tag 2

Und es ist Tag 2 bei dasSMACC. Hier sind wir wieder (und ihr habt schon gemerkt, es ist nicht so einfach mit den regelmäßigen Updates). Falls in den Tweets die angehängten Bildern nicht geladen werden, unbedingt an schauen!

Heute geht es dann für uns los mit „ruling the resus room“.

Chris Hicks aus Toronto zu komplizierten Problemen und ihren manchmal einfachen Lösungen macht den Anfang. Er bezieht sich natürlich in der Akutmedizin auf die Schockräume bzw. die herausfordernden und häufig nicht so einfach zu planenden Spezialfälle. Hier nutzt er auch eine interessante Analogie zu Vogelschwärmen und Teamorganisation:

 

und empfiehlt die Einteilung von Mini-teams im Vorfeld:

 

Das Herunterbrechen einer riesigen Aufgabe auf kleinere Schritte ist meist hilfreich, und wenn jeder im Team seine (Teil-) Aufgabe sieht, dann klappt es auch mit den Komplikationen.

 

Future of Out-of-hospital Cardiac Arrest mit Maaret Castren:

  • Auch nach den Entwicklungen der letzten Jahren und viel Training kommen wir immer noch nicht auf mehr als 20% Überlebensrate im Optimalfall.
  • Aber: In 50% der Fälle gibt es Vorläufersymptome vor dem Ereignis – eine Erfahrung die wir im Alltag auch sehr oft machen.
  • Kontrovers, aber so wurde es gesagt: kein Patient mit VF sollte sterben müssen.  Wirklich?
  • VFib Überlebensrate in einem Kanton der Schweiz in 10 Jahren von 15 auf 55% erhöht:

 

Einen Sonderfall auf der Intensivstation behandelt Nikki Stamp: Reanimation bei kardio- und thoraxchirurgischen Patienten:

  • Diese Patienten haben häufig eine hohe Überlebensrate, da die Situation früh erkannt wird und es gut behandelbare Ursachen gibt.
  • Woran erkennt man Probleme:

  • Besonderheit bei thorakal frisch voroperierten Patienten: erst Rhythmus stabilisieren und ggf. 3x schocken, dann erst drücken
  • keine mCPR bei LVAD oder frischer Thorakotomie

 

Dann folgt das übliche POCUS-commercial break – im doppelten Sinne: natürlich wird POCUS bei SMACC sehr gepushed, die offensichtliche Unterstützung einer großen Ultraschall-Firma ist aber ohne conflict of interest zumindest diskutabel.

Diesmal immerhin mit mehr input und einen review der Literatur zur Lyse bei submassiver Lungenembolie und Thrombus im Transit. Bei instabilem Patient bzw. kritischem Patient generell Lyse erwägen: sehr limitierte Daten, aber hier die Empfehlung dazu, generell gilt aber immer in so einem Fall dass Prinzip des „shared decision making“.

Es folgt die Befragung von Flavia Machado zu Sexismus und low income countries. Klare Sache und unterhaltsam aber das ist bei smacc ein Bißchen „Preaching to the choir“.

Ashley Liebig zu „doctor’s don’t rule the resus room“.

Schwestern (und der Rettungsdienst) KÖNNEN Reanimation. Sie sind sehr gut trainiert und haben große Erfahrung, auch als Teamleader (!), also sollten wir sie ihre Rolle ausüben und ihren Job machen lassen. Denn dann können wir uns um die Differentialdiagnose kümmern und es erlaubt uns kreatives Potential zu nutzen (sofern vorhanden…).

Ein hoch unterhaltsames Battle zwischen Scott Weingart und Reuben Strayer folgt, moderiert von Natalie May. Mit Bourbon und Fluchen, sensationell, hier die kurzen Antworten.

  • alle Patienten mit Luftnot/Respiratory distress: NIV ist immer die Antwort.
  • Peep-Ventile sind Scheisse (Scott)
  • Nitro im (hypertensiven) Lungenödem: go big or go home. 1mg Nitro als Bolus, nicht langsam auf titrieren mit niedrigen Perfusorraten! (Reuben)

Und der „dirty epi drip“ – Diskussion Bolus gegen Infusion, ohne Perfusor:

Persönlich kombiniere ich bei uns im Alltag meist beides: Wir haben vorgefertigte Noradrenalin-Spritzen bei uns, und bis der Perfusor aufgebaut ist, die richtige Rate erreicht ist und alles läuft, bekommt der Patient bei mir einfach Boli aus der Hand. Aber die ganze Spritze in die Infusion zu dengeln und dann einfach die Tropfrate nach Blutdruck anpassen ist zwar low-tech, aber warum sollte das schlechter sein?

Am Ende kam dann wieder „was“ mit Simulation, aber diesmal mit Chris Nicks – und richtig gut. Es wird der Fall vom Vortag wieder aufgenommen, und jetzt geht es um schwierige, unverschämte, aggressive Patienten und den Bias, den wir dann haben. Klar, wissen wir, aber ist einfach unglaublich wichtig das sehr oft zu wiederholen. Zumal da noch was an Tag 3 nachkommen dürfte…

Die weiteren Vorträge waren dem Thema  „How to deal with an emergency ( and why)  gewidmet. = Wie geht man mit einem Notfall um ? Und warum ist das so? 

  • Whole body ultrasound centered on the lung: A holistic approach : Daniel Liechtenstein

Es ging los mit dem unglaublichen Daniel Lichtenstein, the man, the myth, the legend!

Über einen Abstecher in die Geschichte des Lungenultraschall und die massiven Grabenkämpfe, die die Kollegen damals führen mussten, um ihre Arbeiten publiziert zu bekommen, zeigt er uns den ganzheitlichen Lungenultraschall, der den gesamten Körper zur Diagnosestellung einbezieht und erst ganz am Schluss auch noch das Herz beinhaltet. Großartige Minuten mit einer Legende des POCUS.

  • Finding the needle in the haystack: Paediatric Cardiac Disease: Michele Domico

Bei pädiatrischen Patienten, die wir bei uns ja meist präklinisch sehen, ist das Herz ein zwar ungewöhnlicher, aber vermutlich nicht so seltener Fokus.

Und die einfache, aber wirkungsvolle Botschaft: ein müdes Kind, das nicht gesünder wird und schon xmal beim Arzt und in der Notaufnahme war: an kardiale Grunderkrankung denken!

  • SonoByte Ultrasound: Jacob Avila and Ben Smith:

Zwei großartige Kollegen aus den USA, die mit 5 Minute Sono eine großartige Seite betreiben, und die Ultraschall-gestützte Atemwegssicherung präsentieren. Sie blocken einfach mit NaCL statt Luft und können es dann im Schallbild gut identifizieren: Sowohl, dass der Tubus in der Trachea sitzt, als auch die genaue Höhe. Danach NaCl wieder abziehen und mit Luft blocken. Fertig und Strahlung, Zeit und Transport gespart.

  • MJ Slabbert: Guts or Gadgets ? … Prayers or Protocol? …Training or Tricks?

Die Ambivalenz zwischen fest gelegten Protokollen/Algorithmen auf der einen Seite und der Entscheidung aufgrund von Erfahrung und Expertise  auf der anderen Seite zu entscheiden ist eine große Herausforderung.

Gerade in der Notfallmedizin, wo wir meist in der Patientengeschichte am Anfang stehen. Und das kennen wir zur Genüge: hinterher ist man immer klüger. Für mich persönlich sehr eindrücklich und erhellend das folgende extrem einfach Diagramm:

(via http://rebelem.com)

  • 16 Bits of Anaphylaxis: Daniel Crabrera

Zum Schluss noch ein graphisches Highlight: Daniel Cabrera hat seinen kompletten Vortrag mit 16-Bit (8-Bit?) Computer-Grafik unterlegt, um Anaphylaxie und die Therapie noch einmal zu verdeutlichen:

Erstlinientherapie bei der Anaphylaxie ist immer – immer – immer Adrenalin! Hand aufs Herz, wie viele unserer Notärzte handeln danach?

und dann ging es abends auf die dasSMACC-Party!

 

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#FOAM deutsch

Neues aus FOAM’s world #3

Soziale Medien (SoMe) spielen inzwischen weltweit für die medizinische Weiterbildung eine große Rolle. #dasFOAM möchte ein Teil davon sein. Wir beschäftigen uns damit, frei verfügbare medizinische Lehrinhalte (FOAMed = Free Open Acess Medical EDucation) in Deutschland bekannt zu machen und unserer eigenen Inhalte zu verbreiten. Aus diesem Grund wollen wir in regelmäßigen Abständen auch berichten, welche Themen national und international in der Notfall- und Intensivmedizin als FOAM verfügbar sind und unlängst besprochen wurden. Dazu wollen wir monatlich eine Zusammenfassung von interessanten Podcasts, Blogs oder auch Tweets der jüngere Zeit liefern.

  • Unsere geschätzten Kollegen von wains-world.de haben 2 sehr interessante Artikel raus gelassen: unter „Zugang legen – mal wissenschaftlich betrachtet!“ geben sie einige Evidenz basierte Tips zum Zugang legen. Und endlich wissen wir es, klopfen auf die Vene erweitert sie. Halleluja. Der zweite Artikel geht über psychologischen Stress und eine Mr.T-basierte Strategie dagegen an zu gehen. Offensichtlich kommt dies in der Notfallmedizin weltweit sehr gut an, ich persönlich bin kein so großer Fan dieser Selbstanfeuerung (auch wenn Atemtechnik und Visualisierung sicherlich sinnvoll und evidenzbasiert sind).
    In dem Zusammenhang erinnere ich mich mit Grauen an Scotts „Podcast“ auf dem SMACCDUB, allerdings stehe ich mit der Meinung zumindest in Deutschland nicht ganz alleine da. (FL)
  • Das Thema Larynxtubus wurde ja bereits mit einem Hinweis auf einen Post in news-papers.eu zu diesem Thema durch Felix in „Neues aus FOAM´s World #2 aufgegriffen. Ein aktueller Artikel zum Thema Cuff-Druck bei Larynxtubusanwendung kann als „free full text“ abgerufen werden. (JG)
  • Schmerztherapie bei kritisch kranken Patienten: Jeder kennt das WHO-Stufenschema zur Schmerztherapie. Das 1986 publizierte  Schema wurde ursprünglich zur Schmerztherapie bei Tumorschmerzen,  unter anderem für Entwicklungsländer mit begrenzten Ressourcen, entwickelt. In der Intensivmedizin gibt es bislang noch kein speziell für dieses Patientenkollektiv angepasstes Schema. Josh Farkas von emcrit.org hat einen lesenswerten Artikel dazu geschrieben und ein angepasstes Schema entwickelt: Reengineering the analgesic ladder for criticall ill patients. Das bei uns in Deutschland so gerne verwendete Metamizol findet sich im Artikel wegen fehlender Zulassung nicht wieder. Ich denke aber, dass das Acetaminophen (Paracetamol) bei fehlenden Kontraindikationen durchaus damit ausgetauscht werden kann. (GS)
  • Wir sind alle irgendwann Anfänger. Mir hat vor ca einem Jahr der direkte Kontakt auf dem SMACCdub sehr geholfen. Ganz aktuell und online hat Chris Nickson von lifeinthefastlane.com einen sehr schönen Artikel für alle FOAMed-Starter veröffentlicht: Ten Tips for FOAM Beginners. (GS)
#FOAM deutschSimulation

DIY-Anleitung für SALAD-Simulatoren – Teil I

oder: Becoming the nemesis of emesis

 

Jeder, der eine notfallmedizinische Ausbildung genossen hat, kennt die dogmatische Anweisung: “Bei gefährdetem Atemweg Absaugung vorbereiten”. Die Notwendigkeit dieses Arbeitschrittes ist klar, die Konsequenzen von Aspiration oder verzögerter Atemwegssicherung ebenso. Das tatsächliche Eintreten “schwallartigen” Erbrechens stellt jedoch auch den vorbereiteten Anwender in den meisten Fällen vor deutliche Probleme:

    • eine rapide Füllung des Mundraumes und Pharynx ist unmittelbar nicht zu verhindern
    • räumliche und situative Gegebenheiten erschweren häufig die Drehung des Patienten und manuelle Ausräumung
    • übliche Absaugkatheter führen zum einen nicht genug Volumen, um suffizient abzusaugen, und sind zum anderen zu flexibel, um gezielt den Hypopharynx zu erreichen und Weichteile zu mobilisieren
    • Fingertips sowie Daumenport bei Yankauern erschweren simultanes Absaugen unter laryngoskopischer Sicht
    • realitätsnahes, auf die Situation zugeschnittenes Training wird selten erdacht und durchgeführt

 

Abseits von der Empfehlung zu speziell designtem Material (SSCOR DuCanto Catheter) lässt sich letzterer Punkt mit Kreativität, einem selbstgebauten Simulator und regelmäßigem Training von Suction Assisted Laryngoscopic Airway Decontamination, kurz SALAD, einfach beheben – Luck favors the prepared!

 

Der Weg zum eigenen “Vomiquin” in Schritten:

Foto 03.06.17, 00 20 12

(Foto: @roadsidecc)

Material:

Grundvorraussetzung ist das Vorhandensein eines üblichen Airwaysimulators, der eine anständige Atemwegsstruktur sowie von kaudal zugängliche Trachea- und Ösophagusabgänge besitzt. Idealerweise ist der Mundraum geschlossen, damit der SAC (Simulated Airway Contaminant, Kunstkotze) nicht in unzugängliche Bereiche abläuft. Kostengünstig lassen sich gebrauchte Intubationsköpfe oft im Internet oder in alten Lagerbeständen von Schulen und Hilfsorganisationen finden.

Weiterhin wird benötigt:

  • ein Akkuschrauber mittlerer Leistungsklasse mit stufenloser Regelung
  • Pumpenaufsatz für Bohrmaschinen
  • mind. 3m flexibler Schlauch, ca. 15 mm Durchmesser, passend auf Pumpe und Airway
  • ggf. 30 cm stabiler Schlauch als Ösophagus-Verlängerung
  • Tank / Kanister mit Volumen > 2 Liter
  • diverse Schraubzwingen
  • passender Schraubkonnektor zwischen Schlauch – Ösophagus
  • 2 – 3 Halbringe und Schaumstoff zur Montage des Akkuschraubers
  • verschiedene Schrauben / Muttern / Unterlegscheiben
  • große Luftballons als tauschbarer Lungenersatz
  • Silikon zum Abdichten
  • stabile Bodenplatte für Schrauber / Pumpe
  • optional eine Kiste / Pelicase zum Verbauen der Pumpe
  • optional ein zweiter Kanister als Sekretauffang, längs aufgeschnitten unter dem Kopf platziert
  • optional eine zweite Bodenplatte zur Montage des Kopfes

Und zur Herstellung von künstlichem Erbrochenen:

  • Wasser
  • Haushaltsessig
  • Lebensmittelfarbe
  • optional Verdickungsmittel Xanthan (online oder in Drogerien)
  • optional Feststoffe wie z.B. Haferflocken

 

Die Liste muss gegebenfalls auf die verwendeten Materialien und deren Einzelgrößen angepasst werden. Der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt – zum Beispiel lässt sich der Pumpensatz durch einen Sekretbeutel und Schwerkraft komplett ersetzen, wie hier zu sehen:

vomiquin5

(Foto: Twitter @TbayEDguy)

 

WARNUNG: Strom und Wasser sind eine gefährliche Kombination! Es ist bei Bau und Anwendung des Modells kontinuierlich auf Dichtigkeit und Trennung leitender Bestandteile zu achten!

 

Schritt 1:

Zuerst sollte die Pumpeneinheit montiert werden. Es bietet sich an, das Modul wie gezeigt in einer Kiste oder falls nicht vorhanden auf einer Bodenplatte zu montieren.

Der Akkuschrauber wird mit dem Schraubgewinde an den Pumpenvorsatz angeschlossen und liegend auf der Platte positioniert. Dabei ist zu beachten, dass die Pump- und Schraubrichtung (Kotze > Dummy) richtig eingestellt ist, die Schlauchabgänge nicht abknicken, und der Akku des Bohrers einfach zu zugänglich ist. Mit den Halbringen wird der Bohrer eingefasst und an der Bodenplatte befestigt, ebenso wie die Pumpe, die idealerweise vorgebohrte Löcher besitzt. Essentiell ist eine stabile Verbindung der Teile auf einer dicken Platte, da ein erhebliches Drehmoment aufgebaut wird.

Das graue Kabel auf den folgenden Bildern dient zur Fernbedienung des Akkuschraubers an unserem Modell (danke Kai!) – Solche Veränderungen sollen nur durch elektrotechnisch versiertes Personal erfolgen.

(Fotos: @roadsidecc)

Schritt 2:

Nun können die Schläuche zugeschnitten und montiert werden: Die Verbindung Pumpe – Ösophagus sollte mindestens 1,5 m betragen, um den Kopf später flexibel positionieren zu können. Zwischen Pumpe – Kanister sollten je nach Bauart mindestens 0,5 – 1,0 m gewählt werden. Der Schlauch sollte entweder am Boden des Kanisters durch ein Loch eingelegt und abgedichtet werden, oder bei Einlage durch die Schrauböffnung auf jeden Fall den Boden erreichen. Die Montage erfolgt mit Schraubzwingen und ggf. Silikon als Dichtung.

(Fotos: Twitter @ketaminh / @roadsidecc)

Schritt 3:

Nun wird der Airwaydummy präpariert: Der Plastikmagen muss sauber entfernt und die Verbindungsstelle gegebenfalls rund gefeilt werden. Die Verbindung zwischen Ösophagus – Schlauch sollte mit einem Schraubkonnektor und Schraubzwinge erfolgen, um beide Module getrennt transportieren und säubern zu können. Bei machen Modellen bietet es sich an, mit einem Stück stabilem Schlauch den Ösophagus des Simulators zu verlängern.

Plastiklungen sollten entfernt werden, da sich dort naturgemäß nicht entfernbares Sekret ansammelt – eine Lösung sind austauschbare Luftballons zur einfachen Lagekontrolle, oder ein Anschluss von Schläuchen mit Perfusorspritzen, um die aspirierte Sekretmenge evaluieren zu können – oder man lässt sie ganz weg.

Foto 04.07.17, 22 24 02

(Foto: @roadsidecc)

Schritt 4:

Der letzte und spaßigste Teil ist mit Abstand das Anmischen der künstlichen Kotze und die erste, feuchtfröhliche Session mit dem eigenen Vomiquin – am geeigneten Mischungsverhältnis  muss ein wenig rumprobiert werden. Gut machen sich:

  • 500 ml Wasser
  • 500 ml weißer Haushaltsessig (bewahrt vor Schimmel in den Schläuchen)
  • 1 Esslöffel Xanthan
  • ein paar Tropfen Lebensmittelfarbe der Wahl

Gemischt wird am besten im Blender oder mit einem Handrührgerät oder Schneebesen.

Foto 03.06.17, 00 20 08

(Foto: @roadsidecc)

Um auslaufendes Sekret direkt auffangen zu können, kann ein längs halbierter Kanister unter dem Intubationskopf platziert werden:

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(Foto: @roadsidecc)

Generell bietet es sich an, genug Handtücher parat zu haben… Nach den ersten Tests und jeder Simulation muss der Vomiquin gründlich durchgespült und getrocknet werden!

Lange Rede – erfolgreiches Basteln! Stay tuned für Teil II!

 

Wie bereits erwähnt beschreibt diese Anleitung nur eine von vielen Möglichkeiten simulierten Erbrechens – Anbei eine kleine Twitter-Galerie und die Original-Anleitung der airwaynautics.com zur Anregung:

 

 

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#dasSMACC#FOAM deutsch#FOAM international

#dasSMACC Tag 1

Es ist los gegangen – und wie!

Eingeleitet von einem beeindruckenden Tanz- Ballet mit spezieller Choreographie zur Eröffnung kamen dann nicht unendlich viele Reden in schlechtem Englisch oder mit schwierigen Themen sondern nur eine kurze Vorstellung  – erfreulich unprätentiös – von den SMACC-Gründern Roger Harris, Chris Nickson und Oli Flower. (FL)

HansvanSchuppen
„#SMACC is a reunion of friends who have never met before.“ – Chris Nickson @precordialthump #dasSMACC pic.twitter.com/bucRu4731A
27.06.2017, 08:40

Wir wollen Euch nun in mehren Posts durch die drei Kongress- Tage führen. Dies sind gemeinschaftliche Posts einiger aktiver Autoren von dasFOAM und unsere Meinungen und Eindrücke sind nicht durchgehend übereinstimmend, so daß wir die Sektionen mit Namenskürzeln markiert haben. Womit wir bestimmt alle übereinstimmen ist, daß es eine solche Konferenz zu medizinischen Themen in Deutschland noch nicht gegeben hat und die Performance, die Gemeinschaft und der Wunsch das Richtige für unsere Patienten tun zu wollen und dabei gesund zu bleiben, uns alle in Sinne von SMACC eint. Bitte lest selbst! (JU)

Die erste Session war das prestigeträchtige John-Hinds-Plenary und konnte bis auf den hervorragendenen Alex Psirides und seinen Vortrag zur End of Life – Diskussion mich nicht so richtig überzeugen. (FL)

_NMay
We do plenty of things that are fun for us – and not so much fun for patients #WeNeedToTalkAboutDying #dasSMACC @psirides pic.twitter.com/tPbpZDU0YB
27.06.2017, 10:15

Auch wenn gleich im ersten Vortrag bereits mit mächtig Wumms eine futuristische, präklinische Rettungsmaßnahme mit Realtime-Bild- und Vitalzeichen-Transfer inszeniert wurde. Aber richtig neu war es nicht, zumindest für mich nicht. (FL)

Auf jeden Fall aber aufregend für dasFOAM.org : Autorin @ahueb (seit dasSMACC auch Teil des Vorstands) war als einzige Deutsche überhaupt in den Sessions auf der Bühne vertreten – mal abgesehen von Walter Eppichs Wurzeln: als Twitter-Moderatorin im John Hinds Plenary. (DD)

In der zweiten Präsentation erzählte Jessica Mason die Geschichte von Jonathan. Mit Einsatz aller möglichen Technik und doch nur einen iPad im Arm stand sie in der Mitte der Arena und choreographierte originale Tonaufnahmen, Video-Eindrücke und schwermütige Musik, um die letzten Wochen eines final Kranken dem Auditorium nahe zu bringen. Die emotionale Reise sollte als Transportmittel dienen, um jedem ins Gehirn zu brennen, dass Sichezell- Anämie nicht kurativ behandelbar ist. Jonathan erfuhr in seiner Krankengeschichte, ihrer Meinung nach, nicht ein palliatives Therapie- Konzept, wie es notwendig gewesen wäre. Manch Einer war das „zu amerikanisch“ und „zu sehr auf die Tränendrüsen gedrückt“, aber die Message ist rübergekommen. Chapeau für den Vortrag. (JU)

Für mich war dieser Ansatz aber insofern spannend, als – wie angekündigt – ein medizinisches Thema ausgehend von einer Patientenperspektive vorgetragen wurde. Nimmt man das als den Versuch einer reinen Wissensvermittlung über Sichelzellanämie, wäre es eine recht selten genutzte, aber effektive und ganz gut umgesetzte didaktische Methode. Zugegeben, es waren nicht viele Facts eingestreut, aber es gab sie, und zwar nicht bloß erklärend, sondern gewissermaßen als roten Faden. Man stelle sich vor, in der Anästhesievorlesung über Kinderanästhesie kommen O-Töne eines Kindes vor, die Fragen, die es vor der OP stellt, die Sache mit dem Luftballon, der Feuerwehr- oder Pilotenmaske. Dazu dann die eigentlichen Facts zu Prämedikationvisite, Gerinnungsfragebogen, präoperativem Fasten, Sedierung ja/ nein, vielleicht EMLA-Pflaster, Eltern in der Einleitung, Präoxigenierung, FRC bei Kindern, Masken- vs iv-Einleitung…

Unabhängig von der dramaturgischen Umsetzung, und über die Immersion in die einmalige SMACC-Atmosphäre hinaus, war es als „Undergrad Meducator“ sehr spannend, über den Konferenzverlauf ein paar solcher innovativen Formate kennen zu lernen, die auch in der wissenschaftlichen und akademischen Wissenspräsentation und -vermittlung „zu Hause“ ihren Platz haben könnten. Würde ich gern selbst mal ausprobieren. Werde mich auf die Suche machen. (DD)

Einen interessanten Aspekt von „Stimmen in meinem Kopf“ brachte Sara Gray. In ihrem Vortrag ging es nicht um psychatrische Patienten, wie wohl jeder erwarten würde, nein – es ging um die Stimme im Kopf, die sich meldet, wenn man unter Druck sein Selbstbewustsein verliert und andauernd nur daran denkt, wie schlecht man gerade ist und wie schlimm alles noch werden könnte. Sie schilderte einen Fall von schwierigen Atemweg, den sie beheben wollte und zu dem unglücklicherweise „jeder, der bei einem schwierigen Atemweg helfen kann“ zur Hilfe gerufen wurde. Die Menge an Kollegen, die erschienen, machten die Situation für sie auch nicht besser…Um die eigene Resilienz zu stärken empfiehlt sie regelhaft positiv mit sich selbst zu sprechen und Phrasen zu haben, mit denen man sich Mut zusprechen kann, wenn etwas nicht so läuft, wie gewünscht. (JU) Sie empfahl auch, sich „failure friends“ zu suchen, Gesprächspartner, mit denen man offen seine (gefühlten) Niederlagen besprechen kann.   (DD)

Die zweite Session wurde dann schon erheblich klinischer:

Rinaldo Bellomo hat sich einmal unser Weltbild von der Physiologie vorgeknöpft, um dann der Reihe nach liebgewonnene Wahrheiten zu zerlegen. Großartig. Und schafft es im Vorbeigehen einen SMACC Klassiker hin zu bekommen: Warum den Patienten nicht Eiswürfel auf die Eier legen?

ercowboy
@79ka2011 Rinaldo Bellomo coins a #dasSMACC classic: „physiologic masturbation.“ Why not just put ice chips on pts. balls?
27.06.2017, 11:10

Die Lektionen aus den Toden ihrer 4 Hunde aus der Kindheit hat Resa Lewiss in „four tragic dog deaths: lessons in program design und development“ eindrücklich und auch unterhaltsam verarbeitet, um uns Hilfe bei unseren Projekten im Alltag zu geben.

hotSahs
Using the loss of four family dogs as a platform for discussing program/project design. #dasSMACC pic.twitter.com/jRisXRYAGl
27.06.2017, 11:17

Abgesehen von einer kaum verschleierten Werbung zum Ultraschall einer speziellen Firma sowie einem unterhaltsamen, aber nicht so wirklich erhellenden Battle zu Ketamin kam dann doch noch ein Highlight: David Carr und Endocarditis will f#&k you up.

srrezaie
Think Endocarditis if… Fever + Valve Replacement Fever + IVDU Fever + Cancer (AdenoCa) Fever + Lupus #dasSMACC
27.06.2017, 12:10

Der Rest der Session war dann nicht ganz so neu, aber Paul Youngs p-Value-bashing ist einfach gut und wichtig. Gab es aber so ähnlich schon in SMACCdub, davon sollte man tatsächlich mehr haben.

Der Vormittag ist dann mit einer mehr oder weniger sinnvollen Simulationseinheit ausgeklungen. Wenn man Sim macht, hat es einem nichts gebracht (zumindest aktuell nicht erkennbar), wenn man keines macht, hat man es vermutlich nicht so richtig verstanden bzw. es einen nicht davon überzeugt das zu ändern.

Der Nachmittag begann mit Diana Egerton-Warburton und ihren Erfahrungen mit Alkohol-induzierten Vorstellungen in der Notaufnahme, sowohl aus der aktiven (Alkoholiker) wie aus der passiven (Opfer von Gewalt ausgelöst durch Alkohol) Perspektive, ein Problem, das wir alle kennen. (FL)

Dass wir zu Weilen an die Grenzen von evidenz- basiertem Wissen stoßen, versuchte Michelle Johnson in ihrere Präsentation „In honor of the Clot (Consider the Lobster)“ darzustellen. Wie behandelt man gerinnungstechnisch eine rTPA- induzierte Blutung? Wir wissen offensichtlich nicht einmal genau, was rTPA wirklich macht. Die Komplexität des Gerinnungssystems übersteigt derzeit unser wissenschaftliches Verständnis. Und klinische Trails gibt es auch keine, geschweige denn spezifische Medikamente, die den unspezifischen Faktor rTPA wieder ausschalten. Am Schluß bleibt nur die Gießkanne (interessanterweise im englische als „sink“ = Ausguß bezeichnet), mit dem Einsatz aller erdenklicher Mittel, wie FFP, Fibrinogen, TXA, um die Blutung zu stoppen. Was man dadurch aber an Gerinnungssystem macht, weiß auch keiner… (JU)

Untern Strich muss man sagen, dass der Fokus auf der Gemeinschaft und der Kunst der Präsentation lag. Für jemanden, der hauptsächlich medizinische Inhalte erwartet hatte, mag das irritierend gewesen sein. Dabei muss man aber wissen, dass die meisten extrem- medizinischen Themen in den letzten Jahren auf SMACC durchdiskutiert wurden und das besondere, was SMACC ausmacht, auch den Kult um Performance bei der Wissensvermittlung beinhaltet. Insgesamt wurden mehr „Meta-Themen“ in den Vordergrund gestellt. Die Organisation der Konferenz mit einer Bühne vor 2500 Teilnehmern musste natürlich alle in gewisser Weise mitnehmen. Bei einem so heterogenen Publikum vom Student- volonteer bis zum Hochschulprofessor kann man nicht optimal medizinisches Wissen vermitteln. Ich denke deshalb ging es auch zu vorderst um „wie fühle ich mich“ z.B. unter Druck oder bei end-of-life- Entscheidungen. Deshalb war sicher auch ein großes Thema Simulation, welches sich auch mit dem SIM- house und den dazugehörigen Vorträgen durch alle drei Kongresstage zog. (JU)

…to be continued…

 

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#FOAM deutsch

dasFOAM e.V.

Wir haben einen Trägerverein für unsere Website dasFOAM.org gegründet, um eine unabhängige Finanzierung gewährleisten zu können.

Yeah!

#dasSMACC hat uns zusammengeführt, im wahrsten Sinne des Wortes. Insgesamt konnten wir 24 Gründungsmitglieder gewinnen!

Als Vorstand haben sich Aurelia Hübner, Gorki Sacher (gemeinsamer Vorstand) und Joachim Unger (Kassierer) zur Verfügung gestellt.

Das große Interesse an SMACC (Sozial Media and Critical Care) auch im deutschsprachigen Raum und 24, in Worten vierundzwanzig (sic!), Gründungsmitglieder zeigen uns einfach, wie richtig wir damit lagen, ein deutsches FOAM (Free Open Medical Education) Projekt zu starten. Wenn es noch mehr Kolleginnen oder Kollegen oder Studierende oder Auszubildende aus dem pflegerischen, präklinischen, sanitätsdienstlichen oder medizinischem Bereich gibt (hoffentlich habe ich nichts vergessen…), die uns unterstützen wollen oder Teil unserer Autorengemeinschaft werden wollen, meldet Euch! Ein softer Einstieg wäre der Anschluss an unser Slack- Forum, oder folgt uns auf Twitter und Facebook (und teilt unsere Posts…).

Der Verein dasFOAM e.V. ist gemeinnützig aufgestellt und gegründet zur Bereitstellung der online-Plattform für Autoren aller Bereich, die sich mit Akutmedizin beschäftigen und ihr Wissen und ihre Erfahrung mit Anderen teilen wollen. Schaut es Euch an und wenn Ihr ein Thema habt, das Euch am Herzen liegt, habt keine Scheu Euch daran zu versuchen. Wir stehen Euch in technischen und organisatorischen Fragen zur Seite.